Es war wirklich wie ein Allheilmittel. Keine schwanke Bootsplanke,
an die sich der Ertrinkende in seiner Not anklammert, sondern ein
sicherer Port. Immer wieder fühlte Helene das, wenn die Erinnerung
heraufschleichen wollte mit all ihrer Süße, mit der verborgenen
Sehnsucht, mit dem bitteren Leid.
Und gottlob, es gab zu tun im Hause, in der Wirtschaft. Dafür sorgte
Martha, die ja selber nie ruhte noch rastete.
Die Eltern merkten es kaum, wie die Tochter nun mit angriff. Mutter
lebte ihr halbes Traumleben, und Vater hatte höchstens einmal ein
flüchtiges Wort: „Ei, sieh mal, Lenchen! Das heißt, wirklich, das freut
mich!“ Aber an jedem Abend, wenn Helene todmüde lag, empfand sie den
befreienden Segen der Arbeit, der Geist und Körper zur Ruhe zwang und
die Träume scheuchte. Und manchmal dachte sie ganz verwundert: ‚was hab
ich doch früher ein Drohnenleben geführt! Darum erschien mir auch alles
so eng und klein, was mir nun eine Welt für sich geworden ist.‘
Aber das eine Allheilmittel, das ihr Martha gegeben, tat es doch
nicht allein. Es gab ein stilles Sichverstehen mit der Schwägerin,
ein wortloses gegenseitiges Mitleidsempfinden, das ihnen beiden wohl
tat und sie immer näher zueinander brachte. Beide trugen sie Bürden.
Oft fragte Helene sich, trägt Martha nicht die schwerere? Und wie
trägt sie ihre Last und ihren Kummer! Und dann dachte sie an den
Bruder, der immer die heiße Liebe zu den Seinen, zu Weib und Kind,
zur Heimatsscholle auf den Lippen trug, der ein Tränchen hatte bei
jedem Wiedersehen und bei jedem Abschiednehmen, um ein anderer zu
sein, sobald eine Wegstrecke von ein paar Stunden zwischen ihm lag und
Rohlbeck. „Wilhelm hat mich bei Ewest noch zum Abschied eingeladen am
Abend, ehe wir nach Hamburg fuhren“, hatte Harro geschrieben. „Die
Champagnerpropfen flogen, es war höchst fidel.“ Die Champagnerpropfen
flogen -- und daheim sparte Martha Pfennig zum Pfennig. Der Mann
vergaß, sobald ihn die Großstadtluft wieder umwehte; die Frau trug ihre
Last und ihre Sehnsucht schweigend und klaglos weiter und sagte sich
selber, was sie Helene gesagt hatte: „Arbeit! Arbeit!“
Etwas Wunderbares war es um die Arbeit. Und doch empfand Helene, je
weiter die Zeit ins Land ging, eine klaffende Lücke.
Manchmal, wenn sie bei irgendeiner hausfraulichen Tätigkeit neben
Martha saß, sprang es jäh in ihr auf: ‚bei aller innigen Liebe, bei
allem Verstehen -- wir sind doch ganz verschieden!‘ Manchmal, in
stillen Stunden, wenn sie allein war, überrann sie, schmerzlich fast,
das Gefühl: ‚Ich trag’s nicht so wie sie. Ich müßte mich wehren!
Wehren!‘
Das waren dieselben Stunden, in denen, allmählich, aber stärker und
immer stärker, der andere Schmerz in ihr wach wurde: und nun hast du
auch deine Kunst zu Grabe getragen ...
In den ersten Wochen nach ihrer Heimkehr war es ihr unmöglich gewesen,
zu singen; wurde sie gebeten, so wich sie aus. Unmöglich: denn jeder
Ton verwundete ihre Seele.
Dann kamen wohl Tage, an denen sie sich zwang, zwingen konnte, wenn
Vater abends bat, wie einst: „Nun Lene, wie ist’s? Das heißt ... wenn
du dich disponiert fühlst.“ Sie sang dann eins oder das andere ihrer
alten Liedchen. Aber sie war jedesmal mit sich selber unzufrieden,
fühlte einen fremden Klang aus ihrem Gesang heraus, etwas Erzwungenes.
Und bisweilen meinte Vater selber: „Ich weiß nicht -- ich weiß nicht.
Hast du wirklich in Berlin Fortschritte gemacht?“ Einmal nahm sie auch
der alte Heckstein ins Gebet: „Hör’ mal, Jungfer Lene, warum singst du
nie in der Kirche mit? Man ist doch neugierig, und unser guter Flehr
-- gut ist er nämlich, obwohl der Rittmeister in ihm den Demokraten
wittert -- unser guter Flehr ist einfach unglücklich.“ Da hatte sie,
ohne ihn anzusehen, erwidert: „Ich kann nicht, Onkel Pastor.“ -- „Ich
kann nicht! Weißt du, Lene, das ist so die bequeme Ausrede von allen
denen, die nicht wollen. Hast du deine Stimme verloren? Nein -- sonst
würdest du’s sagen. Also willst du nicht. Kind, in meiner Art liegt’s
nicht, mich um ungelegte Eier zu kümmern. Gelegte sind besser. Ich
dränge mich auch in niemandes Vertrauen. Aber das kann ich dir sagen:
ein bissel Zwang, den der Mensch sich selber auferlegt, ist etwas sehr
Gutes. Der brave Zschokke, von dem freilich unsere Heutigen nicht viel
wissen wollen, hat mal in seinen Stunden der Andacht gesagt: ‚Der
Mensch vermag unglaublich viel über sich, wenn er ernst will.‘ Das
solltest du dir auch hinter deine allerliebsten Öhrchen schreiben.“
‚... wenn er ernst will ...‘
Nein, sie wollte nicht. Noch nicht. Sie ging dem Schmerz aus dem Wege,
der jedesmal neu brannte, wenn sie sich zwang.
Aber allmählich erwachte doch der Wille, erwachte und erstarkte. Der
innere Drang weckte ihn, die große Lücke in ihrem Leben auszufüllen,
die bloße körperliche Arbeit nicht schließen konnte; und dann kam
die stolze Sehnsucht: geh nicht ganz unter in der Alltäglichkeit.
Du brauchst nicht unterzugehen, denn deine Kunst kann dich über sie
erheben.
In der Schreibmappe, oben auf dem kleinen Tischchen am Fenster, lag
noch der Brief von Frau Harriers-Wippern.
„Wie bedauere ich, daß Sie den Unterricht aufgeben. Gerade Sie, liebes
Fräulein, die zu so Großem prädestiniert schienen. Wie ist das nur
möglich?“ Und daneben lag der Brouillon der Antwort, zwanzig Male neu
begonnen, immer wieder verworfen: „Zwingende äußerliche Ursachen ...
leider unüberwindliche Hindernisse.“ Mein Gott, mein Gott, wie armselig
-- und wie unwahr!
Wochen und Monate waren vergangen, ehe Wille und Kraft stark genug
waren, das neue Ringen aufzunehmen. Ganz langsam waren sie erstarkt,
aber plötzlich wurden sie zur Tat. Am ersten Pfingstfeiertage war’s
gewesen, daß der alte Flehr verwundert vor seiner Orgel auflauschte:
da war sie ja, die ~vox angelica~, süß und schön und stark, die
sich in seinen geliebten Chor mischte, ihn trug und über ihm sieghaft
emporstieg:
„Schmückt das Fest mit Maien,
Lasset Blumen streuen,
Zündet Opfer an:
Denn der Geist der Gnaden
Hat sich eingeladen,
Macht ihm die Bahn,
Nehmt ihn ein, so wird sein Schein
Euch mit Licht und Heil erfüllen
Und den Kummer stillen --“
„Ich singe wieder, Harro!“ hatte sie damals geschrieben. „Denk Dir
doch, lieber Harro, ich kann wieder singen. Auch das war in mir
erstorben und ist nun, zu Pfingsten, auferstanden. Leicht macht’s mich
und froh, Du wirst das schon verstehen. Sie sind alle, alle zu mir
in der schweren Zeit so rührend gut gewesen. Am rührendsten Martha,
Wilhelms Frau, die Du leider noch nicht kennst. Sie hat mich gestützt,
mich getragen, mir geholfen in meinen Nöten. Aber schließlich kann
jeder Mensch sich ganz nur selber helfen. Siehst Du, Harro, nun weiß
ich endlich, wodurch ich mir helfen kann. Meine Kunst ist’s, die mich
wieder frei machen wird. Es ist freilich anders wie früher. Ich denke
nicht mehr an äußere Erfolge, nicht an den Konzertsaal und den Beifall,
von dem ich einst träumte. Für mich und für die, die mich liebhaben,
will ich singen, meine Gabe pflegen und weiterbilden. Ich bin so froh,
Harro. Ich wollte, Du wärst hier, und ich könnte Dir das zeigen, wie
froh ich bin. Hinausgehen würde ich mit Dir aufs Feld, wir beide
allein, und mit den Lerchen möcht ich dann um die Wette singen.“
Am zweiten Pfingstfeiertag, nach dem Schluß des Gottesdienstes, lernte
Helene Herrn von Holfen kennen, den Käufer des Rackower Vorwerks.
Sie hatte ihn schon in der Kirche bemerkt und sich flüchtig gefragt,
wer der junge fremde Mann drüben auf der anderen Empore wäre; ein
Forsteleve vielleicht, hatte sie gedacht, und sich nicht weiter in
ihrer Aufmerksamkeit stören lassen.
Nun stand er vor der Kirchentür, stellte sich Vater vor, bat, ihn mit
den Damen bekannt zu machen, und entschuldigte sich zugleich, daß er in
Rohlbeck noch nicht seinen Besuch abgestattet; die Übernahme und die
erste Einrichtung hätten ihn völlig in Anspruch genommen. Er sagte das
alles sehr ruhig, durchaus weltmännisch, bescheiden und doch sicher.
Der alte Rittmeister, kein Freund besonderer Förmlichkeiten, forderte
ihn freundnachbarlich auf, „mit hinüber zukommen zu einem einfachen
Frühstück und einem Willkommensglase“. Holfen warf einen fragenden
Blick auf die alte Gnädige, und da diese die Aufforderung wiederholte,
nahm er an.
Seitdem war er ein ziemlich häufiger Gast im Herrenhause. Das Vorwerk
Grunow lag näher an Rohlbeck wie an Rackow, war auch dort eingepfarrt;
Ernst Hackentin hatte daher einen hübschen Vorwand gehabt, die „schwer
zu bewirtschaftende Enklave abzustoßen“. Nun kam Holfen bald mit
dieser, bald mit jener Anfrage und kleinen Bitte. Unverheiratet, hatte
er allerlei Nöte bei seiner Etablierung, die ihm Anlaß gaben, sich
bei dem Rittmeister oder noch mehr bei Martha Rat zu holen. Und sie
alle hatten ihn gern. Mutter fand bald heraus, daß einer von den
pommerschen Holfens eine Baer zur Frau gehabt hätte, deren Mutter
wieder eine Komteß Grucker gewesen, und er hörte dem umständlichen
Nachweis dieser Verwandtschaft „durch sieben Scheffel Erbsen“ äußerst
artig zu. Mit Vater hatte er kleine anregende militärische Diskurse;
er war erst vor anderthalb Jahren aus seinem Regiment, den Pasewalker
Kürassieren, geschieden. Mit Martha gewann er bald besonders viel
Berührungspunkte, denn sein wirtschaftlicher Eifer und eine gewisse
frische naive Art, gerade sie immer aufs neue um Rat anzugehen, machten
ihr Freude. Die Jungens schwärmten für ihn. Es kam ihm gar nicht
darauf an, gelegentlich mit ihnen einen Wettlauf durch den Garten zu
riskieren, und außerdem verstand er allerlei kleine Künste, die ihnen
riesig imponierten, fabrizierte köstliche Flöten und ausgezeichnete
Meisenkästen.
Gegen Helene war er äußerst zurückhaltend, und sie wieder war
vielleicht die einzige im Herrenhause, die wenig auf ihn achtete.
Höchstens, daß sie manchmal die Schwägerin ein wenig mit ihm neckte.
Merkwürdigerweise hatte die stille Martha Verständnis für einen
harmlosen Neckton und ging nicht ungern auf ihn ein. „Dein Courmacher
kommt!“ hieß es einmal, und: „Gesteh’s nur, Martha, du hast heut wieder
ein zartes Zwiegespräch mit deinem Verehrer gehabt!“ hieß es ein
andermal. Und Martha nickte: „Hatten wir auch -- über die beste Art der
Putenfütterung nämlich. Das ist doch gewiß ein zartes Thema.“
„Ist er wirklich so nett?“
Dann wurde Martha gleich wieder ein bißchen ernst: „Nett? Ich weiß
nicht. Aber ein ordentlicher, strebsamer, fleißiger Mann ist er.“
Das war sicher richtig. Helene hörte es von allen Seiten bestätigen. Es
hieß auch, daß er das Vorwerk nur gekauft hätte, um sich als angehender
Landwirt nicht von vornherein zu stark zu engagieren; er sei recht
wohlhabend.
Übrigens war er nicht ohne höhere Interessen. Dann und wann kam es doch
vor, daß Helene und er auf kürzere Augenblicke allein waren, und fast
regelmäßig schlug er dann ein Thema an, das sie fesselte. Einmal fand
er sie auf der Veranda über dem kleinen Geibel-Band, den ihr Harro
geschenkt hatte. Da zitierte er:
„Wir können’s kaum erwarten:
Wann wird die Eiche grün?
Wann wird im Deutschen Garten
Die Kaiserkrone blühn?“ -- --
„Sie kennen Geibel?“
„Ich kenne und ich liebe ihn.“
„Und warum zitierten Sie gerade aus der ‚Ungeduld‘?“
„Weil mir da Geibel besonders aus dem Herzen spricht.“
Sie saßen sich gegenüber. Helene hatte den Band vor sich, blätterte ein
wenig darin, sah dann auf.
„Es ist eigentlich ein politisches Lied. Ich hörte Sie aber neulich
doch einmal sagen, Herr von Holfen, daß Sie der Politik gern fern
blieben.“
Er lächelte, und sie gestand sich, daß dies Lächeln sein etwas eckiges
Gesicht verschönte. Klug sah er aus.
„Ist es ein politisches Lied, gnädiges Fräulein? Dann laß ich
diese Politik gelten. Ich mag mich nur nicht Hals über Kopf in das
Parteigetriebe des Tages stürzen, bei dem wohl hüben und drüben
übertrieben und gesündigt wird. Aber den großen Traum der deutschen
Einheit, den Geibel hier aufklingen läßt, den träume ich auch mit; und
ich denke und hoffe, er wird noch Wirklichkeit werden. Wenn wir das
vielleicht auch nicht erleben.“
Ein andermal war er am Nachmittag gekommen und hatte, ohne daß sie
davon wußte, mit den Eltern in der großen Stube gesessen, während sie
nebenan mit einer Handarbeit beschäftigt war.
Sie war gerade an diesem Tage in einer besonders gehobenen Stimmung,
die sie jetzt nicht selten, wie in einer Art von Reaktion, überkam.
Die Arbeit hatte sie sinken lassen, am Fenster hatte sie gestanden,
lange Zeit, und über die grünen Wiesen hinweggeschaut, auf denen die
Augustsonne lag. Dann war sie an den Flügel getreten und, recht aus
ihrer Augenblicksstimmung heraus, sang sie Goethes „Auf dem See“.
„Und frische Nahrung, neues Blut
Saug ich aus freier Welt.
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält.“
Warum war sie gerade auf dieses Lied gekommen? Sie wußte es selber
nicht. Aber sie fühlte, daß es sie emporhob, gleich wie auf Schwingen.
Etwas Erhabenes, Befreiendes lag in den schlicht schönen Strophen --
„Aug’, mein Aug’, was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist;
Hier auch Lieb und Leben ist.“
Sie sang nicht weiter. In einem stillen Wohlgefühl saß sie noch eine
Weile, die Hände auf den Tasten, ging dann wieder ans Fenster, öffnete
die Flügel weit, atmete die würzige Luft. Und die Schlußstrophe klang
leise in ihr nach: „Weg, o Traum! so gold du bist -- Hier auch Lieb und
Leben ist.“
Vom Felde kamen die Erntewagen. Ein paar Schnitter gingen nebenher,
eine Frau, in der einen Hand ein Kind, in der anderen eine kleine Garbe
aufgelesener Halme. Und blau stand der Himmel darüber.
Nachher erschrak sie ein wenig, als Holfen sie begrüßte: „Ich habe
schon häufiger in der Kirche Ihre schöne Stimme bewundert. Aber ich
hörte Sie noch nie im Hause singen. Darf ich Ihnen danken?“
Beinahe feindselig sah sie ihn zuerst an. Was sie gesungen hatte, wie
sie es gesungen hatte, war so ganz ihr Eigenes gewesen.
Fast schien es, als ob er Ähnliches in ihrem Gesicht lese. Er wurde
ein wenig verlegen, faßte sich dann aber: „Etwas Merkwürdiges ist’s um
Goethes Lyrik. Sie ist selber Musik. Aber wie herrlich hat sich gerade
Schubert den Empfindungen Goethes angepaßt, so daß beides, Ton und
Wort, nun doch ein Ganzes scheinen. Und nun muß ich doch eins sagen:
ich habe das Lied zum letzten Male von Amalie Weiß gehört. Sie werden
wissen, die Wiener Sängerin, die kürzlich den großen Geigenvirtuosen
Joachim geheiratet hat. Aber wenn ich ehrlich sein soll: vielleicht war
Frau Weiß die größere Künstlerin -- mehr Seele lag in Ihrem Gesang.“
Es war so selten, daß Helene Hackentin über ihre Kunst sprechen hörte.
Und wenn sie auch die übertriebene Bewunderung ablehnte, sie freute
sich doch ein wenig.
Einmal -- nicht viel später -- meinte Martha neckend: „Hör’, Lene, du
machst mir aber jetzt meinen getreuen Courmacher abspenstig.“
Da blickte sie ganz erstaunt auf, fand sich nicht gleich in den
scherzenden Ton und antwortete beinahe ernst: „Holfen? Wir sprechen ja
fast nie miteinander.“
Sie waren beim Wäscheaufhängen auf der Wiese hinter dem Hause, und
Martha kämpfte einen kleinen Kampf mit dem Wind, der ihr ein großes
Tischtuch fortreißen wollte. Sie hatte gerade eine Holzklammer zwischen
den Lippen und konnte nicht eher weitersprechen, als bis die auf
Leinwand und Leine untergebracht war.
„So -- ihr sprecht fast nie miteinander? Als ob das nötig wäre. Ich bin
jedenfalls brennend eifersüchtig.“
„Du Ärmste! Das tut mir aber furchtbar leid.“
„Spotte du nur! Nein, dieser infame Wind! Bitte, hilf mal halten, Lene.
Ja ... was ich sagen wollte: warum mag Holfen noch nicht geheiratet
haben?“
Helene hatte soeben ihren kleinen Korb wieder mit Klammern gefüllt, und
hielt ihn im linken Arm, während sie mit der rechten Hand Klammer neben
Klammer auf die Leine steckte.
„Wir hätten uns auch nicht gerade diesen windigen Nachmittag
auszusuchen brauchen. Ja so ... dein Holfen. Ich denke, er hat die
Rechte noch nicht gefunden. Oder vielleicht hat er sie auch schon
gefunden, und sie zieht nächstens in Grunow ein.“
„Wenn +du+ das nun sein solltest --“
Plötzlich lag der ganze Korbinhalt auf dem Rasen. Ganz erschrocken war
Helene, aber dann lachte sie doch. „Was redest du heute für Unsinn,
Martha. Das ist wirklich ein schlechter Scherz ... Nun hilf wenigstens
auflesen.“
Sie knieten beide nieder, um die Klammern aufzusuchen. Und da sagte
Martha leise und ernst: „Wenn es nun aber kein Scherz wäre?“
„Ach geh! Holfen denkt ja gar nicht daran.“
„Wer weiß?“