Elftes Kapitel

Reija und Saffana erhoben sich vom Gebetsteppich. Zu ihren Häupten

dufteten die Storaxkerzen. „Mein Väterchen!“ Mit dem Morgentau der

Gesundung auf der Stirn eilte Reija dem Greis entgegen. Das weiße

Lieblingskätzchen auf ihrer Schulter sprang erschreckt auf den Teppich.

Das Mädchen las das Unheil aus den Augen des Imams. „Bi nefsi, sie

haben dich gequält!“

Abu Atir erzählte und Reija hörte mit gepreßtem Herzen zu. „Bring

Väterchen zur Ruhe,“ sagte sie zu Saffana. „Er soll den Tag vergessen.“

„Es gibt noch viel zu sinnen,“ wehrte der Alte ab. Er setzte sich

auf einen fellbelegten Schemel. Im Kerzenschein flammte das farbige

Ornament, die Goldstuckatur und das Azulejosmuster, alles aus bester

granadinischer Königszeit, hellauf, und Spiegel warfen das Licht von

drei Seiten zurück. In der üppigen Weichheit der Teppiche und Matten

gingen lautlos die Schritte der Mädchen. Reija im rotseidnen Damast,

um das Haupt den Thailesan, den duftigen Schal, gebunden, die Füße

in reichbestickten Schuhen, huschte von Truhe zu Truhe, die in den

verhängten Nischen des Gemachs standen.

„Willst du den roten Ghamar zu trinken haben? Willst du Sikbadsch, das

Fleischmus, essen? Gott mit seinen neunundneunzig Namen stärke dich!“

Sie mühte sich vergebens, dem Greis aus dem Trübsinn zu helfen.

Da stahl sich die muntere Saffana an die Herrin heran. „Es ist einer

da,“ sagte sie leise.

Granada in Flammen · 第 75 / 190 题