Neuntes Kapitel

Mönche zogen durch Granada, trugen ein Marienbild, sangen dunkle

Psalmen und umräucherten das kunstlos verfertigte Abbild der heiligen

Jungfrau. Jedermann mußte es wissen: das Bild wurde auf der Silla del

Moro in der Nähe eines alten Palastes gefunden, und daher erschien

es gottgesegnet. Man ließ es sofort weihen und im feierlichen Umzug

nach der Alhambramoschee bringen, wo jetzt die großen Messen gelesen

wurden. Bald raunte man sich zu, das Bild habe Kranke geheilt, die am

Wege lagen, welchen die Prozession ging. Ein Wunderbild! lief es durch

die Gassen. Das Königspaar begleitete das Bild. Es war der letzte

feierliche Akt vor der Abreise nach Sevilla.

Die Sonne stand hoch. Der Staub warf Wolken um die Ornate der Priester.

Spitz klangen die Glöckchen der Meßknaben.

Der Graf de Mora führte seine gelben Lanzenreiter zu seiten der

Prozession. Die gaffenden Mauren bewunderten sein herrliches Pferd,

einen weitnüstrigen Renner mit dichtem Schweif. Und der Reiter, gleicht

er nicht dem Cid oder einem Palatin? Hinter den vergitterten Fenstern

starrt manch dunkles Auge und brennt manch heimlicher Wunsch.

Da stockt der Zug der hymnensingenden Kinder. Aus einer Nebengasse

Geschrei, Fliehen, Menschengewirr -- dann Hufegepolter. In die Menge

rast ein Pferd ohne Reiter. Knäuel -- schreiende Haufen -- starke

andalusische Arme bändigen das Tier.

Granada in Flammen · 第 65 / 190 题