Dem Grafen glänzte das Auge. „Das nenn’ ich Waffe. Wer brachte es mit?“

„Mein Freund Gomares, der aus Haiti kam. Aber er brachte auch böse

Nachricht. Des Kolumbus Widersacher sind am Werk. Er selbst dringt

von Land zu Land vor und kümmert sich nicht um die Mannschaften, die

die Orte besiedeln. Man rüstet in Bälde ein Schiff unter Francisco

de Bobadilla. Er soll Kolumbus beiseite drücken. Du kannst also

hinübersegeln und deinen Traum wahr machen.“

Don Pedro stand beim Fenster, die Augen nach dem Albaycin gespannt.

„Wenn Kolumbus fällt, mögen Könige selber Länder entdecken. Fernando

wird ihn vergessen, er vergißt überhaupt schnell Verdienste.“

„Du hast finstre Augen. Ist etwas vorgefallen?“

„Nichts.“ Der Graf bereute es jetzt, daß er sich so rasch die Zunge

binden ließ.

„Es gab viel Unruhe bei der Prozession, hörte ich.“

„Nichts von Bedeutung. Ja -- der Imam -- wie hieß er nur? -- Abu Atir,

glaube ich --“

De Rojas horchte auf. „Der bei Boabdil den Koran las? Er soll weiser

sein als der Bischof von Avilla. Ein weißhaariger Mohammedaner mit

einem Prophetenbart --“

„Er fiel vom Pferde -- doch nein -- nicht er -- sein Mädchen -- was

weiß ich --?“

Hernando hörte kaum zu. „Abu Atir! Das trifft sich gut. Er soll

mir Lieder sammeln helfen.“ Der Lizentiat breitete ein paar

arabisch beschriebene Blätter vor dem Grafen aus. „Romanzen aus der

Almohadenzeit. Ich hab’s übersetzt.“ Und er las mit der Genießerfreude

des Kenners eines jener sinnlich-schwülen Phantasiegebilde, die die

Kalifendichter ihrem Herrn auf den Teppich legten, wenn er schlecht

bei Laune war. Das Lied stammte von einem schwelgerischen Zecher, der

Mohammeds Verbot ein Schnippchen schlug. „Sie kam, vom Mantelsaum der

Nacht umhüllt, zu mir als Traumbild wie die Berggazelle. Von ihrem

Mund die Feuchte trank ich bald, und bald des süßen Weines goldene

Welle, bald küßt’ ich ihrer Wangen Abendrot, von ihren dunklen Haaren

überschattet. Am Stab des Orion schlich die Nacht schon altersgrauen

Hauptes und ermattet. Langwallenden Gewands mit blonden Locken kam dann

der Tag und lächelte voll Wonnen, in seines Mundes Zähne, die Jasminen,

verliebte nach dem Regen sich die Sonnen, in seinen Kleidern schwankten

duft’ge Sträucher und löschten ihren Durst in kühlen Flüssen, wir aber

brauchten Regen nicht, da Arm in Arm wir lagen unter Tränengüssen.“

Des Grafen Seele wußte mit dem klingenden Kleinod nichts anzufangen.

„Das mag für Kalifenohren taugen. Ich will Degenklirren hören. Hast du

so was in deiner Tasche?“

Hernando lachte auf. „Euer Gnaden haben zu befehlen.“ Er zog etwas

anderes ans Licht. Omajadenruhm erklang, überschwenglich und breit.

Kampflärm tobte und Christenschädel flogen rechts und links in

den Sand. Aber am Ende triumphierte doch ein edleres Gefühl: „Der

schlimmste Feind ergibt sich endlich ihrer Macht, doch übergroß nach

ihrem Sieg ist ihre Huld.“

„Sie prahlen immer, diese Agarenos,“ sagte der Graf geärgert. „Wer

Sieger ist, knechtet den Besiegten, immer -- immer. Die Huld ist

Dichterlüge.“

„Womit soll ich nun einen Übellaunigen erheitern? Mit

Inquisitionsurteilen? Mit der Nachricht, daß Ximenes maurische Bücher

verbrennen will? Darum habe ich den Schatz hierher gerettet.“

„Man sollte auch die Besitzer verbrennen, um das Gift ganz auszurotten.“

„Ob’s ohne Widerstand abgehen wird? Der Koran ist ihr Heiligstes.“

Don Pedro rührte sich nicht vom Fenster weg. Der Alcazar, die

Maurenburg, leuchtete herüber. „Ei, dort Feuer anzünden! Das ganze

Rattennest verbrennen!“ Er rief nach Chispazo.

Granada in Flammen · 第 68 / 190 题