Der Graf trat ans Fenster, das nach dem Albaycin sah. Einmal sollte
er doch wieder dort hinüberschauen, um die Marktverhältnisse zu
untersuchen. Man sprach von Übervorteilungen. Dann gingen Gerüchte,
daß Berber gekommen seien. Die afrikanischen Gäste liebte der Spanier
nicht. Sie erinnerten die Mauren allzusehr an schönere Zeiten.
Draußen tönte die helle Stimme seines Freundes Hernando de Rojas.
„Pedro, Pedro, ich hab’s!“ Der Lizentiat stürmte erregt herein.
„Was hast du?“
„Ich trank den Montillo in der Venta der schönen Hexe Dolores --“
„Das ist alles?“ fragte enttäuscht der Graf.
„Und da konnte ich die Inschrift entziffern.“
„Bei Santiago! Was meinst du für ein Ding?“
„Die westgotische Inschrift des Königs Witterich über die Erbauung
einer Kirche an der Mauer der Königsmoschee.“
„Wenn das die ganze Ausbeute deines Schenkenbesuches ist!“
„Den Kuß der braunen Dolores nicht zu vergessen. Ach, was weißt du
von dem Taumel, der die ganze Wissenschaft von Salamanca bis Upsala
ergreifen wird. Du bleibst kalt wie ein -- kastilischer Graf.“
Das leichte Geblüt, von der valencianischen Küste als Wiegengeschenk
erhalten, machte den jungen Gelehrten leicht zum Freund. Auch viele
Frauen liebten seinen Frohsinn, der alle Lebensschwere übersprang
wie ein Stierkämpfer die Arenawand. Mühelos wußte er sich den
Zufälligkeiten des Lebens anzupassen, nie trugen seine Feueraugen den
Schleier des Trübsinns, die helle Stimme polterte manchmal überlaut,
wenn sich de Rojas in einen Gegenstand verbiß. Er liebte die Künste
und hatte Sinn für maurische Vergangenheit, aber einen besondern Eifer
für Recht und Gerechtigkeit. Die Frauen behaupteten, daß ihm die
enganliegende grünseidene Jacke und die andalusischen Beinkleider mit
der Doppelreihe von Silberknöpfen an der Seite bis zu den Knien herab
besonders schön kleideten. Und Hernando hielt viel auf die Aussprüche
der Frauen, denn er liebte sie alle. Er hätte mit derselben Glut, die
noch aus den Studententagen von Salamanca stammte, Wikingerweiber wie
Indianerfrauen umarmt.
Hernando wickelte ein Holzschwert, dessen Schneide aus
Obsidiansplittern bestand, aus einer Leinenhülle. „Sieh -- aus
Westindien!“