Von fünf Lanzenreitern begleitet, reitet der Graf de Mora nach der
betürmten Moreria, dem Maurenviertel. Er muß Salzedo finden. Da hört er
sich angerufen. Sein Freund Hernando de Rojas drängt sich auf seinem
Andalusier heran. „Pedro! Pedro! Man hat eine Spur Salzedos! Das
heißblütige Weib, das um den Koran gekämpft --“
„Reija?!“ Der heftig ausgestoßene Name verursacht einen Brand auf den
Lippen des Grafen.
„Ihre Ritter sollen ihn mitgeschleppt haben. Maurische List! Eine
Geisel in ihren Händen!“
Der Graf hetzte mit einem Spornhieb sein Pferd vorwärts. De Rojas
konnte ihm nur mühsam folgen. Bald ragten die Mauern des Alkazars vor
ihm. Hier wohnte der Imam Abu Atir. Vor dem zinnengekrönten Gemäuer
drängte und schob sich das Volk wie Ameisen um ihren Bau.
Der königliche Hauptmann wandte sich an einen der Maurenritter, die vor
dem steinernen Tor standen, die Marlota, einen Brokatüberwurf, über die
Schulter geworfen, in eiserner Wehr. „Ist der Imam Abu Atir im Hause?“
„Der Imam? Mögen ihn alle guten Geister des Herrn beschützen, so Ihr
Böses im Sinne habt, Hauptmann des Königs. Was wollt Ihr von ihm?“
Noch ehe der Maure eine Antwort erhielt, schob sich die simsonstarke
Patriarchengestalt des Imams aus dem Tor ins Licht.
„Hadha! Dieser ist es!“ sagte der gewappnete Maurenritter.
Der Graf senkte den Degen vor dem Greis. „Es soll Salzedo, der
Hausmeister des Primas, in Eurer Gewalt sein.“
Abu Atir lächelte klug. „Es soll der Koran, das goldne Buch Boabdils,
in deiner Gewalt sein, Feta.“
„Es ist des Königs Gebot.“
„König Fernando hat Verträge unterschrieben: unser Glaube soll
unberührt bleiben.“
„Der König hat euch nicht den Glauben genommen, sondern nur Bücher.“
„Oh, über das weite Gewissen eines Gottesmanns! Gebt den Koran zurück
und wir geben euch Salzedo.“
Da durchzuckte es des Grafen Herz. Aus dem Tor schritt inmitten der
Sklavinnen das verschleierte Königskind. Eine der Frauen trug auf einer
silbernen Tasse Milch und Salz.
„Das ist unser Brauch,“ sagte Reija. „Nimm Halib und Milch, auf daß du
in Frieden scheidest, Hauptmann des Königs.“