Zehntes Kapitel

In einem maurischen Palast auf der Bibarrambla arbeitete Ximenes

mit einem jungen Franziskanermönch Ruyz de Alcala an der religiösen

Umgestaltung des Maurentums. Auf einem Tisch lag neben dem reichen

Bekehrungsmaterial auch ein wohlgeordneter Anklagestoff in Form von

Schriften und Büchern. Der Vikar Pater Juan de Leon, das Haupt der

priesterlichen Gewalt in Granada, hatte mit Bienenfleiß Rückfallsklagen

gesammelt, und seine Familiares, die Schergen der Inquisition, sorgten

täglich für den Zuwachs an Opfern.

Die Kerzen brannten über stark schmelzenden Wachsklumpen. Ihr Geruch

mischte sich mit dem Moderduft des Patiogartens und legte sich süßlich

auf die Gaumenhaut.

Gestützt auf seine treuen Franziskaner, humpelte der Erzbischof

Talavera, von dem Dominikanervikar Leon begleitet, herein. Freundlich

begrüßte ihn der Primas. Dann reichte er dem Jünger des heiligen

Dominikus die Hand.

Das feurige Auge des wohlgewachsenen Vikars funkelte im Kerzenschein.

Dieses Auge, der grausam-sinnliche Neromund und die bis zur Nasenwurzel

geschlossenen dunklen Brauen verrieten Härte und Unbeugsamkeit.

Ximenes lud die Gäste ein, auf den Zederstühlen Platz zu nehmen. Der

verworrene Stimmenlärm vom Platz der Bibarrambla, auf den die Fenster

des Gemaches gingen, hörte sich wie ein aufgeregtes Meer an. Von Zeit

zu Zeit pfeilten laute Stimmen herauf, Kaufleute schrien ihre Waren aus

und der Ruf der Wache schaffte irgendwo Ordnung.

„Ein bewegliches Volk,“ lächelte Ximenes. „Es muß auf seine Weise

genommen werden.“ Er sah nach der Tür. „Pater Angelus!“ Ein alter

Franziskaner schob sich in die Türspalte. „Sorgt, daß niemand am Gange

sei.“ Der Mönch schloß unterwürfig die Tür.

„Kennt Ihr den Imam Abu Atir?“ fragte der Primas den Erzbischof.

Granada in Flammen · 第 71 / 190 题