Wenn nun eine horizontal ausgebreitete, etwas nach oben gewölbte Fläche
bei horizontaler Bewegung schon einen namhaften Auftrieb erfährt, wenn
ferner diese Auftriebe bei Bewegung unter spitzeren Winkeln zum Horizont
bedeutend größer sind als bei ebenen Flächen, und wenn dann noch bei
gewissen spitzen Winkeln die bei ebenen Flächen auftretenden hemmenden
Komponenten bei der gewölbten Fläche zur treibenden Komponente werden,
so ist wohl klar, daß die beim Vorwärtsfliegen mit gewölbten Flügeln
erforderliche mechanische Arbeit sehr zusammenschrumpfen muß.
Man kann nun ebenso wie in Abschnitt 20 für die ebenen Flügel hier für
die gewölbten Flügel berechnen, wie sich die Flugarbeit in den
verschiedenen Graden des Vorwärtsfliegens gegen die Arbeit beim Fliegen
auf der Stelle verhält.
Wenn man diese letztere Arbeit wieder mit A bezeichnet, so erhält man
die in den Figuren 2 auf Tafel II, III und IV gegebenen Verhältniszahlen
für die Arbeit beim Vorwärtsfliegen, bei der die Flügel in ihrer ganzen
Ausdehnung unter den näher bezeichneten Winkeln sich abwärts bewegen.
Das Minimum liegt für die günstigste Wölbung bei 15° und beträgt nach
Tafel IV 0,23A. Dieses entspricht einer Fluggeschwindigkeit, die 4mal so
groß ist als die Abwärtsgeschwindigkeit der Flügel, wenn letztere wieder
parallel mit sich bewegt gedacht werden. Hierbei braucht man also noch
nicht ¼ von der Arbeit, welche nötig ist, wenn kein Vorwärtsfliegen
stattfindet.
Während also bei Anwendung ebener Flügel nach Abschnitt 20 und Tafel I
Fig. 2 etwa ¼ der Flugarbeit gespart werden konnte, so ergiebt die
gewölbte Fläche hier eine Arbeitsersparnis von mehr als ¾.
Es ist fraglich, ob man beim Vorwärtsfliegen auch die Vorteile der
Flügelschlagbewegung in demselben Maße genießt, wie beim Fliegen auf der
Stelle. Daß diese Vorteile in gewissem Grade eintreten müssen, ist
wahrscheinlich. Würde die Schlagbewegung fast in demselben Grade
kraftersparend auftreten, dann reduzierte sich die Flugarbeit auf etwa ¼
von derjenigen als beim Fliegen auf der Stelle, wenn man mit Flügeln,
die um 1/12 der Breite hohl sind, 4mal so schnell vorwärts fliegt als
die Flügel abwärts bewegt werden. Bei sehr großen und leichten Flügeln
war nach Abschnitt 18 die Arbeit des Menschen beim Fliegen auf der
Stelle 1,5 HP. Für den mit vorteilhaft gewölbten Flügeln
vorwärtsfliegenden Menschen stellte sich daher unter diesen höchst
wahrscheinlich nicht zu erreichenden günstigsten Verhältnissen die zu
leistende Arbeit auf 1,5 × ¼ HP oder auf cirka 0,4 HP. Diese Arbeit
würde vom Menschen auch nur auf kurze Zeit geleistet werden können. Wir
müssen also noch vorteilhaftere Wirkungsweisen herausfinden, wenn die
physische Kraft des Menschen ausreichen soll, um ihn mit Flügeln in der
Luft gehoben zu erhalten.
Der bisher erreichte und lediglich in einer richtigen Flügelform
beruhende Vorteil ist unverkennbar; es soll hier aber von einer weiteren
Behandlung aus dem Grunde abgesehen werden, weil sich im
folgenden erweisen wird, daß die bisher bekannt gemachten
Luftwiderstandsverhältnisse für die Praxis des Fliegens nicht ohne
weiteres zutreffen.
Zu diesen letzten Berechnungen ist der Luftwiderstand zu Grunde gelegt,
welcher am Rotationsapparat in ruhender Luft gemessen wurde.
Es sollen nun im ferneren die analogen Untersuchungen angestellt werden
unter zu Grundelegung der Luftwiderstandsverhältnisse, welche man bei
Messungen im Winde findet. Es wird sich herausstellen, daß man zu
ungleich günstigeren Resultaten gelangt. Bevor aber auf diese Messungen
im Winde näher eingegangen wird, seien einige allgemeine Betrachtungen
über das Verhalten der Vögel zum Winde angestellt.