Wenn die wunderschöne Königstochter vorbeireitet, ist es, als zöge
ein Meteor über den granadinischen Himmel. Alles gafft und starrt.
Die bronzene statuarische Gestalt auf dem weißen Zelter gleicht einem
Beduinenmädchen, das ruhevoll durch die Zeltgassen ihres Stammes zieht.
Man spricht in den vornehmen Häusern der Christen von dem Reiz dieses
Mädchens mit demselben Eifer, den man Maurenkämpfen, Turnieren und
Stiergefechten widmet.
Der Graf Tendilla brachte ihr die Huldigung der andalusischen
Ritter in der Form eines goldenen Standkreuzes. Übergetretene Fakis
beglückwünschten das neue Taufkind und granadinische Christenmädchen
tanzten vor der Alcazaba an schönen Abenden den Fandango.
Doch so ruhig die Stadt schien -- draußen in den Alpujarras erhob sich
dräuend das Gespenst des Aufruhrs. Die Beni Mossad, hieß es, seien
nicht ausgewandert, sondern befänden sich mit ihrem Anhang in den
Bergen, wo sie die Monfis sammelten, um den geliebten Imam zu befreien.
Tatsächlich hielt Maria de Calabreña heimlich Verbindung mit dem
Gebirge, es kamen als Bettler und Händler verkleidete Vertraute in den
Alkazar und gaben dort ihre Briefe ab, die dann Doña Maria in den Turm
der Cautiva schmuggelte.
Das Königskind litt an seiner Liebe. Ihr Herz unterschrieb nicht, was
ihr Verstand ausklügelte. Oft horchte sie hinaus in die Nacht, die
schon auf ihren Schwingen Frühlingsvorschauer hereintrug, und ihr
war, als müßte sie aus dem Turm fliehen, weit, weit weg, um dann ihr
Schicksal fern von der Alhambra zu beweinen. Es kamen sonnenwarme Tage,
aber sie belebten das Gemüt Reijas nicht. Selten sah sie den Grafen
de Mora. Nur durch Saffana erforschte dieser die Seelenstimmung des
Mädchens. Auch er war von dunklen Gewalten hin und her geworfen, die
alte Dienstbeflissenheit war erstorben, seine Strenge gab sich gequält,
sein Ordnungssinn war erschüttert.
Eines Tages stand wieder Hernando de Rojas vor ihm, das Freundesherz
beladen mit Sorge. Don Pedro hielt ihm freudestrahlend einen Zettel mit
Versen hin.