Agathe Tichonowna (tritt ein). Wie mir das Herz klopft ... ich kann es
gar nicht sagen. Wohin ich schaue, wohin ich mich wende ... überall sehe
ich Iwan Kusmitsch vor mir sitzen. Es muß wohl wahr sein, daß niemand
seinem Schicksal entgehen kann. Vorhin versuchte ich an ganz etwas
anderes zu denken! Aber, was ich mir auch vornehme ... ich probierte
Garn abzuwickeln, fing an, den Pompadour zu sticken, aber ach, immerzu,
in einem fort drängt sich mir das Bild Iwan Kusmitschs auf. (Pause.)
Ach, also wirklich, nun soll die große Veränderung in meinem Leben
kommen ... Erst wird man mich in die Kirche führen ... dann mich mit ihm
allein lassen; ... mit dem Manne ... oh, mir wird schon jetzt ganz
schaurig! -- ja, leb wohl, meine schöne Mädchenzeit! (Sie weint.) Wie
viele Jahre hab' ich so ruhig dahingelebt; -- lebte und lebte vor mich
hin! Und nun mit einem Male soll ich heiraten, die Frau eines Mannes
werden. Und all die Sorgen, die einen da erwarten. Die Kinder ... ach
... und die Knaben, dieses wilde Volk ... Und dann kommen auch die
Mädchen, die werden schnell groß und wollen dann ebenfalls versorgt
sein. Noch gut, wenn sie brave Männer bekommen; aber vielleicht kriegen
sie einen Säufer ... oder einen solchen Kerl, der alles auf eine Karte
zu setzen bereit ist ... (Sie fängt wieder an zu weinen.) Eigentlich
habe ich doch meine Mädchenzeit gar nicht so recht genossen ... Nur
siebenundzwanzig Jahre hat sie gedauert ... (Mit veränderter Stimme.)
Aber warum zögert nur Iwan Kusmitsch so lange?
Agathe Tichonowna und Podkoliessin, den Kotschkarjows Hände in
die Tür hineinschieben.
Podkoliessin (stockend). Ich komme, mein Fräulein, um Ihnen eine
Erklärung abzugeben ... aber ... ich wüßte nämlich gerne zuvor, ob Ihnen
diese Erklärung nicht zu seltsam vorkommen wird.
Agathe Tichonowna (die Augen senkend). Um was handelt es sich denn?
Podkoliessin. Nein, Fräulein, sagen Sie mir erst, daß Sie sich nicht
darüber wundern werden.
Agathe Tichonowna (wie vorher). Ich weiß doch gar nicht, was es ist.
Podkoliessin. Gestehen Sie nur, es wird Ihnen sicherlich sehr merkwürdig
vorkommen, was ich Ihnen zu sagen habe.
Agathe Tichonowna. Aber ich bitte Sie, warum denn merkwürdig? ... Alles
was Sie mir sagen, ist mir angenehm.
Podkoliessin. Aber so etwas haben Sie gewiß noch niemals gehört ...
(Agathe Tichonowna läßt die Augen noch tiefer sinken; inzwischen ist
Kotschkarjow leise hereingetreten. Er stellt sich hinter Podkoliessin.)
Es handelt sich nämlich ... um das folgende ... Aber nein, sprechen wir
lieber ein andermal davon.
Agathe Tichonowna. Aber was ist es denn nur?
Podkoliessin. Es ist ... nämlich ... ich möchte Ihnen nämlich erklären,
aber ich habe noch immer Zweifel ...
Kotschkarjow (beiseite, die Hände zusammenschlagend). Herrgott, ist das
ein Mensch! Das reinste alte Weib, und kein Mensch! Ein Hohn, eine
Parodie auf die Menschheit! ...
Agathe Tichonowna. Aber warum zweifeln Sie denn noch?
Podkoliessin. Ach, ich weiß nicht, mir kommen immer wieder Bedenken.
Kotschkarjow (laut). Herrgott, wie dumm ist das alles! Wie dumm!
Fräulein, Sie sehen doch, er hält eben um Ihre Hand an. Er will Ihnen
erklären, daß er ohne Sie nicht länger leben, nicht existieren kann. Er
möchte Sie nur fragen, ob Sie bereit wären, ihn glücklich zu machen.
Podkoliessin (beinahe erschrocken, gibt ihm einen Rippenstoß und spricht
lebhaft). Ich bitte dich, was sagst du da? ...
Kotschkarjow. Also, entschließen Sie sich, mein Fräulein. Wollen Sie
diesen Sterblichen glücklich machen?
Agathe Tichonowna. Ach, wie könnte ich glauben, daß es in meiner Macht
liegen sollte, das Glück eines Mannes ... das Glück eines Mannes ... Nun
gut, ich bin einverstanden ...
Kotschkarjow. Natürlich! Selbstverständlich! Warum denn nicht gleich so?
So reicht euch doch die Hände, Kinder!
Podkoliessin. Gleich! (Er will Kotschkarjow etwas ins Ohr flüstern.
Dieser zeigt ihm die Faust, runzelt die Stirn, und Podkoliessin reicht
Agathe Tichonowna die Hand.)
Kotschkarjow (legt ihre Hände ineinander). So, Gott segne euch! Auch ich
gebe euch meinen Segen zu eurem Bunde. Die Ehe, wißt ihr, ist immer so
'ne Sache. Ja, das ist nicht, als ob man sich 'ne Droschke nimmt, sich
reinsetzt und irgendwohin losfährt. Das ist eine ganz andere Sache; ja,
das ist eine Pflicht! Leider habe ich jetzt keine Zeit mehr; darum will
ich euch nachher sagen, was das für eine Pflicht ist. So, Iwan
Kusmitsch, und jetzt küsse deine Braut! Nunmehr darfst du es tun; ja,
mein Freund, nun mußt du es sogar tun! ... (Agathe Tichonowna senkt die
Augen.) Nicht doch, nicht doch, mein Fräulein. Das muß so sein. Sie
müssen sich küssen lassen.
Podkoliessin. Nein, Fräulein, gestatten Sie ... Jetzt müssen Sie schon
gestatten. (Er küßt sie und nimmt sie bei der Hand.) Welch ein
herrliches Händchen! Woher haben Sie nur ein so herrliches Händchen,
mein Fräulein? ... Und noch eins ... Lassen Sie unsere Hochzeit sofort
stattfinden! Sofort!
Agathe Tichonowna. Wie, gleich? ... Aber das ist am Ende doch zu
schnell!
Podkoliessin. Nein, nein, davon will ich nichts hören! Die Trauung soll
gleich stattfinden. So schnell als möglich!
Kotschkarjow. Vorzüglich! Bravo! ... Sehr gut! Du bist ja ein
Prachtkerl! Ich muß sagen, ich habe immer nur das Beste von dir
erwartet. Und Sie, Fräulein, beeilen Sie sich jetzt. Ziehen Sie sich
recht schnell um. Jetzt darf ich's ja verraten. Ich habe schon vorhin
einen Wagen besorgt und auch ein paar Gäste für heute abend geladen. Sie
sind wahrscheinlich schon auf dem Wege nach der Kirche. Ihr
Hochzeitskleid liegt doch schon bereit, nicht wahr?
Agathe Tichonowna. O gewiß, schon lange. Ich kleide mich schnell um und
bin sofort fertig.