Einunddreißigstes Kapitel

Im Patio de Mexuar wimmelt es von Mönchsgestalten. Verwunderte

Blicke begleiteten Maria de Calabreña auf dem Weg zu den Zimmern des

Dominikaners. Hier finden die peinlichen Verhöre statt, hier werden

die Anzeigen entgegengenommen, die Beamten der Inquisition gehen ein

und aus, Bittsteller, verweinte Frauen, Zeugen unter Bewachung von

Alguaciles, vornehme und verdächtige, lumpige Gestalten drängen sich

aneinander vorbei.

Ein Mönch gibt dem schön geschmückten Mädchen mit dem verstörten

Gesicht zu wissen, daß Pater Leon heute vor Abend nicht zu sprechen

sei, denn es sei eine große Prozeßsache im Gang. Ein Stich trifft

sie ins Herz. Sie verlangt den Namen des Inquisiten zu wissen -- der

Mönch schweigt mit einem kühlen Gesicht. Sie reitet niedergeschlagen

heim und der Tag wird zu einer Qual, die ihre Messer in die Seele der

Gepeinigten stößt. Sie hungert in Seide und Schmuck, und jedes Wort,

das man zu ihr spricht, sägt ihr Hirn entzwei.

Am Abend läßt man sie vor. Im dämmrigen Hof verschleichen sich die

letzten Gestalten.

Der bleiche Dominikaner empfängt sie mit schleppenden Schritten und

führt die Unglückliche in die Nische neben den Beichtstuhl. Ihre Hand

fühlt sich an wie lebendiger Alabaster.

Maria de Calabreña wirft die Mantilla weg und zeigt ihm ihr

verschluchztes Gesicht. Schmerzerstarrte Augen blicken ihn an. Ein

paar sinnlose Worte lösen sich von ihrem Mund, die den Mönch beinahe

erschüttern. Endlich ein Stammeln: „Was -- habt -- Ihr -- getan --?“

Sie kaut die Worte und schluchzt. „Der Graf -- ist -- unschuldig.“

„Ihr wißt es also schon? Unschuldig, mit den Augen der Liebe gesehen --

doch mit jenen des Glaubens -- nein. Ich sehe Euch schmerzgebeugt, und

es ist verständlich, Doña Maria -- aber wie konntet Ihr Euer Herz an

einen Ketzer hängen?“

Granada in Flammen · 第 131 / 190 题