Ähnlich wie dieses für die ebene Fläche auf Tafel I geschehen ist, kann
man auch für die Luftwiderstände der gewölbten Flächen Diagramme
herstellen, in welchen man die Luftwiderstände nach ihren Richtungen zur
Fläche vergleichen kann.
Analog der Fig. 2 auf Tafel I kann man dann die Figuren 2 auf Tafel II,
III und IV bilden, bei denen die Fläche horizontal bleibend gedacht
wird, während ihre Bewegung nach den verschiedenen Richtungen schräg
abwärts mit gleicher absoluter Geschwindigkeit erfolgt.
Es entstehen diese Figuren aus den Figuren 1 dadurch, daß man jede dort
gezeichnete Luftwiderstandslinie so viel nach links dreht, bis die
zugehörige Fläche horizontal liegt. Jede Linie muß also so viel um den
Punkt c gedreht werden, als der Gradvermerk an ihrem anderen Ende
beträgt.
Jetzt aber zeigt sich noch auffallender die charakteristische
Eigentümlichkeit der gewölbten Flächen gegenüber der ebenen Fläche. Man
bemerkt, daß die Richtung des Luftwiderstandes nicht bloß der Normalen
zur Fläche sehr nahe kommt, sondern bei gewissen Winkeln die Normale
sogar überschreitet, d. h. daß die hemmende Komponente sich hier in eine
treibende Komponente verwandelt.
Es haben also die gewölbten Flächen die Eigenschaft, daß dieselben,
horizontal gelagert und unter gewissen Winkeln schräg abwärts bewegt,
_selbständig_ die horizontale Geschwindigkeit zu vergrößern streben.
Hieraus erklärt sich unter anderem auch das labile Verhalten schwach
gewölbter Fallschirme.
Leichte, aus schwach gewölbten Flächen bestehende Körper beschreiben
beim freien Fallen in der Luft sehr eigentümliche Linien und selbst
jedes von unserem Schreibtische gleitende Löschblatt mahnt uns durch
sein labiles Verhalten an besondere den gewölbten Flächen innewohnende
Eigenschaften.
Die treibende Komponente ist nach den Diagrammen Fig. 2 auf Tafel II,
III und IV am größten, wenn die Flächen annähernd in der Richtung der
Tangente zur Vorderkante bewegt werden. Dies ist aber derjenige Fall, in
welchem voraussichtlich die erzeugte Wellenbildung am vollkommensten
wird, und die im Abschnitt 25 und in Fig. 30 zur Darstellung gebrachte
Anschauung am vollkommensten zutrifft.
Es geht hieraus ferner hervor, daß sich zum besonders schnellen Fliegen
ein nur wenig gewölbter Flügel eignet, weil die Tangente der Vorderkante
bei diesem auf einen absoluten Flügelweg deutet, der einer sehr großen
Fluggeschwindigkeit entspricht.