29. Vergleich der Luftwiderstandsrichtungen.

Ähnlich wie dieses für die ebene Fläche auf Tafel I geschehen ist, kann

man auch für die Luftwiderstände der gewölbten Flächen Diagramme

herstellen, in welchen man die Luftwiderstände nach ihren Richtungen zur

Fläche vergleichen kann.

Analog der Fig. 2 auf Tafel I kann man dann die Figuren 2 auf Tafel II,

III und IV bilden, bei denen die Fläche horizontal bleibend gedacht

wird, während ihre Bewegung nach den verschiedenen Richtungen schräg

abwärts mit gleicher absoluter Geschwindigkeit erfolgt.

Es entstehen diese Figuren aus den Figuren 1 dadurch, daß man jede dort

gezeichnete Luftwiderstandslinie so viel nach links dreht, bis die

zugehörige Fläche horizontal liegt. Jede Linie muß also so viel um den

Punkt c gedreht werden, als der Gradvermerk an ihrem anderen Ende

beträgt.

Jetzt aber zeigt sich noch auffallender die charakteristische

Eigentümlichkeit der gewölbten Flächen gegenüber der ebenen Fläche. Man

bemerkt, daß die Richtung des Luftwiderstandes nicht bloß der Normalen

zur Fläche sehr nahe kommt, sondern bei gewissen Winkeln die Normale

sogar überschreitet, d. h. daß die hemmende Komponente sich hier in eine

treibende Komponente verwandelt.

Es haben also die gewölbten Flächen die Eigenschaft, daß dieselben,

horizontal gelagert und unter gewissen Winkeln schräg abwärts bewegt,

_selbständig_ die horizontale Geschwindigkeit zu vergrößern streben.

Hieraus erklärt sich unter anderem auch das labile Verhalten schwach

gewölbter Fallschirme.

Leichte, aus schwach gewölbten Flächen bestehende Körper beschreiben

beim freien Fallen in der Luft sehr eigentümliche Linien und selbst

jedes von unserem Schreibtische gleitende Löschblatt mahnt uns durch

sein labiles Verhalten an besondere den gewölbten Flächen innewohnende

Eigenschaften.

Die treibende Komponente ist nach den Diagrammen Fig. 2 auf Tafel II,

III und IV am größten, wenn die Flächen annähernd in der Richtung der

Tangente zur Vorderkante bewegt werden. Dies ist aber derjenige Fall, in

welchem voraussichtlich die erzeugte Wellenbildung am vollkommensten

wird, und die im Abschnitt 25 und in Fig. 30 zur Darstellung gebrachte

Anschauung am vollkommensten zutrifft.

Es geht hieraus ferner hervor, daß sich zum besonders schnellen Fliegen

ein nur wenig gewölbter Flügel eignet, weil die Tangente der Vorderkante

bei diesem auf einen absoluten Flügelweg deutet, der einer sehr großen

Fluggeschwindigkeit entspricht.

Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik · 第 34 / 50 题