Gaston -- --

Wenn sie jetzt noch seine Füße umklammerte: ‚Ich kann nicht! Erbarme

dich meiner!‘

Aber Gaston war bei seiner Truppe, kam erst morgen, eine Stunde vor der

Trauung, aus dem Kantonnement zurück. Kam glückstrahlend, mit seiner

hoffenden Liebe, mit jubelnder Seele, in seiner glaubensstarken festen

Zuversicht -- kam, um sie zum Altar zu führen, und dann hinauszugehen

in den Krieg -- -- --

Nein! Nein! Und wenn sie es heute beschloß und stünde morgen vor ihm

... sie würde es nicht über die Lippen bringen.

Fröstelnd hüllte sie sich in ihre Decke und starrte durch das Fenster

auf den grauen Morgen.

Noch einmal zogen in dieser schweren Stunde die inneren Erlebnisse der

letzten Jahre durch ihre Seele. Wie ein Phantom tauchte Alfred auf,

tauchte empor und verschwand. Harro kam mit seinen jungen leuchtenden

Augen. Sie sah sich noch einmal im Park von Rackow beim Mondenlicht,

fühlte noch einmal den ersten Kuß von Gastons heißen Lippen: Da hatte

die Lüge angefangen! Die Lüge! Lieber Gott im Himmel ... war es denn

eine Lüge gewesen, eine Lüge, die so harte Strafe verdiente! Und wie

hatte sie gekämpft und war doch nicht freigekommen! Aus Schwäche ....

ja, aus feiger Schwäche. Und aus Mitleid ... ja, aus Mitleid. Aus dem

Empfinden heraus, ihm nicht den einen großen Schmerz antun zu wollen.

Und dann, weil sie ihn gern hatte ... weil ein unnennbares Gefühl sie

immer wieder zu ihm zog ...

Aber aus all dem Schwankenden, Unklaren ließ sich doch keine Brücke

bauen.

Auf märkischer Erde · 第 52 / 62 题