Die spanische Christenheit erfüllte ein Freudentaumel. Die Monfis von
Guejar waren geschlagen, nachdem sie zuerst den spanischen Rittern
schwere Verluste zugefügt hatten. Die Maurenburg des Ortes war erstürmt
worden. Gonsalvo de Cordoba hatte als erster die Sturmleiter erstiegen,
seine Ritter folgten. Don Pedro de Solar hieb vier Maurenfürsten
nieder, gefürchtete Häuptlinge der Banden. Seine Taten entschieden den
Kampf, auf Gnad’ und Ungnade ergaben sich die führerlosen Mauren. Ein
großer Zug von Gefangenen ging nach Granada ab. Eilboten berichteten
den katholischen Königen den Sieg. Die Stadt mußte zum Freudenfest
rüsten, von den Miradores und Türmen wehten die spanischen Banner.
Aber ein anderes Ereignis hatte inzwischen die Stadt in Aufruhr
gebracht. Der Imam Abu Atir war in einer Nacht entflohen. Wieder
waren zwei Wächter ermordet worden und vergebens war die Suche nach
den kühnen Übeltätern. Um den Alkazar im Albaycin standen wie um eine
feindliche Burg die spanischen Reiter und hielten Wache über das
Königskind. Denn hier vermutete man den Sitz des verbrecherischen
Anschlags. --
Reija lag auf dem Gebetsteppich mit dem Gesicht nach Mekka gekehrt
stundenlang und kleidete auf ihre fromme Art alle Sehnsucht in
seufzende Gebetsworte, die bald christlich, bald islamitisch klangen.
Ein kastilischer Eilreiter hatte ihr vom Grafen de Mora die Nachricht
gebracht, er sei unversehrt, ruhmbekränzt und auf dem Heimmarsch
begriffen. Da schwang ihre Seele neu gestärkt dem großen Gott entgegen.
„Mein weinendes Auge erhebt sich zum Schein des Mondes, hinter dem du
wachst, o Herr. Sei mein, ich bin dein, du liebreiches Brot und holder
Wein, du, der du Welten küßt mit deinem Odem und Länder verheerst mit
Glut und Wasserflut, ich arme Rose flehe zu dir: zeige dich mir! Laß
den Geliebten in meine Arme sinken, laß mich den Tau seiner Küsse
fühlen und scheuch’ alle Feinde von mir und laß unser Haus gesegnet
sein unter Palmen am Meer!“
Bei jedem Geräusch flatterte ihre Angst auf. Er ist es! Und immer
wieder sank ihr Haupt enttäuscht auf die Brust, wenn Saffana
herangeschwirrt kam und eines ihrer hellachenden Trostworte in die
Seele der Herrin warf.
Der Abend sank. Reija warf sich von Fenster zu Fenster. Die beginnende
Nacht hüllte draußen den Hof in Schatten, die Blumen dufteten betäubend
herauf und verworren tönte das Geräusch der Menge in den Gassen herüber.
Sklavinnen kamen, die atemlos den Einzug der spanischen Streiftruppen
meldeten. Nun mußte er auch kommen!
Immer tiefer rückt die Nacht vor. Selbst die muntere Saffana verliert
die Lust zu scherzen. „Glaub’ mir, Liebling der Engel, er wird zum
König gerufen worden sein.“
„Komme ich nicht vor dem König?“ bäumte sich Reijas Liebesstolz auf.
Und ihre erhitzte Phantasie beschwerte sie mit Eifersuchtsgedanken.
Wenn er in Guejar eine schöne Sklavin gefunden hätte? Sie sprang,
gequält von ihrer Ungeduld, auf und ließ sich die Mantilla geben.
Gleich darauf hielt sie der Stolz zurück.
Da -- Noria eilt mit glänzendem Gesicht herein.
Aus der bräutlichen Brust bricht sich ein einziger Schrei: Er ist’s!