„So müßte ich der Welt wissen lassen, wie sich der König seiner
Ritter bedient, um Liebesschulden aus seinem Leben zu tilgen. O meine
Königliche Hoheit, ich fühle die Bedrängnis dieses hohen Herzens, doch
-- Ihr könnt keinen Ungeschickteren wählen. Ich bin hart, streng,
versteh es nicht, auf den weichen Saiten einer Frauenseele zu spielen,
mein Sinn ist unstet, drängt nach Mannestat. Ich schwöre es, keinem
Menschen anzudeuten, was diese Stunde mir geoffenbart.“
„Bei Gott und Santiago -- das traf!“ sagte der König klanglos. „Doña
Leonore wird das Herz brechen.“
„Sie weiß -- von dieser Stunde --?“
Fernando nickte.
„O Gott -- die Briefe -- Verse --?“
Abermals nickte der König. „Behandelt sie mit größter Achtung, wenn Ihr
jetzt zu ihr geht.“
„Ich soll --?“ erschrak Don Pedro de Solar.
„Dies wenigstens werdet Ihr mir nicht versagen,“ bat der König ernst.
Er wies nach einer kleinen Tür. „Hier kommt Ihr auf einen andern
Korridor. Im ersten Zimmer rechts wartet jemand auf Euch, der Euch
die andre Hälfte dieses Apfels weisen wird.“ Der König nahm von einer
Fruchtschale die Hälfte eines rotbackigen Apfels. „Es ist ein Zeichen
des Verständnisses.“
„Der Gang ist schwer für mich. Doch mein König befiehlt.“ Der Graf
verneigte sich und ging. An der Tür hielt ihn der König auf. „Noch
eins: Ihr dürft nach Hispaniola segeln.“
„Oh, wie soll ich danken -- die unverdiente Gnade --“
„Es ist nur Vorsicht, nicht Gnade. Wir wollen nicht gern dem Menschen
in die Augen sehen, der uns schwach erkannt. Geht.“
Don Pedro de Solar stand in einem kleinen Korridor. Er überlegte.
Sollte er wirklich mit dem Weibe fertig werden, das so seltsam um ihn
warb? Aber er sah ein, daß es ihm ziemte, der Dame, die er verschmäht,
Gründe anzugeben, ohne sie zu beleidigen. Doña Leonore hatte Anspruch
auf dieselbe Wahrheit, wie sie der König bekommen hatte. Mit klopfendem
Herzen näherte er sich der Tür, die halb offen stand. Er wurde also
erwartet. Im nächsten Augenblick rieselten ihm süße Schauer durchs Mark.