Hernando gab ihm einen Puff. „Was heulst du, Junge? Noch bevor ein
Unglück dich anschreit!“
„Weil ich ihm zuvorkommen will, dann wendet man es ab.“ Er zwinkerte
pfiffig.
„Wie du ausschaust! Dein Gesicht eine Stachelwildnis!“ zürnte der Graf.
„Nur damit sich kein Weib in meine Reize verfängt,“ lachte Chispazo.
„Du liebst die Weiber nicht?“ fragte Hernando.
„Alle, aber nicht eines. Wer viele Weiber liebt, braucht nicht Angst zu
haben, eine heiraten zu müssen. Und wer eine heiratet, liebt die Frauen
nicht mehr, die eigene mit inbegriffen.“
„Laß deine Fanfarronadas, Affe!“
„Nehmt sie für andalusisches Salz[1], Herr!“
[1] Damit bezeichnet man den andalusischen Witz des Volkes
Der Graf nahm den Schwätzer beim Ohr und zerrte ihn zu sich heran. „Du
gehst in den Albaycin -- was wollte ich sagen -- ja, in den Albaycin
und hältst dort Nachschau -- wie doch oft Gedanken entgleiten -- fragst
nach der Stimmung in den Häusern. Man sagt, die Inquisitionsurteile
seien schon durchgesickert.“
„Verlaßt Euch, Herr, auf mich. Ich weiß Geldmittel zu gebrauchen, wenn
sie die Euren sind. Ich will in die Häuser schleichen, ohne mich lästig
zu machen. Wann soll ich zurück sein?“
„Noch am Abend. Und so nebenbei fragst du --“ des Grafen Finger
spielten unruhig mit den Versblättern des Freundes -- „wo der Imam Abu
Atir wohnt.“
„Das muß ich mir erst buchstabenweise auf meine Gehirntafel schreiben,
sonst fällt es in ein Nichts. Abu -- das heißt Vater -- Atir -- also
Vater Atir -- hm, ich weiß nicht, ob man im Albaycin sämtliche Väter
kennen wird. Aber Atir wird doch wohl den richtigen Vater ausfindig
machen.“
„Ja -- und noch eines -- so ganz nebenbei fragst du auch -- nach dem
Mädchen, das heute vom Pferd gestürzt --“