32. Der Luftwiderstand des Vogelflügels im Winde gemessen.

Zu diesen Versuchen kann man sich eines Apparates bedienen, wie er in

Fig. 45 und 46 angegeben ist. Fig. 45 zeigt die Anwendung beim Messen

des horizontalen Winddruckes, während Fig. 46 angiebt, wie die vertikale

Hebewirkung des Windes bestimmt wird. In beiden Fällen ist die zu

untersuchende Fläche, deren Querschnitt ab ist, an einem doppelarmigen

Hebel omc befestigt, der durch ein Gegengewicht g ausbalanciert wird, so

daß er bei Windstille mit der Fläche in jeder Lage stehen bleibt.

[Illustration: Fig. 45.

Fig. 46.

Fig. 47.]

Wenn nun der Wind auf die Fläche ab in Fig. 45 drückt, so sucht derselbe

den Hebel mit einer Kraft oh um den Punkt m zu drehen. Macht man om =

mc, so kann man an einer leichten in c angebrachten Federwage f direkt

die Kraft oh ablesen. oh ist die horizontale Komponente des auf die

Fläche ausgeübten Winddruckes.

Ganz analog wird nun nach Fig. 46 durch die Federwage f die vertikale

Winddruckkomponente ov direkt gemessen. Man hat aber dafür zu sorgen,

daß die Federwage stets so eingestellt wird, daß die Schwankungen des

Hebels omc wie vorher um die vertikale, so jetzt um die horizontale

Mittellage erfolgen.

Fig. 47 zeigt, wie durch Zusammensetzen von oh und ov die Resultante or

sich bilden läßt, welche dann die genaue Größe und die wirkliche

Richtung des auf die Fläche ab ausgeübten Winddruckes angiebt. Die

zusammengehörigen Flächen ab in den 3 Figuren müssen zum Horizont

gleich gerichtet sein und die gemessenen Kräfte auf dieselbe

Windgeschwindigkeit sich beziehen.

[Illustration: Fig. 48.]

Zum Messen der Windgeschwindigkeit kann man sich eines Apparates nach

Fig. 48 bedienen. Derselbe besteht aus einer, mittelst leichter

Holzrahmen und Papierbespannung hergestellten Tafel F, die auf einer

Stange ik leicht verschiebbar mit dem runden Teller t verkuppelt ist.

Die Tafel F hängt mittelst der Spiralfeder s mit i zusammen. Wenn nun

die Tafel F vom Wind getroffen wird, dehnt sich die Spiralfeder s aus,

und die Tafel verschiebt sich. In gleichem Maße verschiebt sich aber

auch der Teller t über einer Skala, und diese Letztere ist so

eingerichtet, daß man an der Stelle, wo t gerade sich befindet, ohne

weiteres die augenblickliche Windgeschwindigkeit ablesen kann.

Nach der Größe der Fläche F kann man leicht den Winddruck berechnen, der

bei den verschiedenen Windgeschwindigkeiten entstehen muß. Ferner kann

man für diesen Winddruck als Zugkraft die Federreckung bestimmen, also

auch für jede Windgeschwindigkeit die Stellung des Tellers t ermessen.

Auf diese Weise läßt sich die Skala mit ausreichender Genauigkeit

anfertigen.

Bei den von uns angewendeten Windmessern war F = 1/10 qm.

Dieser Windmesser muß in der Nähe der Apparate Fig. 45 und 46

aufgestellt werden, um in jedem Augenblick die herrschende

Windgeschwindigkeit in der Nähe der zu untersuchenden Fläche kennen zu

lernen.

Am besten werden derartige Versuche von 3 Personen ausgeführt, von denen

die eine die Windgeschwindigkeit abliest, die zweite Person die

Federwage beobachtet, und die dritte Person die aufgerufenen Zahlen

notiert.

Die Windgeschwindigkeit schwankt fast in jeder Sekunde, bleibt aber doch

zuweilen für mehrere Sekunden konstant. Bei solchen gleichmäßigen

Perioden hat der Windbeobachter die Geschwindigkeit aufzurufen, und der

Beobachter der Federwage wird dann leicht den zugehörigen Winddruck

angeben können. Wenn dann größere Reihen von Messungen erst für die

eine, dann für die andere Komponente angestellt und notiert sind, kann

man durch die Mittelwerte brauchbare Zahlen erhalten, und schließlich

aus den gemessenen horizontalen und vertikalen Komponenten für die

verschiedenen Flächenneigungen den wirklichen Luftwiderstand

konstruieren.

Die ersten derartigen Versuche mit den beschriebenen Apparaten wurden

von uns im Jahre 1874 angestellt und zwar mit seitlich zugespitzten

Flächen von ¼ qm Inhalt, die eine Höhlung von 1/12 der Breite besaßen.

Als Versuchsfeld diente die weite baumlose Ebene zwischen Charlottenburg

und Spandau, welche später zur Rennbahn benutzt wurde.

Zur Kontrolle dieser Versuche unternahmen wir im Herbst 1888 mit den

Flächen von der Form der Fig. 38 nochmals Messungen des Winddruckes und

zwar auf der ebenfalls ganz freien Ebene zwischen Teltow, Zehlendorf und

Lichterfelde, unweit der Kadettenanstalt.

Die Resultate der beiden Versuchsperioden stimmten trotz der

Ungleichheit in der Größe und Verschiedenheit in der Konstruktion der

angewendeten Apparate gut überein.

Das Verhältnis der Luftwiderstände für die einzelnen Neigungen der

Fläche gegen den Horizont ist auf Tafel V Fig. 1 analog wie früher

angegeben und zwar für die günstigste Wölbung von 1/12 der Flügelbreite.

Fig. 2 auf Tafel V giebt wieder die Abweichungen der

Luftwiderstandsrichtungen zur Normalen der Fläche an.

Da derselbe Maßstab wie früher gewählt wurde, so läßt sich mit den

früheren Diagrammen ein Vergleich anstellen. Außerdem ist das Diagramm

von Tafel IV punktiert eingezeichnet, woraus man sieht, wie stark diese

Messung im Winde von der Messung an Flächen, welche in Windstille

rotieren, abweicht.

Der größte Unterschied findet sich bei den kleineren Winkeln und

namentlich beim Winkel Null. Wie man sieht, wird eine horizontal

ausgebreitete gewölbte Fläche durch den Wind gehoben und nicht

zurückgedrückt. Auf diesen Fall, der ohne weiteres eine Erklärung für

das Segeln der Vögel abgiebt, wird später näher eingegangen werden.

Zunächst kommt es auf eine Erklärung an, inwiefern ein so großer

Unterschied im Luftwiderstand entstehen kann, wenn man einmal eine

Fläche mit gewisser Geschwindigkeit rotieren läßt, das andere Mal

dieselbe Fläche unter gleichem Winkel einem Wind von derselben

Geschwindigkeit entgegenhält.

Es sollen nun in folgendem einige Experimente Erwähnung finden, welche

hierüber den nötigen Aufschluß geben werden.

Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik · 第 37 / 50 题