„Was beliebt?“ fragte Reija mit dunkelblitzenden Augen.
„Ich möchte Salzedo frei haben.“
„Feta -- du bekommst Salzedo, wenn ich den Koran bekomme.“
Zorn und Bewunderung rangen im Herzen des Grafen miteinander. Ihm war,
als straffte sich das Wesen der Jungfrau unter dem Druck der Gefahr.
Abu Atir drängte sanft das herbe Mädchen beiseite. „Menge dich nicht in
Männerworte, Reija, meine Taube.“
„Ich will Worte machen um das Heiligtum meines Vaters, dem Gott
allezeit weiche Kissen geben möge.“
Der Graf besann sich, daß er von Ximenes den Auftrag hatte, den Handel
unblutig zu lösen, wenn er nur Salzedo wiederbrächte. „Ich gebe Euch
heute abend den Koran, doch Ihr müßt mir noch jetzt Salzedo ausliefern.“
„Was soll der Hauch eines Mundes, der in die Luft geht?“ fragte Abu
Atir geringschätzig.
„Ich verpfände Euch mein Leben für mein Wort,“ sagte Graf de Mora.
Da trat Reija hastig heran. „Das soll wiegen, Väterchen. Daß du es
weißt, Feta, ich habe Salzedo unter meinem Bett versteckt, denn die Wut
der Mauren hatte ihn überall gesucht. Dank’ mir’s, Feta, er wäre sonst
nicht lebendig in deine Hände gekommen.“
„Und ich habe Euch den Koran von Ximenes erbettelt. Dankt mir’s, Doña
Reija, denn er wäre jetzt Rauch und Flammen. Seht hin!“ Er wies auf die
Rauchsäule, die aus der Tiefe der Bibarrambla aufstieg.
Abu Atir heulte auf: „Die Bücher brennen!“ Der Ruf widerhallte in den
Herzen der das Haus belagernden Mauren. Aus Schmerzenslärm, Ingrimm
und Wut stieß es sich heraus: „Zum Palast des Ximenes! Unsere Bücher!“
Die brodelnde Masse der Burnusse wälzte sich wie ein weißer Brei
die Feigenhänge hinab nach der Antequeruela. Vergebens rief der Imam
seine warnenden Wehworte den Eilenden nach. Der Strom war im Gang, die
Lava des Aufruhrs floß den Berg hinab in die Stadt. Von allen Seiten
erscholl das fatalistische Insch’allah! aus dem Lärm der fließenden
Haufen.