5. Szene

Chlestakóff und Schulinspektor, der fast zur Tür hereingestoßen

wird. Hinter ihm hört man eine ziemlich laute Stimme: »Hasenfuß!«

Schulinspektor (in zitternder Haltung, die Hand am Degen). Habe die

Ehre, mich vorzustellen: Schulinspektor und Titularrat Chlópoff.

Chlestakóff. Ah, sehr willkommen! Nehmen Sie Platz, nehmen Sie Platz!

Zigarre gefällig? (Reicht ihm eine Zigarre.)

Schulinspektor (unschlüssig, für sich). Hast du nicht gesehn! Darauf war

ich nicht vorbereitet. Was nun?

Chlestakóff. Nehmen Sie, nehmen Sie nur; ganz anständiges Kraut.

Natürlich nicht so wie in Petersburg. Sehn Sie, mein Verehrtester, dort

rauche ich so gewöhnlich das Kistchen zu fünfundzwanzig Rubel, tadellos,

man leckt sich ordentlich die Lippen danach. Hier ist Feuer, bitte

schön. (Reicht ihm das Licht.)

Schulinspektor (versucht zu rauchen und schlottert am ganzen Leibe).

Chlestakóff. Aber Sie rauchen ja verkehrt!

Schulinspektor (läßt vor Schreck die Zigarre fallen, spuckt aus und weht

sich mit der Hand vor dem Gesicht; für sich). Hol das alles doch der

Teufel! Diese verfluchte Schüchternheit!

Chlestakóff. Sie scheinen kein Freund von Zigarren zu sein. Ich freilich

habe offen gesagt geradezu eine Schwäche dafür. Es geht mir damit so wie

mit dem schönen Geschlecht, ich kann da absolut nicht gleichgültig sein.

Und Sie? Was mögen Sie mehr, die Brünetten oder Blondinen?

Schulinspektor (schwebt in völliger Ratlosigkeit, was er sagen soll).

Chlestakóff. Nein, frei heraus, Brünette oder Blondinen?

Schulinspektor. Ich wage keine Ansicht ...

Chlestakóff. Nein, nein, keine Ausrede! Ich will unbedingt Ihren

Geschmack kennen lernen!

Schulinspektor. Dann würde ich mir ergebenst zu bemerken gestatten ...

(Beiseite.) Ich weiß ja selber nicht was; alles dreht sich mir im Kopfe

herum.

Chlestakóff. Aha! Sie wollen es nicht sagen! Gewiß hat's Ihnen so eine

kleine Brünette angetan! Hab' ich recht?

Schulinspektor (schweigt).

Chlestakóff. Ja, ja, Sie erröten, sehen Sie wohl! Warum gestehn Sie's

denn nicht?

Schulinspektor. Meine Befangenheit, Ew. Wohl... Hochwohl... Exzell...

(Beiseite.) Läßt mich doch richtig die verdammte Zunge im Stich!

Chlestakóff. Befangenheit! In der Tat, ich habe in meinen Augen so ein

gewisses Etwas, das befangen macht. Wenigstens weiß ich genau, daß kein

Weib ihm zu widerstehen vermag. Nicht wahr?

Schulinspektor. Ganz zweifellos!

Chlestakóff. Da ist mir ein seltsamer Fall passiert -- ich habe mich auf

der Reise ganz verausgabt. Könnten Sie mir wohl dreihundert Rubel

leihen?

Schulinspektor (greift in die Tasche; für sich). Schöne Blamage, wenn

ich jetzt nichts bei mir hätte! Ist da! Ist da! (Zieht die Scheine

heraus und überreicht sie zitternd.)

Chlestakóff. Herzlichen Dank!

Schulinspektor. Ich wage nicht, Sie länger mit meiner Gegenwart zu

belästigen.

Chlestakóff. Leben Sie wohl.

Schulinspektor (eilt fast laufend hinaus und spricht beiseite). Nun Gott

sei Dank! der guckt mir nicht in meine Klassen hinein!

Sämmtliche Werke 5: Dramatische Werke · 第 47 / 240 题