Die Königin erschrak. „Ihr wollt --?“

„Seine verliebte Seele zittert in Unruhe, bald wird auch sein Gedanke

über Gott und Glauben wankend werden. Liebe ist nachsichtig und

verurteilt nicht leicht, und die Moriska ist sicherlich befangen

im alten Glauben. Auch der Graf kann da in gewissen Dingen leicht

entgleisen, weil er liebt. Gelingt es, ihn in einem solchen Augenblick

zu packen, dann hat die Inquisition freie Hand.“

Der König strich sich mit der Hand über die Stirn. „Ximenes -- das ist

nicht weise Vorsicht -- das ist ein Spiel mit einem -- Menschenleben.“

„Es ist die Eingebung einer höhern Macht, die da noch hilft, wo Könige

verzagen,“ sagte Ximenes gelassen.

Die Königin zitterte in Mitleid. „Ich fürchte, wir verarmen an Talenten

und an Herzen, wenn wir so edle Regungen unterdrücken.“

„Das überlasse Eure Hoheit der Kirche. Zudem -- der Hof braucht Geld --

der Graf ist reich -- Ihr versteht.“

Die Könige erbleichten. Aber sie schwiegen vor der entsetzlichen Kraft

dieser Rechtsbegründung aus Priestermund. Endlich fand Isabella das

erlösende Wort. „Nur weil ich der Kirche Hoheit erkenne, sag’ ich ja.

Aber wie wollt Ihr in die geheimsten Kammern des Herzens dringen?“

Der Erzbischof lächelte überlegen. „Darüber mag sich der Dominikaner

den Kopf zerbrechen. Gelingt es ihm, die Könige vor Gefahr zu bewahren,

dann schreibt seinen Namen auf die Tafel der Verdienste. Der Graf

darf nicht länger so denken, sonst mästet Ihr Euch einen zweiten

Cid heran, der seinem König wieder gefährlich werden kann. Alle

Ricoshombres, die unzufriednen andalusischen Granden, werden ihm folgen

und Kastilien und Aragonien bedrohen, ja, er könnte, ein zweiter Graf

Julian, die Mauren aus der Berberei zu Hilfe rufen und die schwer

erkämpfte Einheit Spaniens furchtbar zertrümmern. Schon mehren sich

die Zeichen, daß der Adel nicht übel Lust hat, den starken Händen der

Regenten zu entgleiten. Der kastilische Hidalgo haßt mich, und der

Herd des Hasses ist nicht nur in Toledo zu suchen. Auch hier braut

man die Unzufriedenheit zusammen, am Pestherd des Prophetenglaubens.

Bald werden auch die alten Christen schwankend, wenn sie den Adel mit

solchen Köpfen an der Spitze in offener Empörung gegen die heiligen

Gesetze sehen. Habt ein Augenmerk auf den Herzog von Osuna, auf den

Grafen von Orgaz, auf Priego de Cordoba, ja selbst auf Medina-Sidonia.“

Die Könige sahen einander erblassend an. „Mit welchen Bildern schreckt

Ihr unsern Geist?“ bebte Isabella.

Granada in Flammen · 第 121 / 190 题