Chlestakóff. Hospitalverwalter, in Haltung und die Hand am Degen.
Hospitalverwalter. Habe die Ehre, mich vorzustellen: Hospitalverwalter
und Hofrat Semljaníka.
Chlestakóff. Schönen guten Tag, bitte nehmen Sie gefälligst Platz.
Hospitalverwalter. Ich hatte gestern die Ehre, Sie persönlich empfangen
und Ihnen in der meiner Aufsicht anvertrauten Anstalt aufwarten zu
dürfen.
Chlestakóff. Ach ja, ich erinnere mich. Sie gaben mir ein vorzügliches
Frühstück.
Hospitalverwalter. Ich bin glücklich, dem Vaterlande dienen zu können.
Chlestakóff. Offen gestanden, es ist das meine schwache Seite -- ich
liebe eine gute Küche. Sagen Sie doch mal, mir scheint -- waren Sie
nicht gestern ein Endchen kleiner, wie?
Hospitalverwalter. Sehr wohl möglich. (Nach kurzer Pause.) Ich darf es
aussprechen, daß ich mit größter Aufopferung und Hingebung meinen Dienst
erfülle. (Rückt näher und spricht halblaut.) Sehen Sie, der hiesige
Postmeister tut gar rein gar nichts; alles ist gänzlich verwahrlost:
Sendungen werden unterschlagen ... bitte nur selbst einmal nachzusehen.
Auch der Kreisrichter, der eben vor mir drin war, geht immer nur auf die
Hasenjagd, hält seine Hunde im Gerichtslokal, und seine Moral, wenn ich
es vor Ihnen bekennen darf -- indessen zum Wohle des Vaterlandes muß ich
es tun, obwohl er mein Anverwandter und Freund ist -- seine Moral ist
die denkbar schlechteste. Hier lebt ein Hausbesitzer Dóbtschinski, Sie
geruhten ihn bereits bemerkt zu haben, und wenn dieser Dóbtschinski nur
einen Schritt aus seinem Hause tut, gleich ist der Kreisrichter drin und
treibt mit seiner Frau ... ich kann es beschwören ... Sie brauchen sich
da nur mal die Kinder anzusehen: keins von ihnen gleicht dem
Dóbtschinski, aber alle, sogar das jüngste Töchterchen, sind dem
Kreisrichter wie aus dem Gesicht geschnitten.
Chlestakóff. Was Sie sagen! Das hätte ich nie gedacht!
Hospitalverwalter. Und dann der Schulinspektor. Ich verstehe nicht, wie
die Obrigkeit ihm solch ein Amt anvertrauen konnte. Er ist schlimmer als
ein Jakobiner und bringt der Jugend derartig verwerfliche Grundsätze
bei, daß es schwer zu beschreiben ist. Befehlen Sie, daß ich darüber ein
schriftliches Memorandum aufsetze?
Chlestakóff. Schön, jedenfalls schriftlich. Es wird mir sehr willkommen
sein. Wissen Sie, ich liebe es sehr, für langweilige Stunden etwas
Erbauliches zum Lesen zu haben ... Wie heißen Sie doch? Ich vergesse
immer alles.
Hospitalverwalter. Semljaníka.
Chlestakóff. Ach ja, Semljaníka. Sagen Sie, haben Sie Kinder?
Hospitalverwalter. Freilich, ganze fünf, zwei schon erwachsen.
Chlestakóff. So, so, auch schon erwachsene! Na und die ... welchen
Geschl...?
Hospitalverwalter. Sie geruhten wahrscheinlich zu fragen, wie sie
heißen?
Chlestakóff. Ja wohl, wie sie heißen.
Hospitalverwalter. Nikolái, Iwán, Elisabeth, Márja und Perpetua.
Chlestakóff. Famos.
Hospitalverwalter. Ich wage nicht, Sie länger durch meine Gegenwart zu
belästigen und Ihnen kostbare Zeit zu rauben, die den heiligsten
Pflichten gewidmet ist ... (Verneigt sich und will abtreten.)
Chlestakóff (Gibt ihm das Geleit). Nein, durch aus nicht. Das ist ja
alles sehr spaßhaft, was Sie mir da erzählt haben. Machen Sie mir bald
wieder das Vergnügen ... ich höre so etwas sehr gerne. (Geht schnell
wieder zur Türe, öffnet sie und ruft hinter ihm her.) He Sie! Wie heißen
Sie doch noch? Ich vergesse alles, wie heißen Sie mit Vor- und
Vaternamen?
Hospitalverwalter. Artémij Filíppowitsch.
Chlestakóff. Tun Sie mir den Gefallen, Artémij Filíppowitsch, mir ist
ein komischer Fall begegnet: ich gab mich auf der Reise vollständig aus.
Könnten Sie mir wohl vierhundert Rubel leihen?
Hospitalverwalter. Zu dienen.
Chlestakóff. Wie gut sich das trifft! Danke verbindlichst!