Bei kleineren Vögeln (Sperling u. s. w.) ist G/F vielfach gleich 4 und
[sqrt](G/F) = 2, mithin A = 2,2 × G.
Diesen Formeln entsprechend findet man durchgehend, daß den kleineren
Vögeln das Fliegen auf der Stelle leichter wird als den größeren Vögeln,
weil kleinere Vögel im Verhältnis zu ihrem Gewicht größere Flügel haben.
Den meisten größeren Vögeln ist das Fliegen auf der Stelle sogar
unmöglich und das Auffliegen in windstiller Luft sehr erschwert, weshalb
viele von ihnen vor dem Auffliegen vorwärts laufen oder hüpfen.
Man bemerkt bei den Vögeln, welche wirklich bei Windstille an derselben
Stelle der Luft sich halten können, daß ihr Körper eine sehr schräge
nach hinten geneigte Lage einnimmt, und daß die Flügelschläge nicht nach
unten und oben, sondern zum Teil nach vorn und hinten erfolgen. An
Tauben kann man dieses sehr deutlich beobachten. Die Flügel derselben
machen hierbei so starke Drehungen, daß es scheint, als ob der Aufschlag
oder, hier besser gesagt, der Rückschlag zur Hebung mitwirke.
Diese Ausführung der Flügelschläge ist nötig, um die gewöhnliche
Zugkraft der Flügel nach vorn aufzuheben. Es ist aber wahrscheinlich,
daß die Hebewirkung dadurch stark begünstigt wird, und daß für kleinere
Vögel, von denen das Fliegen auf der Stelle mit Hülfe dieser
Manipulation ausgeführt wird, sich die als Arbeitsmaß bei diesem Fliegen
dienende Formel wohl auf A = 1,5G abrunden läßt. Die Arbeit eines auf
der Stelle fliegenden Vogels beträgt hiernach wenigstens 1,5mal so viel
Kilogrammmeter als der Vogel Kilogramm wiegt.
Ein Vogel, der das Fliegen auf der Stelle ganz besonders liebt, ist die
Lerche. Diese steigt aber meist recht hoch in die Luft empor und findet
dort auch wohl gewöhnlich so viel Wind, daß bei ihr von einem
eigentlichen Fliegen auf der Stelle der umgebenden Luft nicht die Rede
ist, sie also auch weniger Arbeit gebraucht, als die Formeln für
letzteres angeben.
Würde der Mensch es verstehen, alle diese vorher abgeleiteten Vorteile
sich auch nutzbar zu machen, so läge für ihn die Grenze des denkbar
kleinsten Arbeitsaufwandes beim Fliegen auf der Stelle etwas über 1,5
Pferdekraft; denn mit einem Apparat, der gegen 20 qm Flugfläche besitzen
müßte, um den Faktor G/F = 4 zu erhalten, würde das Gesamtgewicht stets
über 80 kg betragen, also über 120 kgm sekundliche Arbeit erforderlich
sein. An eine Überwindung dieser Arbeit mit Hülfe der physischen Kraft
des Menschen auch für kürzere Zeit ist natürlich nicht zu denken. Es
liegt aber auch weniger Interesse vor, das Fliegen auf der Stelle für
den Menschen nutzbar zu machen, wenigstens würde man gern darauf
verzichten, wenn man dafür nur um so besser vorwärts fliegen könnte.