6. Szene

Chlestakóff. Hospitalverwalter, in Haltung und die Hand am Degen.

Hospitalverwalter. Habe die Ehre, mich vorzustellen: Hospitalverwalter

und Hofrat Semljaníka.

Chlestakóff. Schönen guten Tag, bitte nehmen Sie gefälligst Platz.

Hospitalverwalter. Ich hatte gestern die Ehre, Sie persönlich empfangen

und Ihnen in der meiner Aufsicht anvertrauten Anstalt aufwarten zu

dürfen.

Chlestakóff. Ach ja, ich erinnere mich. Sie gaben mir ein vorzügliches

Frühstück.

Hospitalverwalter. Ich bin glücklich, dem Vaterlande dienen zu können.

Chlestakóff. Offen gestanden, es ist das meine schwache Seite -- ich

liebe eine gute Küche. Sagen Sie doch mal, mir scheint -- waren Sie

nicht gestern ein Endchen kleiner, wie?

Hospitalverwalter. Sehr wohl möglich. (Nach kurzer Pause.) Ich darf es

aussprechen, daß ich mit größter Aufopferung und Hingebung meinen Dienst

erfülle. (Rückt näher und spricht halblaut.) Sehen Sie, der hiesige

Postmeister tut gar rein gar nichts; alles ist gänzlich verwahrlost:

Sendungen werden unterschlagen ... bitte nur selbst einmal nachzusehen.

Auch der Kreisrichter, der eben vor mir drin war, geht immer nur auf die

Hasenjagd, hält seine Hunde im Gerichtslokal, und seine Moral, wenn ich

es vor Ihnen bekennen darf -- indessen zum Wohle des Vaterlandes muß ich

es tun, obwohl er mein Anverwandter und Freund ist -- seine Moral ist

die denkbar schlechteste. Hier lebt ein Hausbesitzer Dóbtschinski, Sie

geruhten ihn bereits bemerkt zu haben, und wenn dieser Dóbtschinski nur

einen Schritt aus seinem Hause tut, gleich ist der Kreisrichter drin und

treibt mit seiner Frau ... ich kann es beschwören ... Sie brauchen sich

da nur mal die Kinder anzusehen: keins von ihnen gleicht dem

Dóbtschinski, aber alle, sogar das jüngste Töchterchen, sind dem

Kreisrichter wie aus dem Gesicht geschnitten.

Chlestakóff. Was Sie sagen! Das hätte ich nie gedacht!

Hospitalverwalter. Und dann der Schulinspektor. Ich verstehe nicht, wie

die Obrigkeit ihm solch ein Amt anvertrauen konnte. Er ist schlimmer als

ein Jakobiner und bringt der Jugend derartig verwerfliche Grundsätze

bei, daß es schwer zu beschreiben ist. Befehlen Sie, daß ich darüber ein

schriftliches Memorandum aufsetze?

Chlestakóff. Schön, jedenfalls schriftlich. Es wird mir sehr willkommen

sein. Wissen Sie, ich liebe es sehr, für langweilige Stunden etwas

Erbauliches zum Lesen zu haben ... Wie heißen Sie doch? Ich vergesse

immer alles.

Hospitalverwalter. Semljaníka.

Chlestakóff. Ach ja, Semljaníka. Sagen Sie, haben Sie Kinder?

Hospitalverwalter. Freilich, ganze fünf, zwei schon erwachsen.

Chlestakóff. So, so, auch schon erwachsene! Na und die ... welchen

Geschl...?

Hospitalverwalter. Sie geruhten wahrscheinlich zu fragen, wie sie

heißen?

Chlestakóff. Ja wohl, wie sie heißen.

Hospitalverwalter. Nikolái, Iwán, Elisabeth, Márja und Perpetua.

Chlestakóff. Famos.

Hospitalverwalter. Ich wage nicht, Sie länger durch meine Gegenwart zu

belästigen und Ihnen kostbare Zeit zu rauben, die den heiligsten

Pflichten gewidmet ist ... (Verneigt sich und will abtreten.)

Chlestakóff (Gibt ihm das Geleit). Nein, durch aus nicht. Das ist ja

alles sehr spaßhaft, was Sie mir da erzählt haben. Machen Sie mir bald

wieder das Vergnügen ... ich höre so etwas sehr gerne. (Geht schnell

wieder zur Türe, öffnet sie und ruft hinter ihm her.) He Sie! Wie heißen

Sie doch noch? Ich vergesse alles, wie heißen Sie mit Vor- und

Vaternamen?

Hospitalverwalter. Artémij Filíppowitsch.

Chlestakóff. Tun Sie mir den Gefallen, Artémij Filíppowitsch, mir ist

ein komischer Fall begegnet: ich gab mich auf der Reise vollständig aus.

Könnten Sie mir wohl vierhundert Rubel leihen?

Hospitalverwalter. Zu dienen.

Chlestakóff. Wie gut sich das trifft! Danke verbindlichst!

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 48 / 240 题