So sagte sie: „Ja ... Gaston ... ja!“

Dann kam ihr jäh, irgendwoher aus dem Untergrund der Seele, der Gedanke

eines Ausweichens noch in letzter Minute. „Gaston, der Konsens ... so

schnell kannst du den Konsens des Königs doch nicht erhalten.“ Indem

sie es aussprach, überflutete sie die Scham: ‚Wünscht du denn wirklich

eine Verzögerung? Kannst du ihm das antun?‘

Er aber fand den Einwand nur begreiflich: „Für solche Zeiten gelten

Ausnahmebestimmungen. Laß das nur meine Sorge sein.“ Sein Gesicht

strahlte vor Freude und Dankbarkeit. „In drei Tagen, Helene! In drei

Tagen! Ich kann’s noch gar nicht fassen. In drei Tagen bist du mein!“

Etwas wie toller Übermut packte ihn. Er legte den Arm um Helene, er

wirbelte mit ihr, eh sie sich’s versah, im Walzertakt durch das Zimmer:

„In drei Tagen, Helene, in drei Tagen --“

Es war wohl gut, daß die drängenden Vorbereitungen Helene so wenig

Zeit zur Besinnung ließen. Daß in die Unruhe der Zeit sich die Unruhe

im Hause mischte. Martha schlug die Hände über dem Kopf zusammen:

„Wie soll denn das gemacht werden? Wo willst du denn ein Brautkleid

herbekommen? Wie denkt sich Merivaux das alles!“ Und dann war sie es

doch, die für alles Rat schaffte, zu allem Rat wußte. Die freilich

auch Helene in einen großen Trubel des Überlegens, der Besorgungen mit

hineinriß.

Es war gut so. Die Stunden gingen im Fluge. Helene kam kaum zu klarem

Überlegen. Am späten Abend, abgehetzt, todmüde, dachte sie nur: es muß

wohl eine Fügung sein. Und es war dann wie erlösender Friede in ihr.

In der Nacht zum Mittwoch, ihrem Hochzeitstage, aber fuhr sie aus

dem Schlafe auf. Der Junimorgen dämmerte schon durch die Fenster.

Sie konnte sich in den ersten Augenblicken gar nicht zurechtfinden.

Das Herz pochte jäh, sie richtete sich empor, eine rätselhafte Angst

schüttelte sie. Ja so ... da schlief Mutter und atmete ruhig ... und

das dort war die Tür zum Nebenzimmer ... und da lag ausgebreitet

ihr Brautstaat. Geträumt mußte sie haben, irgend etwas Furchtbares,

Unfaßbares. Was war es nur gewesen? Gaston hatte vor ihr gestanden, mit

einem Gesicht wie von Stein, und hatte sie an den Schultern gepackt:

„Du liebst mich ja nicht! Du liebst mich ja nicht!“

Jetzt sah sie das Traumbild wieder deutlich vor sich, sah sein

schmerzverzerrtes Gesicht, hörte seinen gellenden Ruf. Wußte, es war

nur ein Traum gewesen, und durchlebte ihn noch einmal wie Wirklichkeit.

Frostschauer überrann sie und dann glühende Hitze, eine beklemmende

Angst, als ob sie aufspringen müßte, drüben an Mutters Bett hinknien,

flehen: ‚Hilf mir doch! Hilf mir doch! Ich kann nicht mit einer Lüge

vor den Altar treten!‘

Aber ihr konnte ja niemand helfen. Mutter nicht. Und wenn sie sich vor

Wilhelm und Martha hinwerfen wollte, sie würden nur den Kopf schütteln

und sie nicht verstehen.

Auf märkischer Erde · 第 51 / 62 题