Sechstes Kapitel

Im Hofe des Ayscha-Hauses, dicht neben den Bädern, ergingen sich

zuwartend jene Männer, die für eine besondere Aussprache von den

Herrschern empfangen werden sollten.

Don Pedro de Solar Graf von Mora schritt mit dem Herzog von Osuna

erregt auf und ab. „Der König -- wirklich der König?“ fragte Mora

ungläubig.

„Ihr möchtet wohl lieber von der Königin empfangen sein?“ lächelte der

Herzog.

„Es ist eine Gnade ohnegleichen. Mich auszuwählen!“

Osuna senkte seine Stimme. „Man war heute ungnädig gegen uns.

Vielleicht will man es gutmachen.“

„Habt Ihr bemerkt, Herzog, wie der König sich erst meines Namens

entsinnen mußte? Mein Geschlecht, sagt man, gelte nicht viel in seinen

Augen. Mein Vater stand im Verdacht, allzu eifrig für die Cortes

gesprochen zu haben. Das vergißt Fernando nicht.“

Da trat ein Escudero mit einem Brieflein an den Grafen heran. Dieser

errötete. Der Herzog aber lächelte wieder. „Glücklicher Mann, der die

Gebete des Herzens wie ein Gott empfangen darf.“

Der Graf zerriß das Schreiben, kaum daß er es gelesen. „Es wiederholt

sich seit einer Woche jeden Tag. Ein Versegestammel arabischer

Gefühle auf gut spanisch. Und der Page ist schweigsam wie ein

Inquisitionsknecht. Sicherlich eine Hofdame mit einem Eulengesicht und

einem Entengang, sonst würde sie mehr Schleier gelüftet und weniger

Verse geschrieben haben.“

Granada in Flammen · 第 55 / 190 题