Das abendliche Dunkel hüllt die Berge in ein Büßergewand. Der Mond
bleicht über dem Barranco de Poqueira und über den hängenden Triften
von Cañor.
Reija liegt auf dem Espartogras vor der Höhle, von wo sie einst den
Koran geholt. Um ihr geängstigtes Haupt schweben noch immer die Geister
der Verfolgung, und ihre Seele schreit nach dem Geliebten. Könnte sie
ihren Schmerz im Tau seiner Lippen kühlen! Sie werden ihn nun auf die
Folter spannen, damit er seine Mitwisserschaft an dem Mord bekenne! Sie
werden ein furchtbares Schuldgebäude errichten, das seine geschwächten
Kräfte nicht mehr tragen können, und sein gemarterter Geist wird
bekennen, was er nie gewußt.
Aber dann spielen ihre Gedanken mit Fluchtmöglichkeiten. Sie sieht sich
geborgen unter dem Dickichtmantel des Irakstrauches, überschirmt von
dem Friedlicht der Sterne. Der Schrei eines Hirten am Hang zerreißt das
Trugbild.
Hier liegt sie nun seit Tagen, im Retiro der Mauren, wo die Saumpfade
himmelan streben, Geier hausen, schwarze Ziegen auf smaragdnen
Weiden grasen, Hirten bei dem Feuer sitzen und Jäger über das Geröll
schleichen. Saffana und Malik wechseln einander in der Wache ab. Der
Sklave durchbohrt mit seinen Falkenblicken das Dunkel, und seine
Mausohren durchhorchen die Felseneinsamkeit nach jedem kleinsten
Geräusch. Aber es ist still in den Bergen. Nur Hirten tauschen von
Hang zu Hang ihren eintönigen Gruß aus, und wenn der Wind günstig ist,
dringt aus der Tiefe von Cañor ein verirrter Gebetsruf herauf. Noch
also ist keine Gefahr. Auch die vier Maurendörfer am Talhang bilden
eine lebendige Schutzwehr, die keinen Verrat kennt. Alle Monfis wachen
über das Leben des Königskindes, das ihnen durch Boabdils Vaterschaft
heilig geworden ist. Reija kennt dieses Hirtenvolk, dessen Seele Abu
Atir noch betreut, als er dem Maurenkönig den Koran las. Diese Schäfer
haben Treue und Glauben als Gesetzeshüter, sie sind muskelgewaltig und
stählern, in ihnen pulst noch das Blut der Wüstensöhne, wenn sie auch
den Sand mit dem Felsen getauscht. Es sind zungenkarge Männer, selten
hallt die dörfliche Trift von ihrem Lachen, und ihre Freude ist dem
Ernst der todesstarren Steinmasse angepaßt. Aber wenn der kriegerische
Zorn in ihnen aufglüht, dann schaffen sie Taten voll Adlergrimm.
Die Abenddämmerung graut, Schatten steigen aus dem Tal, und bald liegt
der Mondglanz wie ein bleicher Heiligenschein über den Steinwarten.
Reijas Leid bricht stromweise aus den Augen. Ihre Brust stöhnt
unter der ins Bewußtsein rückenden Qual. In dieser mondbeschienenen
Einsamkeit, wo die Natur am Herzen Gottes zu schlafen scheint, fühlt
ihr empfindsamer Sinn doppelt die eigene Verlassenheit. Ein alter
Glaube sagt, wenn Gottesfürchtige weinen, zählen zwei Engel, die die
Taten der Menschen aufzeichnen, ihre Tränen. So werden ihre Engel viel
zu tun haben, um ihrem Schmerz das Maß anzulegen. Wüßte Abu Atir um
ihr Schicksal, er ritte mit der Geschwindigkeit des Wüstenrosses in
die Berge. Nichts weiß sie von ihm. Hat er sein Maghreb erreicht? Ist
er noch in Salobreña? Und so hat Reija ihr Leben auf eine trostlose
Gegenwart gestellt, und vor ihr liegt eine verschleierte Zukunft.
Auch von Granada kommt keine Nachricht; die Stadt scheint von einer
undurchdringlichen Mauer umgeben zu sein. Was bereitet sich vor?
An einem sonnenschweren Spätnachmittag keucht Taleb der Hirte den
Felshang herauf. Er erzählt: „In Granada hat man den ermordeten Mönch
bestattet. Die ganze Stadt war auf den Füßen. In die Maurendörfer
schicken sie spanische Reiter und durchsuchen die Häuser. Aus Cordoba
ist der neue Inquisitor angekommen, Lucero heißt er, die Moriskos
nennen ihn den christlichen Teufel.“
Die Angst zersägt Reijas Herz. Nun wird Don Pedro gefoltert! Vielleicht
in diesem Augenblick. Qual und Furcht greifen in ihre Glieder und
lähmen sie. Saffana schleppt die Herrin vor die Höhle und bettet sie
auf einen Stein. Vor ihr liegt die tagdurchglühte Berglandschaft unter
dem andalusischen Azur, gegen Süden zu deckt der durchsilberte Dunst
die Weite über dem Meer, zu ihren Füßen kriechen die ersten abendlichen
Schatten an den Hängen hinauf, sie gleichen gespenstischen Armen, die
nach ihr langen. Langsam verblutet im Westen die Kraft der Sonne hinter
rostroten Dünsten. Hoch oben segelt eine goldumsäumte Wolke durch das
dunkelnde Blau in der Richtung gegen Granada. Blaßflimmernd gräbt sich
der erste Stern aus dem Nichts.
Da blickt der scharfäugige Wächter Malik hinter einem Felsblock nach
dem Felssteig. Seine Miene spannt sich, seine Hand greift nach der
Armbrust. Saffana späht hinab -- erschrickt --
Ein Mann klettert herauf, wie gehetzt von bösen Dschinnen. Saffana
durchfährt es blitzartig -- das ist -- „O Rose von Andalus,“ flüsterte
sie über das starrende Gesicht der Herrin hin -- „bade dein Antlitz im
Licht des Glückes -- es kommt jemand --“
Reija drückt die Hand jäh ans Herz. „Eswer Ben Zerragh!“ Wie warme
Meerwellen flutet es über sie hin, löst etwas in ihrem ermatteten Leib,
daß er sich aufrichtet in gespannter Neugier. Ist er’s wirklich, dessen
Bild von Zeit zu Zeit in ihrem Geist aufgetaucht war, umglüht von der
Erinnerung an den Zauber der scheuen Werbung? Wo trieb er sich rastlos
irrend umher? Wer wies ihm den Weg herauf? Sucht er, ein Verfolgter,
wieder die Höhle auf oder weiß er, daß sie hier? Verwirrt eilt sie in
die Höhle und gibt Saffana ein Schweigezeichen.
Der Maurenjüngling klettert durch den abendlichen Schatten heran --
schwingt sich über Fels und Platte -- erklimmt den letzten Steinabsatz
vor der Höhle. Und nun starrt er in die schreckfrohen Augen der
Sklavin. „Du --?“ Er tastet mit den zuckenden Händen nach ihrem Kleid.
Da gewahrt sein Adlerblick den Wächter hinter dem Felsblock. „Bei Gott
dem Erhabenen, wem gilt die Wehr und Wache?“
Saffanas stummer Blick sagt ihm alles.
Der Abencerrage kriecht auf den Knien an die Höhle heran. Seine Augen
sind voll Wasser, sein Gesicht brennt von Glutwellen. „Ich weiß, was
dieser Tage in Granada geschehen --“ bebt er leise, wie in Ehrfurcht.
„Darum darfst du hier nicht weilen, Eswer Ben Zerragh.“
„Er darf,“ klang es jetzt weich und traurig aus der Höhle. „Es steht
geschrieben -- Allah akbar.“ Am dunklen Eingang der Höhle leuchten
Reijas Augen. Schwach wie eine Binse lehnt ihr schlanker Leib am
Gestein.
„Wer ist der Mann?“ fragt der Abencerrage, beunruhigt auf den alten
Waffenmann zeigend.
„Der Treuesten einer,“ sagte Reija. Und ihr Blick überfliegt die
verwahrloste Gestalt des edlen Kömmlings. „Gottes Wille hat dich Wege
des Unheils geführt, deine Wangen sind hohl --“
„Ich habe wenig zu essen in den Bergen und flüchte von Höhle zu Höhle,
immer höher dem Eis nach. Die Ratschaften verbergen mich, so gut es
geht, vor den spanischen Schergen. In Almeria ist man auf meine Spur
gekommen, eben als ich nach Afrika hinüber wollte. Ich mußte zurück in
die Alpujarras -- aber was soll mein armselig Schicksal -- die Tochter
meines Königs ist in Not --“ Mit der Überschwenglichkeit seines jungen
Lebens warf er sich zu ihren Füßen hin. „Man verfolgt dich -- die
Maurendörfer sind voll davon -- du hast den Priesterteufel Leon
erwürgt --“
Das Grauen stieg Reija in die Kehle und sie schrie auf. Die furchtbare
Nacht erhob sich aus dunklen Tiefen. „Leon -- hat unsre Seelen --
gemordet -- ich hab’ -- seinen Leib --“
„Die Tat ist groß,“ erschauerte Eswer in Bewunderung. „Laß uns stark
werden, und wir werden es dir danken. Du bist Christin geworden,
Tochter Boabdils?“
„In meinem Herzen loht der Glaube und das Blut meines Vaters. Der
Christenglaube machte mich elend. Er ist schön, aber den, der ihn mir
predigte, hat Schaitan vernichtet.“
In der Höhle brannte das Feuer, beizender Rauch schlich aus dem
Gestein. Reijas Leib löste sich als Schattenriß aus der rötlichen Glut
der Höhlenöffnung. „Warum bist du hierhergekommen, Eswer Ben Zerragh?“
„Ich ahnte, daß dein Weg hierher führe, und bin gekommen, dir zu
dienen.“
„Wie willst du mir dienen, der du selbst verfolgt bist?“ staunte sie
ihn an.
„Du hast recht -- wie soll ich dir dienen? Was helfen jetzt Hikmet, die
Lehren der Weisheit? Aber laß mich sinnen -- vielleicht läßt uns Gott
einen Ausweg finden.“ Er setzte sich auf den Felsblock und stützte das
Kinn in die Hand.
„Weißt du etwas von Abu Atir?“ fragte sie hastig.
„Er ist wie von Gottes Hauch weggeblasen aus der Welt,“ sagte er
traurig.
„Oh, wenn er die Berber aus Maghreb übers Meer führte! Sein Glaube
macht aus Wüstenhasen Löwen. Wenn er wüßte, was ich leide, er würde
Heere aus dem maghrebischen Sand stampfen. Insch’allah!“ Ihre Augen
glänzten in rührender Not. „Eswer Ben Zerragh -- dein Geschlecht ist
hehr und groß, bei dem Ehrennamen deines Geschlechtes -- hilf einem
Menschen aus schwerer Gefahr!“
Eswers Brust hob sich gewaltig. „Einen Almansor will ich aus mir
machen, diene ich dir damit, Königskind!“
„Almansor war nur ein Schlachtenheld, du sollst mehr tun, du sollst
dich selbst besiegen, Abencerrage. Höre, es geht nicht um mich.“
Da schnellte er empor. Selbst im schwachen Licht des Mondes sah sie
sein verstörtes Gesicht. „Es ist der Feta, von dem gesprochen wird, daß
Gott sein steinernes Herz weich gemacht hat wie Wachs.“ Reija wandte
sich erglühend ab. Da wußte er es und flüsterte traurig: „Ist es also,
daß du mit ihm fliehen möchtest ins süße Tal von Mohabera, wo Liebende
nichts als ihre Stimme hören? Du liebst den Feta, den Habib deines
Herzens?“
Durch ihren Körper zuckte der Schmerz, durchsüßt von Liebesglück.
„Ich liebe ihn -- Don Pedro de Solar -- und solange Adler ihre Kreise
ziehen, werde ich ihn beweinen. Aber ich will ihn befreien.“ Ihre Hand
griff nach seinem Arm.
Sein Gemüt durchwogte Leid. Und er warf es offen vor sie hin. „O Rose,
süße Königin der Menschenblumen, weißt du es nicht, daß mir deine
Wimpern Dolche wurden und deine Blicke Pfeile? Ich sah dich und stand
in Flammen wie Jakob, als er Rahel sah.“
„Unselig ist mein Wesen, denn es badet die Menschen in Leid,“ jammerte
Reija, und durch ihre Schultern zuckte der Schmerz.
„Dein Wesen ist Maessema, das himmlische Wasser. Es brachte mir
Erquickung im Leid der Verfolgung. Und ich flehte zu Gott in stillen
Stunden, daß er mir schenke deine Hände, deine Brüste, deinen Schoß.
Vor dieser Höhle sog ich einst deines Atems süßes Ambra ein, während
du schliefst, und deiner Locken Pracht umnachtete mich, und von deinem
Mund zogen Ströme von Glück in mein jubelndes Herz, nimmer dürstete
ich nach dem Tau der Paradiesesmädchen und nach ihrer Brüste lockendem
Spiel. Und als du am andern Morgen nach Granada zogst und mein Elend
zurückließest, sandte ich dir meine Lieder nach, gesammelt aus den
Tränen der Liebe, und ich trotzte der Gefahr und stieg verkleidet in
die Raubtierhöhle Granada und sang vor dem Alkazar mein sehnendes Herz
aus in der Nacht --“
„Ich weiß es, Eswer Ben Zerragh,“ sagte sie leise, von Mitleid
durchrüttelt.
„Und ich tötete einen für meines Volkes heiligen Glauben, wurde
ergriffen und schmachtete im Turm --“
„Und wer befreite dich, Maurenfürst?“ Im hellern Mond leuchtete ihr
Auge auf.
„Du warst es -- und das gab meiner Liebe neue Nahrung.“
„Nimmer hätte ich’s tun können, wäre er nicht gewesen. Don Pedro de
Solar litt es um meinetwillen. Er warf seine Eifersucht auf dich und
ließ es doch geschehen. Er nahm Schuld auf sich im Übermaß der Liebe
und befreite seinen Nebenbuhler. Sag’ das den maurischen Männern,
wohin du kommst. Er ist so groß und hehr. Und nun öffne dein Herz --
wie will es ihm dieser Nebenbuhler danken?“
Der Maure fühlte, wie sich sein Herz zusammenkrampfte. „Bi nefsi! Gott
lenkt wunderbar,“ flüsterte er betroffen.
„Das tut er, aber du sollst dir doch den Mund waschen, bevor du seinen
Namen aussprichst, denn du bist undankbaren Herzens, wenn du nur Worte
machst.“
„Der Allmilde erhob sein Auge und rettete mich vom Tod und sandte einen
leibhaftigen Engel -- und ich haderte mit ihm und goß meiner Seele
Unrat in die Tränenschale. O Mädchen, du lehrst mich einen seltsamen
Weg wandeln, an dem wenig Blumen stehen.“
„Soll dich ein Christ mit Großmut schlagen?“ fachte sie seinen Stolz
an. „Er hätte dich töten lassen können, aber er schloß die Augen, auf
daß dein Fuß frei gehen, dein Herz jauchzen könne, wiewohl er wußte,
daß du mich liebst. Und nun willst du einer von den Fossaha sein, den
Wohlrednern, die sich auf keine Tat verstehen?“
Eswers Herz lag im Bann des edlen Gedankens, und doch wütete der
Liebesschmerz darin. „Mädchen, wer sagt dir, daß mir Gott die Kraft
geben würde zu solcher Tat, vor der alle Liebhaber zurückschauderten?
Ibn Chazim bin ich, der vergebens liebte und seinem Mädchen doch nicht
zürnen konnte, weil sie ihn verschmähte. Er folgte ihr wie ein Hund und
sang seine Lieder in die des andern hinein, der glücklicher war als er.
Sang, bis seine Seele todmüde war von Liebesschmerz. Segne deinen Ibn
Chazim! Er wird sich erniedrigen, der Mohadschil deines Brautbettes zu
sein, der bei eurer Liebesnacht Wache hält. Das gereichte Honigbrot
soll ihm das Fieber des Herzens stillen. O Mädchen, was soll ich tun?
Soll ich den Pfeil schnitzen aus dem Hirmbaum und seine Peiniger töten
aus dem Versteck? Soll ich seine Wächter des Nachts überfallen und die
Türen seines Kerkers sprengen? Soll ich die Mauren aufrufen zum Kampf
für einen Christen? Werden sie ihre Lanzen mit Blut röten? Mohammeds
Glaube beflügelt keinen Geist und keinen Fuß, wenn es den Kampf für
einen Ungläubigen gilt.“
Reija machte zornig eine abwehrende Bewegung mit dem Arm. „Schweig,
Besonnener. Die List kehrt nicht bei stumpfen Geistern ein. Laß unsere
Gedanken ruhiger gehen. Morgen kommt Jusuf, ein Hirte aus Granada. Don
Pedro de Solar hat einen wackern Freund, zu dem habe ich ihn geschickt.
Ich bin erschöpft. Laß uns essen. Sei zart zu mir, denn ich bin
hilflos.“ Sie wandte sich nach der Höhle.
Bald darauf aßen sie von dem Ziegenbraten und den Garbanzos, den
Kichererbsen. Es war das Hirtenmahl für ein Königskind. Dann hüllte
Saffana die weichen Glieder der Herrin in die Schlafdecke. Im schwanken
Feuerschein wechselte das Licht auf dem leidgezeichneten Gesicht der
Maurin. Der letzte Qualm rauchte auf, verringelte und erstickte,
Menschen und Gestein versanken in Nacht.
Der Abencerrage legte sich wieder vor die Höhle hin wie damals, da
er ihres Atems Hauch zum erstenmal eingesogen. Der Schmerz um seine
verlorene Liebe flocht dunkle Kränze in sein Gemüt. Über ihm kreisten
im ruhigen Geleise die Sterne um den Pol und der Mond ließ sein Silber
in die Nacht tropfen. Es war so still, als ginge Gottes Odem fühlbar
über die Berge.
Da gebar die Nacht einen funkensprühenden Stern, der sich in erhabenem
Bogen über das halbe Firmament schwang und dann in dem Gefels zerbrach.
Eswer deutete das Himmelszeichen als einen Hoffnungsstrahl, den Gott
gesandt. --
Als Eswer die Augen öffnete, saß schon die Sonne zwiegespalten auf
dem gegenüberliegenden Grat. Bald darauf kletterte der Hirte Jusuf
die Felsen herauf. Der Bergwind nahm die Backen voll, als wollte er
alles Gestein zerschlagen, er splitterte scharfe Brocken vom Leib des
Gebirges ab, rauschte durch die einsamen Stauden, daß sie wie arme
Sünder am Totenpfahl hin und her baumelten. Der Schweiß perlte über
des Hirten Stirn. Er warf sich vor Eswer nieder, den er als alten
Bergfreund erkannte.
Reija flog ihm vom Lager entgegen. Ihr Blick versuchte ihm die Worte
vom Mund zu reißen. Jusuf vermochte kaum Atem zu schöpfen. „Die
Christen -- feiern -- Ostern -- hört ihr’s alle? Da sollen nun --
Ketzer brennen.“
Ein herzzerreißender Schrei durchschnitt die Bergstille. In den Armen
Saffanas lag, zitternd an allen Gliedern, das Königskind. Eswer sprang
angstvoll heran.
Der hastige Schwätzermund kramte alle Neuigkeiten heraus. „In den
Carceles liegen die Gefangenen. Man kennt noch keine Urteile. Aber auf
der Bibarrambla zimmern sie Gerüste. Quemadero nennen sie den Platz, wo
die Scheiterhaufen stehen sollen.“
„Daß dich Schaitan! Schweig, du Affenreiter, du stinkiges Kamel, siehst
du nicht --?“ Eswer stieß den Hirten unsanft weg.
Doch Reija wand ihren Leib aus der Schreckenslähmung. „Alles will ich
wissen. Spricht man -- unter den Moriskos -- von dem Grafen -- de Mora?“
„Er soll auch -- unter ihnen sein.“