„Cordoba ist überlastet, man wird hier einen Sitz des heiligen
Tribunals errichten. Die Bestätigung der Urteile bleibt Cordoba, das
heißt Lucero vorbehalten.“ Er überreichte Leon den Anstellungsbrief,
worin enthalten war, daß Granada ihm allen Beistand in
Inquisitionssachen zu leisten habe und daß er das Recht zur Verhaftung
und Folter aller Verdächtigen besitze, auch sei jede Beleidigung des
Inquisitors und seiner Familiares streng zu bestrafen. Ximenes setzte
zum Schluß leise hinzu: „Gedenke der Kirche und ihrer Nöte und sei ein
fleißiger Arbeiter im Acker des Herrn.“
„~Operibus credite et non verbis~,“ antwortete der Vikar mit
gesenktem Haupt. Der neue Geist, der über ihn ausgegossen ward, löste
seinen ganzen Menschen auf.
„Sorge, daß du geschickte Vertraute wählst,“ mahnte Ximenes.
„Wir haben angesehene Ritter darunter und das abgefeimteste Gelichter,
das sich in den Schenken herumschlägt. Sie haben sich unter einem
Mayordomo zu einer Bruderschaft vereinigt, die Wert darauf legt, von
den Mauren gefürchtet zu werden.“
Da hörte man Lärm auf dem Platz. Die Geistlichen drängten zum Fenster.
Maurische Weiber, umringt von einem Haufen Volks, wehklagten und
schrien.
„Eine Handelsfrau, ich kenne sie,“ erklärte Leon. „Ihr Mann soll
vom Alguacil der Inquisition verhaftet werden. Es geht selten ohne
Widerstand ab. Ein Ketzer de levi, also leicht belastet. Es ist noch
keiner de vehementi[2] ergriffen worden. Seht, da schleppt man den Mann
heran, drüben hält der cordobanische Karren. Entfernt Euch, der Anblick
der verzweifelten Frau könnte Euch --“
[2] de levi = damit bezeichnete man ketzerische Vergehen leichterer
Natur, de vehementi solche schwererer Art.
„Ich bin Stärkeres gewohnt,“ wehrte Ximenes hart ab. „Sie kämpfen
schwer, diese kastilischen Alguaciles. Seht -- die Reiter des
Gobernadors drängen das Volk in die Gassen.“
Mönche zogen jetzt reihenweise über den Platz. Sie kamen von der
Verlesung der Inquisitionsedikte. Weiber drängten sich an sie heran und
versuchten, ihnen die Hände zu küssen.