Reija und Saffana erhoben sich vom Gebetsteppich. Zu ihren Häupten
dufteten die Storaxkerzen. „Mein Väterchen!“ Mit dem Morgentau der
Gesundung auf der Stirn eilte Reija dem Greis entgegen. Das weiße
Lieblingskätzchen auf ihrer Schulter sprang erschreckt auf den Teppich.
Das Mädchen las das Unheil aus den Augen des Imams. „Bi nefsi, sie
haben dich gequält!“
Abu Atir erzählte und Reija hörte mit gepreßtem Herzen zu. „Bring
Väterchen zur Ruhe,“ sagte sie zu Saffana. „Er soll den Tag vergessen.“
„Es gibt noch viel zu sinnen,“ wehrte der Alte ab. Er setzte sich
auf einen fellbelegten Schemel. Im Kerzenschein flammte das farbige
Ornament, die Goldstuckatur und das Azulejosmuster, alles aus bester
granadinischer Königszeit, hellauf, und Spiegel warfen das Licht von
drei Seiten zurück. In der üppigen Weichheit der Teppiche und Matten
gingen lautlos die Schritte der Mädchen. Reija im rotseidnen Damast,
um das Haupt den Thailesan, den duftigen Schal, gebunden, die Füße
in reichbestickten Schuhen, huschte von Truhe zu Truhe, die in den
verhängten Nischen des Gemachs standen.
„Willst du den roten Ghamar zu trinken haben? Willst du Sikbadsch, das
Fleischmus, essen? Gott mit seinen neunundneunzig Namen stärke dich!“
Sie mühte sich vergebens, dem Greis aus dem Trübsinn zu helfen.
Da stahl sich die muntere Saffana an die Herrin heran. „Es ist einer
da,“ sagte sie leise.