Mönche zogen durch Granada, trugen ein Marienbild, sangen dunkle
Psalmen und umräucherten das kunstlos verfertigte Abbild der heiligen
Jungfrau. Jedermann mußte es wissen: das Bild wurde auf der Silla del
Moro in der Nähe eines alten Palastes gefunden, und daher erschien
es gottgesegnet. Man ließ es sofort weihen und im feierlichen Umzug
nach der Alhambramoschee bringen, wo jetzt die großen Messen gelesen
wurden. Bald raunte man sich zu, das Bild habe Kranke geheilt, die am
Wege lagen, welchen die Prozession ging. Ein Wunderbild! lief es durch
die Gassen. Das Königspaar begleitete das Bild. Es war der letzte
feierliche Akt vor der Abreise nach Sevilla.
Die Sonne stand hoch. Der Staub warf Wolken um die Ornate der Priester.
Spitz klangen die Glöckchen der Meßknaben.
Der Graf de Mora führte seine gelben Lanzenreiter zu seiten der
Prozession. Die gaffenden Mauren bewunderten sein herrliches Pferd,
einen weitnüstrigen Renner mit dichtem Schweif. Und der Reiter, gleicht
er nicht dem Cid oder einem Palatin? Hinter den vergitterten Fenstern
starrt manch dunkles Auge und brennt manch heimlicher Wunsch.
Da stockt der Zug der hymnensingenden Kinder. Aus einer Nebengasse
Geschrei, Fliehen, Menschengewirr -- dann Hufegepolter. In die Menge
rast ein Pferd ohne Reiter. Knäuel -- schreiende Haufen -- starke
andalusische Arme bändigen das Tier.