In einem maurischen Palast auf der Bibarrambla arbeitete Ximenes
mit einem jungen Franziskanermönch Ruyz de Alcala an der religiösen
Umgestaltung des Maurentums. Auf einem Tisch lag neben dem reichen
Bekehrungsmaterial auch ein wohlgeordneter Anklagestoff in Form von
Schriften und Büchern. Der Vikar Pater Juan de Leon, das Haupt der
priesterlichen Gewalt in Granada, hatte mit Bienenfleiß Rückfallsklagen
gesammelt, und seine Familiares, die Schergen der Inquisition, sorgten
täglich für den Zuwachs an Opfern.
Die Kerzen brannten über stark schmelzenden Wachsklumpen. Ihr Geruch
mischte sich mit dem Moderduft des Patiogartens und legte sich süßlich
auf die Gaumenhaut.
Gestützt auf seine treuen Franziskaner, humpelte der Erzbischof
Talavera, von dem Dominikanervikar Leon begleitet, herein. Freundlich
begrüßte ihn der Primas. Dann reichte er dem Jünger des heiligen
Dominikus die Hand.
Das feurige Auge des wohlgewachsenen Vikars funkelte im Kerzenschein.
Dieses Auge, der grausam-sinnliche Neromund und die bis zur Nasenwurzel
geschlossenen dunklen Brauen verrieten Härte und Unbeugsamkeit.
Ximenes lud die Gäste ein, auf den Zederstühlen Platz zu nehmen. Der
verworrene Stimmenlärm vom Platz der Bibarrambla, auf den die Fenster
des Gemaches gingen, hörte sich wie ein aufgeregtes Meer an. Von Zeit
zu Zeit pfeilten laute Stimmen herauf, Kaufleute schrien ihre Waren aus
und der Ruf der Wache schaffte irgendwo Ordnung.
„Ein bewegliches Volk,“ lächelte Ximenes. „Es muß auf seine Weise
genommen werden.“ Er sah nach der Tür. „Pater Angelus!“ Ein alter
Franziskaner schob sich in die Türspalte. „Sorgt, daß niemand am Gange
sei.“ Der Mönch schloß unterwürfig die Tür.
„Kennt Ihr den Imam Abu Atir?“ fragte der Primas den Erzbischof.