Dreißigstes Kapitel

Die spanische Christenheit erfüllte ein Freudentaumel. Die Monfis von

Guejar waren geschlagen, nachdem sie zuerst den spanischen Rittern

schwere Verluste zugefügt hatten. Die Maurenburg des Ortes war erstürmt

worden. Gonsalvo de Cordoba hatte als erster die Sturmleiter erstiegen,

seine Ritter folgten. Don Pedro de Solar hieb vier Maurenfürsten

nieder, gefürchtete Häuptlinge der Banden. Seine Taten entschieden den

Kampf, auf Gnad’ und Ungnade ergaben sich die führerlosen Mauren. Ein

großer Zug von Gefangenen ging nach Granada ab. Eilboten berichteten

den katholischen Königen den Sieg. Die Stadt mußte zum Freudenfest

rüsten, von den Miradores und Türmen wehten die spanischen Banner.

Aber ein anderes Ereignis hatte inzwischen die Stadt in Aufruhr

gebracht. Der Imam Abu Atir war in einer Nacht entflohen. Wieder

waren zwei Wächter ermordet worden und vergebens war die Suche nach

den kühnen Übeltätern. Um den Alkazar im Albaycin standen wie um eine

feindliche Burg die spanischen Reiter und hielten Wache über das

Königskind. Denn hier vermutete man den Sitz des verbrecherischen

Anschlags. --

Reija lag auf dem Gebetsteppich mit dem Gesicht nach Mekka gekehrt

stundenlang und kleidete auf ihre fromme Art alle Sehnsucht in

seufzende Gebetsworte, die bald christlich, bald islamitisch klangen.

Ein kastilischer Eilreiter hatte ihr vom Grafen de Mora die Nachricht

gebracht, er sei unversehrt, ruhmbekränzt und auf dem Heimmarsch

begriffen. Da schwang ihre Seele neu gestärkt dem großen Gott entgegen.

„Mein weinendes Auge erhebt sich zum Schein des Mondes, hinter dem du

wachst, o Herr. Sei mein, ich bin dein, du liebreiches Brot und holder

Wein, du, der du Welten küßt mit deinem Odem und Länder verheerst mit

Glut und Wasserflut, ich arme Rose flehe zu dir: zeige dich mir! Laß

den Geliebten in meine Arme sinken, laß mich den Tau seiner Küsse

fühlen und scheuch’ alle Feinde von mir und laß unser Haus gesegnet

sein unter Palmen am Meer!“

Bei jedem Geräusch flatterte ihre Angst auf. Er ist es! Und immer

wieder sank ihr Haupt enttäuscht auf die Brust, wenn Saffana

herangeschwirrt kam und eines ihrer hellachenden Trostworte in die

Seele der Herrin warf.

Der Abend sank. Reija warf sich von Fenster zu Fenster. Die beginnende

Nacht hüllte draußen den Hof in Schatten, die Blumen dufteten betäubend

herauf und verworren tönte das Geräusch der Menge in den Gassen herüber.

Sklavinnen kamen, die atemlos den Einzug der spanischen Streiftruppen

meldeten. Nun mußte er auch kommen!

Immer tiefer rückt die Nacht vor. Selbst die muntere Saffana verliert

die Lust zu scherzen. „Glaub’ mir, Liebling der Engel, er wird zum

König gerufen worden sein.“

„Komme ich nicht vor dem König?“ bäumte sich Reijas Liebesstolz auf.

Und ihre erhitzte Phantasie beschwerte sie mit Eifersuchtsgedanken.

Wenn er in Guejar eine schöne Sklavin gefunden hätte? Sie sprang,

gequält von ihrer Ungeduld, auf und ließ sich die Mantilla geben.

Gleich darauf hielt sie der Stolz zurück.

Da -- Noria eilt mit glänzendem Gesicht herein.

Aus der bräutlichen Brust bricht sich ein einziger Schrei: Er ist’s!

Granada in Flammen · 第 128 / 190 题