Pater Leon trat mit gesättigtem Herzen in die kühle Dämmerung der
Mosala. Das Autillo war ein offenkundiger Sieg, eine Machtentfaltung
des Nazarenerglaubens. Der Vikar fertigte die ihn begleitenden Mönche
ab und ordnete dann sogleich die Inquisitionsakten in den Schrank
ein. Dann öffnete er ein Aktenbündel und holte ein schneeweißes,
leeres Papier heraus. Ohne mit der Wimper zu zucken, ergriff er das
Schreibrohr und setzte ein paar Worte hin, die den leeren Bogen mit
einem schrecklichen Inhalt zu füllen begannen:
„Anklage gegen den königlichen Hauptmann Don Pedro de Solar Grafen de
Mora, der beschuldigt wird --“
Hier endigte der Gedankengang des Inquisitors. Die Schuld zu ersinnen
und zu formulieren, blieb ihm die Nacht. Die gräßlichen Gedanken
entflatterten ihm und er ließ erquickendere in sein Hirn. Vor seinem
brennenden Auge wiegte Maria de Calabreña ihren schönen Leib. Wie
weit stand sie mit -- oh, ihm schauderte. War dieser Leib schon ein
fruchttragender Acker geworden?
Draußen tappten Schritte. Der Dominikaner öffnete. „Ah, endlich! Ich
habe Euch längst erwartet, Don Silvio.“
Der Mönch führte einen etwas verwachsenen Mann herein, der schon in
seinem Äußern zu jenen Menschen zu gehören schien, die zuerst essen,
bevor sie beten. Ein olivenfarbiges, verschrammtes Spitzbubengesicht,
dessen graue Augen hinter den Lidspalten versteckt lagen, struppiges,
aschgraues Haar, die Nase klumpig, die Lippen wulstig und bläulich, die
Haltung vernachlässigt, alle Gebärden vorsichtig, als müßte der Mann
unausgesetzt vor irgendeiner Entdeckung auf der Hut sein -- fürwahr, es
stand kein Engelsgebilde vor dem Dominikaner.
„Du kommst von Cordoba?“ fragte dieser.
Don Silvio bejahte mit einer rostig klingenden Stimme. „Der hochwürdige
Pater Lucero, Inquisitor von Cordoba, schickt mich.“
„Ich bat ihn um eine geschickte Hand, die in gewissen Dingen nicht in
Verlegenheit kommt.“
Der Scherge lächelte eitel. „Auch Jonas verbarg sich vor dem Herrn und
dieser fand ihn doch.“
„Du greifst hoch in die Wolken.“
Don Silvio sah sich vorsichtig um. Die Nähe des Altars und der
Meßgeräte verwirrte ihn ein wenig. „Darf ich zuerst beten?“ heuchelte
er schamlos.
„Tu was du mußt.“
Der Mann kniete schwerfällig beim Altar nieder und schien mit Andacht
zu beten. Dann erhob er sich und trat mit dem gleichgültigsten Gesicht
an den Tisch. „Was also soll getan werden?“
„Wo wohnst du jetzt hier?“ erkundigte sich der Vikar.
„In einer Venta am Elvirator gleich in der Nähe des
Inquisitionspalastes. Es weiß kein Mensch, woher ich komme, und in
Cordoba lebe ich versteckt wie eine Kröte bei Tag.“
„Hast du das Dekret des Familiare der Inquisition?“
Don Silvio zog den zerknitterten Schein heraus. Der Vikar prüfte ihn.
Das Dokument sagte das Ungeheuerliche aus, daß dieser verkommene
Schlaufuchs in der Bruderschaft der Familiares aufgenommen worden sei
und daß er geschworen habe, sein Leben dem heiligen Offizium zu weihen
und dafür alle Ablässe der Cruce signati empfangen habe und im Besitz
des heiligen Kreuzes sei. Einen solchen Bruder brauchte der Inquisitor.
Jede spanische Stadt wimmelte von dergleichen Gesellen, die von der
Gnade des Tribunals lebten und ihre eigene Zunft hatten. „Weißt du
deine Aussagen geschickt zu setzen?“ fragte Leon.
„So daß sie den Schein der Wahrheit haben. Ich streue etwas Angst ein,
taste mit den Worten unsicher herum, suche um Himmels willen einen
Ausweg, der mir nicht gelingt, um Jesu Barmherzigkeit willen muß ich
einfach sagen, was ich gehört, gesehen, ob ich will oder nicht. Und
zitternd schreibe ich meinen Namen unter die Zeugenschrift. Ehrwürdiger
Pater, ich habe an die hundert Christen vor das Tribunal gezerrt, und
wenn die Summe sich rundet, kaufe ich mir ein Häuschen in Andalusien,
da wo es am schönsten ist.“
„Hast du -- Schriftliches bei dir von Lucero?“
„Nur meinen Mund. Der plappert wie eine Litanei oder schweigt wie ein
Sarg. Je nach Bedarf. Der sehr ehrwürdige Pater Lucero wird sich
hüten, mir etwas Schriftliches zu geben. Unsereins kommt in der Venta
leicht in Händel und da ist jede Schrift in Gefahr, wenn die Messer
fliegen. Zur Sache denn, um welchen Fall handelt es sich? Oder ist
einer ganz neu aufzubauen? Da müßte man vorsichtig sein.“
„Die Sache liegt eigentlich so offen, daß man nur eines kleinen
Beweises bedarf, um die Anklage zu erheben. Ist es geschehen, hast du
der Kirche, Spanien, der Königin, dem König, und dem Erzbischof Ximenes
einen großen Dienst erwiesen.“
Der Handlanger des Bösen machte gewichtige Augen. „Bei Santiago! Ein
ehrenvolles Amt, das manchem Bettler in der Seele kitzeln müßte. Fast
möchte ich mir den Zehnten von ganz Spanien dafür ausbedingen.“
„Dein Häuschen in Andalusien dürfte dir sicher sein. Die einzuziehenden
Güter der betreffenden Person sind umfangreich, ein Fünftel davon
fällt dem königlichen Schatz zu, der Rest der Kirche und dem Staat.
Von diesem Teil würde ich dir den Zehnten beim Supremo der Inquisition
auswirken.“
„Bietet Ihr mir Sicherheit?“
„Du sollst Dezas Unterschrift haben.“
„Darauf kann ich bei allen Juden Europas Schulden machen. Und wie heißt
der große Name, der so viele Gebäude in ihren Festen erschüttert?“
„Don Pedro de Solar Graf de Mora.“
„Der zählt!“ Don Silvio spitzte die Lippen zu einem Pfiff. „Was hat er
getan? Oder besser, was für Verbrechen will man von ihm?“
„Er hält mehr als notwendig den Mauren die Stange.“
„Dann also muß man ihn maurisch fassen. Man will ihn, verstehe ich
recht, verdächtigen, daß er Spanien oder die Kirche -- was ja fast
dasselbe ist -- verunglimpft.“
„Schärfe dein Hirn,“ drängte Leon ungeduldig.
Der Vertraute biß die Zähne zusammen. Und mit seinen grauen Äuglein
schaute er tief nach innen, als wollte er die Rüstkammer seiner
Schurkerei durchstöbern. Sein spärliches Haar stand im Wirbel
aufrecht, wie von Galgenluft zerzaust. „Laßt sehen! -- Geheime
Versammlungen? Verbraucht! Man will doch sonst niemand von den Granden
unschädlich machen?“
„Das wäre noch zu überlegen.“
„Eine gewöhnliche Lässigkeit nachzuweisen, wäre ein Kinderspiel, aber
das paßt nicht für den großen Namen. Der Graf ist wohl, was man so
sagt, gläubig?“
„Er denkt tolerant.“
„Hallo! Da sitzt ein Loch, durch das er durchfliegen kann, oder der
Topf hat einen neuen Henkel gefunden. Wenn man ihm die Liebe zum Koran
ins Blut schießen lassen würde? Könnte man ihn nicht in eine Maurin
verliebt machen?“
Die Mönchsaugen leuchteten wie Katzenaugen im Dunkeln „Das hat er
schon in aller Wahrhaftigkeit selbst besorgt.“ Und er speiste ihn mit
Einzelheiten ab.
„Da brauchen wir für den Stier erst kein rotes Tuch. Maurin, Koran,
die Heftigkeit des Ritters, die Toleranz -- laßt mich sinnen -- ein
gefälschter Brief -- ein zu gefährliches Mittel -- aber der Graf
besitzt sicher einen Diener -- und der könnte mir es anvertraut haben
-- ich meine, daß dieses und jenes Wort gefallen --“
„Du ziehst einen armen Teufel mit ins Unheil,“ erschrak der Dominikaner.
„Wie lautet das Sprüchlein des ehrwürdigen Torquemada? Es ist
besser, daß tausend Unschuldige sterben, als daß ein einziger Ketzer
davonkommt. Man sagt, die Kirche vergißt solche erprobte Sprüchlein
nicht gern.“
„Deine Sünden werden Teufel erzittern machen,“ erschauerte Leon. „Geh,
geh -- ich will ohne dich auszukommen suchen.“
„Das hättet Ihr früher bedenken müssen. Ich weiß schon allzu viel.“
Seine buschigen Augenbrauen zogen sich hoch, während er seinen
struppigen Bart strich.
„Es ist nie zu spät, Gedanken zu bereuen.“
„Ob man dieser Reue Glauben schenken wird? Vergeßt nicht, ehrwürdiger
Pater, ich habe gut ein Drittel der cordobanischen Prozesse auf meinem
Gewissen.“
„Um so sicherer bist du in unserer Gewalt.“
„Oder Ihr in der meinen. Wenn ich plaudere --“
„Glaubt man dir nicht oder macht dich rechtzeitig mundtot. Die Aussagen
der Inquisitoren dürfen nicht angezweifelt werden, sie werden sich um
ihre Haut zu wehren wissen.“
Mißvergnügt drehte sich der Schurke nach der Tür.
Leon rief ihn zurück. „Du sollst nicht unversöhnt von dannen gehen.
Es bleibt dabei. Mach’ dich an den Diener heran. Wir wollen dann den
Vertrag schließen. Und noch eins. Wenn du schwören solltest, du habest
gehört, daß eine gewisse Moriska dabei ertappt wurde, wie sie betend
auf dem Mekkateppich lag, oder daß sie nächtlich den Zambra tanze, sich
täglich wasche und das Schweinefleisch verachte -- du würdest dich doch
nicht lange besinnen?“
Don Silvio rümpfte geringschätzig die Nase. „Für solche Kleinigkeiten
hat mein Gewissen noch Platz. Ich kann auch beschwören, daß ich das
Weib auf einem Aquelarre, einem Hexensabbat, in San Esteban gesehen.“
„Man wird sich deiner erinnern. Geh.“
Mit einer verzogenen Fratze, die Lippen häßlich zusammengekniffen,
die Schultern hochgezogen, schlich der Scherge hinaus. Er war das
Feilschen in Cordoba gewohnt. Sollte er hier andre Methoden lernen?
Eine Schurkerei, so tief in der heiligen Gerechtigkeit verwurzelt,
konnte nicht leicht ausgerissen werden oder der ganze Baum stürzte um.
Aber was half es ihm, wenn durch seine Verräterei die Inquisition einen
Stoß bekam? Wer würde ihn belohnen? Über die Erlösung würde man den
Erlöser vergessen. Er lebte von der Inquisition, nicht sie von ihm.
Es waren hundert andere Auswürflinge da, sein Amt zu übernehmen, und
er konnte sich die Nägel ausreißen vor Galle, daß er der Klügere sein
wollte. Nein, nein, der Pater hatte recht, man mußte Hand in Hand mit
den Dienern des heiligen Offiziums gehen, um nicht nackt wie Hiob auf
dem Mist zu sitzen. Das waren so seine grauen Gedanken, als er durch
das Tor der Gerechtigkeit in der Alhambra schritt.
Pater Leon hatte sich in Instruktionen vertieft. Sein Gemüt war
ebensowenig erheitert wie das des davongegangenen Besuchers. War
er nicht mit der Belastung eines wildfremden Gewissens zu voreilig
gewesen? Aber noch war kein Abschluß des Handels da. Unterdessen mußte
ihm der Teufel, den er für Gott hielt, irgendwie zu Hilfe kommen.
Die Zeit schlich. Bald mußte Maria de Calabreña da sein. Er hatte ihr
in der letzten Beichte unter anderm auch die Buße aufgegeben, von nun
an nach alter Büßerweise barfüßig vor dem Altar zu erscheinen, um so
die Demut vor Gott besser zum sichtbaren Ausdruck zu bringen. Er berief
sich auf Moses, der, als er vor Gott im feurigen Busch kniete, auch die
Schuhe auszog, da er heilig Land betrat. Das Gebot erinnerte Doña Maria
an die mohammedanische Fußwaschung vor dem Gebet und sie fand nichts
Absonderliches darin. Heute also mußte sie bloßen Fußes --
Leon lief es über den Rücken. Er nahm ein Inquisitionsheft zur
Hand, seine Gedanken abzulenken. Da lag ein Zeugenverhör vor ihm,
musterhaft und geschickt in der Fragestellung, hingeworfen von
einem der Consultores in Cordoba. Es waren Schachzüge mönchischer
Spitzfindigkeit, die hier in vielgestaltiger Form mit Menschenleben
spielten. Leon hatte sich kaum in das Labyrinth der Fragestellungen
hineingetastet, als er den geliebten Schritt draußen hörte. Die
Wachsoldaten ließen wie immer die schöne Moriska eintreten.
Der Dominikaner begleitete sie nach freundlichem Gruß zum Altar.
Gehorsam zog sie ihre Schuhe und Strümpfe aus und kniete an den Stufen
nieder. Der Dominikaner stand hinter ihr, als wollte er ihre Andacht
in seinen Segen nehmen. Seine Augen aber verschlangen das nackte,
bräunliche Fleisch ihrer gemeißelten Sohle und das bläuliche Geäder der
zarten Fessel. Jede Zehe liebkoste er und er hätte stundenlang ihre
liebliche Blöße bestaunen können, ohne in seiner Begehrlichkeit zu
ermüden. Als sie sich erhob und die Schuhe anzog, beobachtete er jede
Linie ihres Körpers, jede Rundung, jeden gefälligen Schwung. Maria fing
einen dieser prüfenden Blicke auf und errötete. Etwas verzagt setzte
sie sich an das mit Erbauungsschriften belegte Tischchen. Leon ging auf
und ab, und seine sonst so strenge, herablassende Miene, vollgesogen
vom Dünkel der Kirchlichkeit, verwandelte sich in eine Freundlichkeit,
die das Mädchen befremdete. Der Vikar segelte in das Fahrwasser der
Kirche und der Dogmen, erklärte die Zeremonien der Sakramente, um dann
auf einmal die Belehrung abzubrechen und unvermittelt an das Herz der
Jungfrau heranzurücken. „Der Graf -- nur unter uns, Doña Maria -- er
liebt Euch mit derselben Herzlichkeit wie Ihr ihn?“ fragte er wie in
tiefer Anteilnahme.
„Er würde mir zuliebe alles tun,“ sagte sie glücklich.
„Das ist ein schweres Wort.“ Des Paters Lippen schmeckten ins Leere.
„Gesetzt nun, Ihr wärt im Irrglauben beharrt, meint Ihr, der Graf hätte
sich bewegen lassen, den Christenglauben abzuwerfen?“
Sie erschrak. Daran hatte sie eigentlich nie gedacht. Ob wirklich seine
Liebe so groß gewesen wäre? „Ich glaube, er hätte sich wenigstens nach
und nach mit Mohammeds Gesetzen, mit Koran und Sunna befreundet,“ sagte
sie ausweichend.
„Hat er Euch je Beweise zu einer solchen Annahme gegeben?“
„Nein, aber er hätte gewiß erkannt, daß auch Mohammed ein großer Mensch
war.“
„Groß kann ein Mensch nicht sein, der so irrt. Aber Ihr schweift
ab. Ich meine, hat der Graf Euch Beweise eines so duldsamen Denkens
gegeben? Er liebte wohl Eure alte Religion?“
„Lieben? Dann hätte er sie doch angenommen und die seine weggeworfen.“
„Liebende rasen oft über Sünde und Unheil hinweg ins Verderben.“
„Wäre es wirklich ein Verderben für ihn gewesen?“ erschrak sie heftig.
„Ich würde kein größeres kennen. Aber sagt, spricht der Graf oft und
viel von der heiligen katholischen Religion?“
„Freilich -- er liebt sie doch -- nur --,“ sie stockte.
„Nur?“ griff der Priester überhastig in ihre Verlegenheit.
„Ach, nichts.“
„Nein, Ihr wolltet eine Ausnahme einschalten.“
„Ich wollte nur sagen -- aber bitte, bitte, blickt nicht finster --,
ich meine, auch er ist nicht blind gegenüber den Übertreibungen --“
„Auch er? Also sind auch andere da, die --?“
„Ach, ich meinte nur -- man spricht doch das und jenes --, so lächelte
er oft, wenn er die Leute, die Frauen stundenlang vor den Altären
liegen sah --“
„Da lächelte er?“ fragte der Mönch gespannt. „Und sagte wohl: ‚Ach, wie
arm sind diese Frauen?‘ Das sagte er, nicht wahr, Doña Maria?“
„Nicht doch, er sagte es nicht. Aber ich sah es ihm an, wie ihn das
Mitleid mit ihnen überlief, wenn sie so vor den Bildern lagen --“
„Er sagte wohl: ‚Das sollte nicht sein.‘“
„Gesagt hat er das nicht.“
„Vielleicht doch einmal? denkt nach.“ Des Priesters Augen stachen in
ihre Seele.
„Ich erinnere mich nicht.“
„Aber es könnte sein, daß er es einmal gesagt hat?“
„Vielleicht. Aber ich weiß nichts davon. Er freute sich nur immer, wenn
ich ihm sagte, daß ich früher auf dem Gebetsteppich lag und auch ohne
ein Bild meinen Weg zu Gott fand. Er nannte dies schön und recht bei
den Moslims.“
„Das heißt also, daß der katholische Brauch nicht schön und recht sei?“
„O Gott, das hat er nicht gesagt.“
„Doch folgt es leicht daraus. Er fand demnach in manchem Eure alte
Religion viel schöner und richtiger als die unsere?“
„Nicht das, aber es waren doch schöne Stunden, wenn wir den Koran
lasen, die Verheißung vom Paradies --“
„Er las den Koran mit Euch?“
„Freilich, das mußte er doch, um zu wissen, wie wir es früher hielten.“
„Und da meinte er wohl auch, daß dieses Paradies schön und
erstrebenswert sei?“
Sie nickte unverfänglich. „Ei, wem sollte wohl der heilige Gotteshain
mit den vielen Huris nicht gefallen und mit den Quellen der Liebe?“
„Auch ihm gefiel das also?“ Er umspann mit den leicht hingeworfnen
Fragen ihr ganzes Denken wie mit einem Netz.
„Ich sagte schon, wem sollte es nicht gefallen?“
„Und sprach er nicht von der Dreieinigkeit manchmal zweifelnd?“
„Das wüßte ich nicht zu sagen, Pater. Aber wozu das alles?“
„Ich nehme eben an allem teil, was Eure Seele bewegt. Der Graf hat also
wohl selten von der Dreieinigkeit gesprochen?“
„Fast nie. Das heißt, ja, jetzt erinnere ich mich, einmal -- richtig,
da sagte er, er könnte mir nichts Bestimmtes darüber sagen, denn er
wisse nichts davon.“
„Er wisse nichts von der Dreieinigkeit? Sagte er so?“
„So ungefähr.“
„Merkt doch genau meine Frage: Er sagte, er wisse nichts von der
Dreieinigkeit?“
„Ach, das hat er nicht gesagt.“
„Aber so ungefähr. Vielleicht sagte er so: ‚Ich weiß nichts von der
heiligen Dreieinigkeit.‘“
„Vielleicht, aber ich weiß es nicht genau.“
„Also -- er weiß nichts von der heiligen Dreieinigkeit. Merkt das gut.“