Im Patio de Mexuar wimmelt es von Mönchsgestalten. Verwunderte
Blicke begleiteten Maria de Calabreña auf dem Weg zu den Zimmern des
Dominikaners. Hier finden die peinlichen Verhöre statt, hier werden
die Anzeigen entgegengenommen, die Beamten der Inquisition gehen ein
und aus, Bittsteller, verweinte Frauen, Zeugen unter Bewachung von
Alguaciles, vornehme und verdächtige, lumpige Gestalten drängen sich
aneinander vorbei.
Ein Mönch gibt dem schön geschmückten Mädchen mit dem verstörten
Gesicht zu wissen, daß Pater Leon heute vor Abend nicht zu sprechen
sei, denn es sei eine große Prozeßsache im Gang. Ein Stich trifft
sie ins Herz. Sie verlangt den Namen des Inquisiten zu wissen -- der
Mönch schweigt mit einem kühlen Gesicht. Sie reitet niedergeschlagen
heim und der Tag wird zu einer Qual, die ihre Messer in die Seele der
Gepeinigten stößt. Sie hungert in Seide und Schmuck, und jedes Wort,
das man zu ihr spricht, sägt ihr Hirn entzwei.
Am Abend läßt man sie vor. Im dämmrigen Hof verschleichen sich die
letzten Gestalten.
Der bleiche Dominikaner empfängt sie mit schleppenden Schritten und
führt die Unglückliche in die Nische neben den Beichtstuhl. Ihre Hand
fühlt sich an wie lebendiger Alabaster.
Maria de Calabreña wirft die Mantilla weg und zeigt ihm ihr
verschluchztes Gesicht. Schmerzerstarrte Augen blicken ihn an. Ein
paar sinnlose Worte lösen sich von ihrem Mund, die den Mönch beinahe
erschüttern. Endlich ein Stammeln: „Was -- habt -- Ihr -- getan --?“
Sie kaut die Worte und schluchzt. „Der Graf -- ist -- unschuldig.“
„Ihr wißt es also schon? Unschuldig, mit den Augen der Liebe gesehen --
doch mit jenen des Glaubens -- nein. Ich sehe Euch schmerzgebeugt, und
es ist verständlich, Doña Maria -- aber wie konntet Ihr Euer Herz an
einen Ketzer hängen?“