„Ich sprach doch vorhin davon, aber du warst in Hispaniola.“
De Rojas setzte sich rittlings auf den Stuhl. „Man muß es in die Welt
posaunen: Graf de Mora fragt nach einem gefallenen maurischen Mädchen.
Die Sterne gehen also von heute an verkehrt. Hat dich die Zauberin
Urganda verhext?“
„Zum Teufel mit dem Spott! Ich sah sie leblos liegen, vielleicht ist
sie tot.“
„Dann wäre ja dein Wunsch nach Ausrottung der Sippschaft mit einem
schönen Anfang gesegnet, und du könntest eine liebliche Leichenschau
halten.“
„Gut denn, Chispazo, du fragst nicht nach dem Mädchen. Aber wo Abu Atir
wohnt.“
Der Diener sprang davon. Don Pedro de Solar fühlte beim Fenster die
Pulse brennen. Und er hatte keinen aufregenden Wein getrunken. Tanzte
die Sonne aus ihrer Bahn?
„Was willst du vom Imam?“ fragte Hernando.
Der Graf wich aus: „Ximenes will ihm auf den Zahn fühlen. Er soll
großen Einfluß bei den Mauren haben. Wenn er klug ist, wechselt er den
Glauben.“
„Vielleicht besitzt er aber eine Tugend, die größer ist als Klugheit:
die Überzeugungstreue.“
„Dann wird Ximenes Mittel haben -- aber darüber mag er sich den Kopf
zerbrechen. Komm, die Küchenglocke! Graf Tendilla wartet nicht gern.“
„Dein Maurengrimm wächst sich zur Löwengröße aus. Das kann gefährlich
werden.“
„Sicherlich für die Mauren.“ Der Graf lachte mit blanken Zähnen.
„Vielleicht auch für dich,“ sagte Hernando mit merkwürdiger Betonung.