Fünfunddreißigstes Kapitel

Das abendliche Dunkel hüllt die Berge in ein Büßergewand. Der Mond

bleicht über dem Barranco de Poqueira und über den hängenden Triften

von Cañor.

Reija liegt auf dem Espartogras vor der Höhle, von wo sie einst den

Koran geholt. Um ihr geängstigtes Haupt schweben noch immer die Geister

der Verfolgung, und ihre Seele schreit nach dem Geliebten. Könnte sie

ihren Schmerz im Tau seiner Lippen kühlen! Sie werden ihn nun auf die

Folter spannen, damit er seine Mitwisserschaft an dem Mord bekenne! Sie

werden ein furchtbares Schuldgebäude errichten, das seine geschwächten

Kräfte nicht mehr tragen können, und sein gemarterter Geist wird

bekennen, was er nie gewußt.

Aber dann spielen ihre Gedanken mit Fluchtmöglichkeiten. Sie sieht sich

geborgen unter dem Dickichtmantel des Irakstrauches, überschirmt von

dem Friedlicht der Sterne. Der Schrei eines Hirten am Hang zerreißt das

Trugbild.

Hier liegt sie nun seit Tagen, im Retiro der Mauren, wo die Saumpfade

himmelan streben, Geier hausen, schwarze Ziegen auf smaragdnen

Weiden grasen, Hirten bei dem Feuer sitzen und Jäger über das Geröll

schleichen. Saffana und Malik wechseln einander in der Wache ab. Der

Sklave durchbohrt mit seinen Falkenblicken das Dunkel, und seine

Mausohren durchhorchen die Felseneinsamkeit nach jedem kleinsten

Geräusch. Aber es ist still in den Bergen. Nur Hirten tauschen von

Hang zu Hang ihren eintönigen Gruß aus, und wenn der Wind günstig ist,

dringt aus der Tiefe von Cañor ein verirrter Gebetsruf herauf. Noch

also ist keine Gefahr. Auch die vier Maurendörfer am Talhang bilden

eine lebendige Schutzwehr, die keinen Verrat kennt. Alle Monfis wachen

über das Leben des Königskindes, das ihnen durch Boabdils Vaterschaft

heilig geworden ist. Reija kennt dieses Hirtenvolk, dessen Seele Abu

Atir noch betreut, als er dem Maurenkönig den Koran las. Diese Schäfer

haben Treue und Glauben als Gesetzeshüter, sie sind muskelgewaltig und

stählern, in ihnen pulst noch das Blut der Wüstensöhne, wenn sie auch

den Sand mit dem Felsen getauscht. Es sind zungenkarge Männer, selten

hallt die dörfliche Trift von ihrem Lachen, und ihre Freude ist dem

Ernst der todesstarren Steinmasse angepaßt. Aber wenn der kriegerische

Zorn in ihnen aufglüht, dann schaffen sie Taten voll Adlergrimm.

Die Abenddämmerung graut, Schatten steigen aus dem Tal, und bald liegt

der Mondglanz wie ein bleicher Heiligenschein über den Steinwarten.

Reijas Leid bricht stromweise aus den Augen. Ihre Brust stöhnt

unter der ins Bewußtsein rückenden Qual. In dieser mondbeschienenen

Einsamkeit, wo die Natur am Herzen Gottes zu schlafen scheint, fühlt

ihr empfindsamer Sinn doppelt die eigene Verlassenheit. Ein alter

Glaube sagt, wenn Gottesfürchtige weinen, zählen zwei Engel, die die

Taten der Menschen aufzeichnen, ihre Tränen. So werden ihre Engel viel

zu tun haben, um ihrem Schmerz das Maß anzulegen. Wüßte Abu Atir um

ihr Schicksal, er ritte mit der Geschwindigkeit des Wüstenrosses in

die Berge. Nichts weiß sie von ihm. Hat er sein Maghreb erreicht? Ist

er noch in Salobreña? Und so hat Reija ihr Leben auf eine trostlose

Gegenwart gestellt, und vor ihr liegt eine verschleierte Zukunft.

Auch von Granada kommt keine Nachricht; die Stadt scheint von einer

undurchdringlichen Mauer umgeben zu sein. Was bereitet sich vor?

An einem sonnenschweren Spätnachmittag keucht Taleb der Hirte den

Felshang herauf. Er erzählt: „In Granada hat man den ermordeten Mönch

bestattet. Die ganze Stadt war auf den Füßen. In die Maurendörfer

schicken sie spanische Reiter und durchsuchen die Häuser. Aus Cordoba

ist der neue Inquisitor angekommen, Lucero heißt er, die Moriskos

nennen ihn den christlichen Teufel.“

Die Angst zersägt Reijas Herz. Nun wird Don Pedro gefoltert! Vielleicht

in diesem Augenblick. Qual und Furcht greifen in ihre Glieder und

lähmen sie. Saffana schleppt die Herrin vor die Höhle und bettet sie

auf einen Stein. Vor ihr liegt die tagdurchglühte Berglandschaft unter

dem andalusischen Azur, gegen Süden zu deckt der durchsilberte Dunst

die Weite über dem Meer, zu ihren Füßen kriechen die ersten abendlichen

Schatten an den Hängen hinauf, sie gleichen gespenstischen Armen, die

nach ihr langen. Langsam verblutet im Westen die Kraft der Sonne hinter

rostroten Dünsten. Hoch oben segelt eine goldumsäumte Wolke durch das

dunkelnde Blau in der Richtung gegen Granada. Blaßflimmernd gräbt sich

der erste Stern aus dem Nichts.

Da blickt der scharfäugige Wächter Malik hinter einem Felsblock nach

dem Felssteig. Seine Miene spannt sich, seine Hand greift nach der

Armbrust. Saffana späht hinab -- erschrickt --

Ein Mann klettert herauf, wie gehetzt von bösen Dschinnen. Saffana

durchfährt es blitzartig -- das ist -- „O Rose von Andalus,“ flüsterte

sie über das starrende Gesicht der Herrin hin -- „bade dein Antlitz im

Licht des Glückes -- es kommt jemand --“

Reija drückt die Hand jäh ans Herz. „Eswer Ben Zerragh!“ Wie warme

Meerwellen flutet es über sie hin, löst etwas in ihrem ermatteten Leib,

daß er sich aufrichtet in gespannter Neugier. Ist er’s wirklich, dessen

Bild von Zeit zu Zeit in ihrem Geist aufgetaucht war, umglüht von der

Erinnerung an den Zauber der scheuen Werbung? Wo trieb er sich rastlos

irrend umher? Wer wies ihm den Weg herauf? Sucht er, ein Verfolgter,

wieder die Höhle auf oder weiß er, daß sie hier? Verwirrt eilt sie in

die Höhle und gibt Saffana ein Schweigezeichen.

Der Maurenjüngling klettert durch den abendlichen Schatten heran --

schwingt sich über Fels und Platte -- erklimmt den letzten Steinabsatz

vor der Höhle. Und nun starrt er in die schreckfrohen Augen der

Sklavin. „Du --?“ Er tastet mit den zuckenden Händen nach ihrem Kleid.

Da gewahrt sein Adlerblick den Wächter hinter dem Felsblock. „Bei Gott

dem Erhabenen, wem gilt die Wehr und Wache?“

Saffanas stummer Blick sagt ihm alles.

Der Abencerrage kriecht auf den Knien an die Höhle heran. Seine Augen

sind voll Wasser, sein Gesicht brennt von Glutwellen. „Ich weiß, was

dieser Tage in Granada geschehen --“ bebt er leise, wie in Ehrfurcht.

„Darum darfst du hier nicht weilen, Eswer Ben Zerragh.“

„Er darf,“ klang es jetzt weich und traurig aus der Höhle. „Es steht

geschrieben -- Allah akbar.“ Am dunklen Eingang der Höhle leuchten

Reijas Augen. Schwach wie eine Binse lehnt ihr schlanker Leib am

Gestein.

„Wer ist der Mann?“ fragt der Abencerrage, beunruhigt auf den alten

Waffenmann zeigend.

„Der Treuesten einer,“ sagte Reija. Und ihr Blick überfliegt die

verwahrloste Gestalt des edlen Kömmlings. „Gottes Wille hat dich Wege

des Unheils geführt, deine Wangen sind hohl --“

„Ich habe wenig zu essen in den Bergen und flüchte von Höhle zu Höhle,

immer höher dem Eis nach. Die Ratschaften verbergen mich, so gut es

geht, vor den spanischen Schergen. In Almeria ist man auf meine Spur

gekommen, eben als ich nach Afrika hinüber wollte. Ich mußte zurück in

die Alpujarras -- aber was soll mein armselig Schicksal -- die Tochter

meines Königs ist in Not --“ Mit der Überschwenglichkeit seines jungen

Lebens warf er sich zu ihren Füßen hin. „Man verfolgt dich -- die

Maurendörfer sind voll davon -- du hast den Priesterteufel Leon

erwürgt --“

Das Grauen stieg Reija in die Kehle und sie schrie auf. Die furchtbare

Nacht erhob sich aus dunklen Tiefen. „Leon -- hat unsre Seelen --

gemordet -- ich hab’ -- seinen Leib --“

„Die Tat ist groß,“ erschauerte Eswer in Bewunderung. „Laß uns stark

werden, und wir werden es dir danken. Du bist Christin geworden,

Tochter Boabdils?“

„In meinem Herzen loht der Glaube und das Blut meines Vaters. Der

Christenglaube machte mich elend. Er ist schön, aber den, der ihn mir

predigte, hat Schaitan vernichtet.“

In der Höhle brannte das Feuer, beizender Rauch schlich aus dem

Gestein. Reijas Leib löste sich als Schattenriß aus der rötlichen Glut

der Höhlenöffnung. „Warum bist du hierhergekommen, Eswer Ben Zerragh?“

„Ich ahnte, daß dein Weg hierher führe, und bin gekommen, dir zu

dienen.“

„Wie willst du mir dienen, der du selbst verfolgt bist?“ staunte sie

ihn an.

„Du hast recht -- wie soll ich dir dienen? Was helfen jetzt Hikmet, die

Lehren der Weisheit? Aber laß mich sinnen -- vielleicht läßt uns Gott

einen Ausweg finden.“ Er setzte sich auf den Felsblock und stützte das

Kinn in die Hand.

„Weißt du etwas von Abu Atir?“ fragte sie hastig.

„Er ist wie von Gottes Hauch weggeblasen aus der Welt,“ sagte er

traurig.

„Oh, wenn er die Berber aus Maghreb übers Meer führte! Sein Glaube

macht aus Wüstenhasen Löwen. Wenn er wüßte, was ich leide, er würde

Heere aus dem maghrebischen Sand stampfen. Insch’allah!“ Ihre Augen

glänzten in rührender Not. „Eswer Ben Zerragh -- dein Geschlecht ist

hehr und groß, bei dem Ehrennamen deines Geschlechtes -- hilf einem

Menschen aus schwerer Gefahr!“

Eswers Brust hob sich gewaltig. „Einen Almansor will ich aus mir

machen, diene ich dir damit, Königskind!“

„Almansor war nur ein Schlachtenheld, du sollst mehr tun, du sollst

dich selbst besiegen, Abencerrage. Höre, es geht nicht um mich.“

Da schnellte er empor. Selbst im schwachen Licht des Mondes sah sie

sein verstörtes Gesicht. „Es ist der Feta, von dem gesprochen wird, daß

Gott sein steinernes Herz weich gemacht hat wie Wachs.“ Reija wandte

sich erglühend ab. Da wußte er es und flüsterte traurig: „Ist es also,

daß du mit ihm fliehen möchtest ins süße Tal von Mohabera, wo Liebende

nichts als ihre Stimme hören? Du liebst den Feta, den Habib deines

Herzens?“

Durch ihren Körper zuckte der Schmerz, durchsüßt von Liebesglück.

„Ich liebe ihn -- Don Pedro de Solar -- und solange Adler ihre Kreise

ziehen, werde ich ihn beweinen. Aber ich will ihn befreien.“ Ihre Hand

griff nach seinem Arm.

Sein Gemüt durchwogte Leid. Und er warf es offen vor sie hin. „O Rose,

süße Königin der Menschenblumen, weißt du es nicht, daß mir deine

Wimpern Dolche wurden und deine Blicke Pfeile? Ich sah dich und stand

in Flammen wie Jakob, als er Rahel sah.“

„Unselig ist mein Wesen, denn es badet die Menschen in Leid,“ jammerte

Reija, und durch ihre Schultern zuckte der Schmerz.

„Dein Wesen ist Maessema, das himmlische Wasser. Es brachte mir

Erquickung im Leid der Verfolgung. Und ich flehte zu Gott in stillen

Stunden, daß er mir schenke deine Hände, deine Brüste, deinen Schoß.

Vor dieser Höhle sog ich einst deines Atems süßes Ambra ein, während

du schliefst, und deiner Locken Pracht umnachtete mich, und von deinem

Mund zogen Ströme von Glück in mein jubelndes Herz, nimmer dürstete

ich nach dem Tau der Paradiesesmädchen und nach ihrer Brüste lockendem

Spiel. Und als du am andern Morgen nach Granada zogst und mein Elend

zurückließest, sandte ich dir meine Lieder nach, gesammelt aus den

Tränen der Liebe, und ich trotzte der Gefahr und stieg verkleidet in

die Raubtierhöhle Granada und sang vor dem Alkazar mein sehnendes Herz

aus in der Nacht --“

„Ich weiß es, Eswer Ben Zerragh,“ sagte sie leise, von Mitleid

durchrüttelt.

„Und ich tötete einen für meines Volkes heiligen Glauben, wurde

ergriffen und schmachtete im Turm --“

„Und wer befreite dich, Maurenfürst?“ Im hellern Mond leuchtete ihr

Auge auf.

„Du warst es -- und das gab meiner Liebe neue Nahrung.“

„Nimmer hätte ich’s tun können, wäre er nicht gewesen. Don Pedro de

Solar litt es um meinetwillen. Er warf seine Eifersucht auf dich und

ließ es doch geschehen. Er nahm Schuld auf sich im Übermaß der Liebe

und befreite seinen Nebenbuhler. Sag’ das den maurischen Männern,

wohin du kommst. Er ist so groß und hehr. Und nun öffne dein Herz --

wie will es ihm dieser Nebenbuhler danken?“

Der Maure fühlte, wie sich sein Herz zusammenkrampfte. „Bi nefsi! Gott

lenkt wunderbar,“ flüsterte er betroffen.

„Das tut er, aber du sollst dir doch den Mund waschen, bevor du seinen

Namen aussprichst, denn du bist undankbaren Herzens, wenn du nur Worte

machst.“

„Der Allmilde erhob sein Auge und rettete mich vom Tod und sandte einen

leibhaftigen Engel -- und ich haderte mit ihm und goß meiner Seele

Unrat in die Tränenschale. O Mädchen, du lehrst mich einen seltsamen

Weg wandeln, an dem wenig Blumen stehen.“

„Soll dich ein Christ mit Großmut schlagen?“ fachte sie seinen Stolz

an. „Er hätte dich töten lassen können, aber er schloß die Augen, auf

daß dein Fuß frei gehen, dein Herz jauchzen könne, wiewohl er wußte,

daß du mich liebst. Und nun willst du einer von den Fossaha sein, den

Wohlrednern, die sich auf keine Tat verstehen?“

Eswers Herz lag im Bann des edlen Gedankens, und doch wütete der

Liebesschmerz darin. „Mädchen, wer sagt dir, daß mir Gott die Kraft

geben würde zu solcher Tat, vor der alle Liebhaber zurückschauderten?

Ibn Chazim bin ich, der vergebens liebte und seinem Mädchen doch nicht

zürnen konnte, weil sie ihn verschmähte. Er folgte ihr wie ein Hund und

sang seine Lieder in die des andern hinein, der glücklicher war als er.

Sang, bis seine Seele todmüde war von Liebesschmerz. Segne deinen Ibn

Chazim! Er wird sich erniedrigen, der Mohadschil deines Brautbettes zu

sein, der bei eurer Liebesnacht Wache hält. Das gereichte Honigbrot

soll ihm das Fieber des Herzens stillen. O Mädchen, was soll ich tun?

Soll ich den Pfeil schnitzen aus dem Hirmbaum und seine Peiniger töten

aus dem Versteck? Soll ich seine Wächter des Nachts überfallen und die

Türen seines Kerkers sprengen? Soll ich die Mauren aufrufen zum Kampf

für einen Christen? Werden sie ihre Lanzen mit Blut röten? Mohammeds

Glaube beflügelt keinen Geist und keinen Fuß, wenn es den Kampf für

einen Ungläubigen gilt.“

Reija machte zornig eine abwehrende Bewegung mit dem Arm. „Schweig,

Besonnener. Die List kehrt nicht bei stumpfen Geistern ein. Laß unsere

Gedanken ruhiger gehen. Morgen kommt Jusuf, ein Hirte aus Granada. Don

Pedro de Solar hat einen wackern Freund, zu dem habe ich ihn geschickt.

Ich bin erschöpft. Laß uns essen. Sei zart zu mir, denn ich bin

hilflos.“ Sie wandte sich nach der Höhle.

Bald darauf aßen sie von dem Ziegenbraten und den Garbanzos, den

Kichererbsen. Es war das Hirtenmahl für ein Königskind. Dann hüllte

Saffana die weichen Glieder der Herrin in die Schlafdecke. Im schwanken

Feuerschein wechselte das Licht auf dem leidgezeichneten Gesicht der

Maurin. Der letzte Qualm rauchte auf, verringelte und erstickte,

Menschen und Gestein versanken in Nacht.

Der Abencerrage legte sich wieder vor die Höhle hin wie damals, da

er ihres Atems Hauch zum erstenmal eingesogen. Der Schmerz um seine

verlorene Liebe flocht dunkle Kränze in sein Gemüt. Über ihm kreisten

im ruhigen Geleise die Sterne um den Pol und der Mond ließ sein Silber

in die Nacht tropfen. Es war so still, als ginge Gottes Odem fühlbar

über die Berge.

Da gebar die Nacht einen funkensprühenden Stern, der sich in erhabenem

Bogen über das halbe Firmament schwang und dann in dem Gefels zerbrach.

Eswer deutete das Himmelszeichen als einen Hoffnungsstrahl, den Gott

gesandt. --

Als Eswer die Augen öffnete, saß schon die Sonne zwiegespalten auf

dem gegenüberliegenden Grat. Bald darauf kletterte der Hirte Jusuf

die Felsen herauf. Der Bergwind nahm die Backen voll, als wollte er

alles Gestein zerschlagen, er splitterte scharfe Brocken vom Leib des

Gebirges ab, rauschte durch die einsamen Stauden, daß sie wie arme

Sünder am Totenpfahl hin und her baumelten. Der Schweiß perlte über

des Hirten Stirn. Er warf sich vor Eswer nieder, den er als alten

Bergfreund erkannte.

Reija flog ihm vom Lager entgegen. Ihr Blick versuchte ihm die Worte

vom Mund zu reißen. Jusuf vermochte kaum Atem zu schöpfen. „Die

Christen -- feiern -- Ostern -- hört ihr’s alle? Da sollen nun --

Ketzer brennen.“

Ein herzzerreißender Schrei durchschnitt die Bergstille. In den Armen

Saffanas lag, zitternd an allen Gliedern, das Königskind. Eswer sprang

angstvoll heran.

Der hastige Schwätzermund kramte alle Neuigkeiten heraus. „In den

Carceles liegen die Gefangenen. Man kennt noch keine Urteile. Aber auf

der Bibarrambla zimmern sie Gerüste. Quemadero nennen sie den Platz, wo

die Scheiterhaufen stehen sollen.“

„Daß dich Schaitan! Schweig, du Affenreiter, du stinkiges Kamel, siehst

du nicht --?“ Eswer stieß den Hirten unsanft weg.

Doch Reija wand ihren Leib aus der Schreckenslähmung. „Alles will ich

wissen. Spricht man -- unter den Moriskos -- von dem Grafen -- de Mora?“

„Er soll auch -- unter ihnen sein.“

Granada in Flammen · 第 139 / 190 题