Unger, 1797), und die „Phantasien über die Kunst für Freunde der
Kunst“, herausgegeben von L. Tieck (Hamburg, Perthes, 1799), gehören
beiden Freunden gemeinschaftlich an, aber in einer Weise, welche
die nähere Bestimmung des Antheils eines jeden sehr wohl erlaubt.
Jenes Buch ist wesentlich Wackenroder’s, dieses wesentlich Tieck’s
Eigenthum. In der Nachschrift an den Leser, am Schlusse des ersten
Bandes des „Sternbald“, setzte sich Tieck schon im Jahre 1798 mit
dem kürzlich verstorbenen Freunde literarisch auseinander. Er
sagt daselbst ausdrücklich S. 374: „Von meiner Hand ist (in den
‚Herzensergießungen‘) die Vorrede, Sehnsucht nach Italien S. 23, ein
Brief des Mahlers Antonio und die Antwort S. 52, Brief eines jungen
deutschen Mahlers S. 179, und die Bildnisse der Mahler S. 194.“
Mithin gehören die übrigen Abhandlungen, die sämmtlich umfassender
und bedeutender sind, Wackenroder an. In die „Phantasien“ nahm Tieck
einige Aufsätze auf, welche er in der Vorrede als ein Vermächtniß
seines verstorbenen Freundes bezeichnet; sie waren bestimmt, eine
Fortsetzung der „Herzensergießungen“ zu bilden. Tieck sagt daselbst S.
III: „Von Wackenroder ist in der ersten Abtheilung die erste und fünfte
Nummer geschrieben; unter Berglinger’s Aufsätzen gehören +mir+
die vier letzten an.“ Demnach ist von Wackenroder: „Schilderung, wie
die alten deutschen Künstler gelebt haben“ S. 5, „Die Peterskirche“ S.
76, „Vorerinnerung“ S. 134, „Ein wunderbares morgenländisches Mährchen
von einem nackten Heiligen“ S. 135, „Die Wunder der Tonkunst“ S. 147,
„Von den verschiedenen Gattungen in jeder Kunst, und insbesondere von
verschiedenen Arten der Kirchenmusik“ S. 160, „Fragment aus einem
Briefe Joseph Berglinger’s“ S. 174, „Das eigenthümliche innere Wesen
der Tonkunst und die Seelenlehre der heutigen Instrumentalmusik“
S. 181, „Ein Brief Berglinger’s“ S. 205. Alles Uebrige ist Tieck’s
Eigenthum.
Endlich von Wackenroder’s Antheil am „Sternbald“ sagt Tieck
in der erwähnten Nachschrift S. 374: „Nach jenem Buche (den
‚Herzensergießungen‘) hatten wir uns vorgenommen, die Geschichte eines
Künstlers zu schreiben, und so entstand der Plan zu gegenwärtigem
Roman. In einem gewissen Sinne gehört meinem Freunde ein Theil des
Werks, +ob ihn gleich seine Krankheit hinderte, die Stellen wirklich
auszuarbeiten+, die er übernommen hatte.“ Diese Erklärung ist so
deutlich und entschieden, daß es unbegreiflich erscheint, wie sich
trotz, oder gar in Folge derselben die Ansicht Geltung verschaffen
konnte, der „Sternbald“ sei zum Theil Wackenroder’s Werk, oder dieser
sei in der That der Dichter und Tieck nur der Herausgeber. Weil er mit
gewissenhafter Pietät den Antheil des Freundes an der Dichtung wahren
wollte, machte man ihm sein eigenes Recht streitig. Weil er gesagt
hatte, +in einem gewissen Sinne+ gehöre seinem Freunde +ein Theil+ des
Werks an, meinte man es ihm selbst ganz absprechen, oder sonderbar
genug, behaupten zu können, mindestens der erste Theil des Romans rühre
von Wackenroder her. Dies wollte schon der kritische Recensent in der
„Jenaischen Literaturzeitung“, 1799, Nr. 71, herausgefunden haben, der
zwischen dem ersten und zweiten Theil einen Unterschied erkannte, der
auf zwei verschiedene Verfasser deute!
Zu diesen Misverständnissen mochte vielleicht auch der Titel
beigetragen haben, den Tieck gewählt hatte: „Eine altdeutsche
Geschichte, herausgegeben von Ludwig Tieck.“ Wenn er sich nur als
Herausgeber nannte, so war das eine Maske, welche in dem Charakter
der Dichtung ihre vollständige Erklärung fand, und nach dem Vorgange
des „Klosterbruders“ keinen Leser hätte irreführen sollen. Etwas
ganz anderes war es, wenn Tieck auch die „Phantasien über die Kunst“
als von ihm herausgegeben bezeichnete. Indem er dem Publicum den
Nachlaß seines Freundes übergab, hatte er in der That das Geschäft
eines Herausgebers übernommen. Aber er bekannte sich auch dazu, und
unterschied in der Vorrede ausdrücklich, was ihm und was seinem Freunde
angehörte. Freilich fehlt es auch sonst in unserer neuern Literatur
nicht an Beispielen einer übersichtigen Kritik, welche die einfachsten
Fäden zum Knoten schlingt, um sich hinterher rühmen zu können, einen
Knäuel scharfsinnig und geschickt entwirrt zu haben. Hat man doch
auf ähnliche Gründe hin Lessing die Autorschaft der „Erziehung des
Menschengeschlechts“ absprechen wollen!
Daß sich diesen Ansichten über den „Sternbald“ ein gewisses
Uebelwollen gegen den Dichter beimischte, geht unter Anderm auch aus
einem Gespräche Jean Paul’s mit Varnhagen über Tieck hervor, in den
„Denkwürdigkeiten“, III, 79. Das Bedürfniß eines überreichen Geistes,
sich mitzutheilen, und die Sorglosigkeit, mit der es geschah, rief den
Gedanken hervor, Tieck wolle sich fremdes Gut aneignen. Sein Reichthum
mußte es sein, der ihm den Vorwurf der Armuth zuzog! Nachdem diese
irrigen Vorstellungen auch in die Literaturgeschichten Eingang gefunden
hatten, sah Tieck sich genöthigt, fünfundvierzig Jahre später in einer
Nachschrift zur zweiten Ausgabe des „Sternbald“ zu wiederholen, was er
schon in der ersten deutlich genug gesagt hatte: „Es (das Buch) rührt
ganz, wie es da ist, von mir her, obgleich ‚Der Klosterbruder‘ hier
und da anklingt. Mein Freund ward schon tödtlich krank, als ich daran
arbeitete“ („Schriften“, XVI, am Ende).
Aber ebenso wenig hat Tieck jemals den Einfluß in Abrede gestellt,
welchen Wackenroder auf seine damalige Dichtweise ausgeübt habe. In
der oft erwähnten ältern Nachschrift zum „Sternbald“ sagt er ferner S.
373: „Die meisten Gespräche, die ich seit mehreren Jahren mit meinem
nun verstorbenen Freunde Wackenroder führte, betrafen die Kunst; wir
waren in unsern Empfindungen einig, und wurden nicht müde, unsere
Gedanken darüber gegenseitig zu wiederholen. -- Mein Freund suchte in
diesem Buche (d. h. in den ‚Herzensergießungen‘) +unsere+ Gedanken
und +seine+ innige Kunstliebe niederzulegen.“ Und in der Vorrede zu
den „Phantasien“ heißt es S. III: „Alle diese Vorstellungen sind in
Gesprächen mit meinem Freunde entstanden, und wir hatten beschlossen,
aus den einzelnen Aufsätzen gewissermaßen ein Ganzes zu bilden.“
Wackenroder’s dichterisches Talent ist übrigens groß genug, und seine
Stellung in der Literatur in ihren Folgen so bedeutend, daß ein näheres
Eingehen auf einige vergessene Spuren seiner schriftstellerischen
Thätigkeit nicht ganz uninteressant erscheinen wird. In der Vorrede
zu den „Phantasien“ sagt Tieck: „Einen unvollendeten Aufsatz meines
Freundes über Rubens habe ich zurückgelassen, sowie eine Cantate, mit
der er selber unzufrieden war.“ Ob außer diesen Arbeiten Wackenroder’s
noch Anderes in seinem dichterischen Nachlasse gewesen, wohin dieser
gekommen sei, wird sich jetzt schwerlich ermitteln lassen, zumal da
sich auch in Tieck’s Nachlaß nicht die geringste Andeutung darüber
findet. Daß er der Uebersetzer des Romans „Kloster Netley“ (Berlin
1796 im neunten Bande der ersten unechten Ausgabe von Tieck’s Werken)
sei, ist bereits oben gesagt worden. Eine kleine Abhandlung über Hans
Sachs, die wol in Göttingen verfaßt ist, hat von der Hagen aus einem
erhaltenen Reste von Wackenroder’s handschriftlichen Sammlungen für die
altdeutsche Literatur im „Neuen Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft
für deutsche Sprache“ (I, 291) herausgegeben. Endlich lassen sich
einige Gedichte nachweisen. Eines: „Auf hoher Felsenkante“ u. s. w.,
ist im Texte erwähnt. Es findet sich „Straußfedern“ (VI, 120) und
Tieck’s „Schriften“ (XV, 230); ein zweites ist handschriftlich in
dem Briefwechsel Tieck’s und Wackenroder’s erhalten; ein drittes aus
dem Nachlasse des Dichters steht in Bothe’s „Frühlingsalmanach“ für
1805, S. 1. Es sind durchaus untergeordnete Producte eines Anfängers,
in denen man den kunstsinnigen Klosterbruder nicht wiedererkennt.
Somit möchten die Briefe Wackenroder’s an Tieck, in denen sich sein
einfacher Sinn in vollster Unbefangenheit ausspricht, nächst den
„Herzensergießungen“ das bedeutendste noch vorhandene Denkmal seines
kurzen Lebens sein.
S. 227. Sechs Stunden aus Fink’s Leben im „Berlinischen Archiv der
Zeit“, 1796, I, 354; dann in den „Bambocciaden“, I, 137.
S. 227. Ueber Ernst Winter’s (Bernhardi’s) Roman „Die Unsichtbaren“ (2
Bde., Halle 1794) vgl. „Neue allgemeine deutsche Bibliothek“, XIII, 384.
S. 231. Schlegel’s Kritik von Tieck’s Bearbeitung des „Sturm“ siehe
in der „Jenaischen allgemeinen Literaturzeitung“, 1797, Nr. 75,
und Schlegel’s „Sämmtliche Werke“, XI, 14; des „Blaubart“ und des
„Gestiefelten Katers“ „Jenaische allgemeine Literaturzeitung“, 1797,
Nr. 333, „Werke“, XI, 136; der „Volksmärchen“ „Athenäum“, 1798, I, 167,
„Werke“, XII, 27.
S. 250. Andeutungen über das Leben in Jena in den Jahren 1799 und 1800
finden sich in Friedrich Schlegel’s Briefen an Fichte in „Fichte’s
Leben und literarischer Briefwechsel“, II, 342, 344. Die Skizze in
Brentano’s Roman „Godwi, oder das steinerne Bild der Mutter“, den er
unter dem Namen „Maria“ 1801 herausgab, II, 436, ist nach „Brentano’s
gesammelte Schriften“ VIII, 18 von dessen Freunde A. Winkelmann. Nach
VIII, 51 ebend. schrieb Brentano die Philistergeschichte 1811; was er
damals in Jena vorlas, war also wol ein frühester Entwurf. Vgl. ferner
„Heinrich Eberhard Gottlob Paulus und seine Zeit, von v. Reichlin
Meldegg“, II, 313 fg., und die kürzlich erschienene Schrift „Aus dem
Leben von Johann Diederich Gries, nach seinen eigenen und den Briefen
seiner Zeitgenossen“, S. 37, 39 fg.
S. 253. Ueber Tieck’s und Fichte’s erste Berührungen vgl. „Fichte’s
Leben und Briefwechsel“, I, 373.
S. 255. Die „Vertrauten Briefe über Friedrich Schlegel’s Lucinde“ waren
Verlag von Frommann’s Schwager Bohn in Lübeck, gedruckt wurden sie in
Jena bei Frommann und Wesselhöft.
S. 257. Die Wandlungen, welche Schiller’s ursprünglich günstiges
Urtheil über Tieck seit dessen erstem Besuche erfuhr, bis es zu einer
herben Verurtheilung ward, lassen sich stufenweise verfolgen durch
Schiller’s Briefe an Goethe und Körner vom 24. Juli 1799, 26. Sept.
1799, 5. Jan. und 27. April 1801. Die drei letzten Briefe sind an
Körner. Am 5. Jan. 1801 schreibt Schiller von Tieck: „Leider hat
die Schlegel’sche Schule viel an ihm verdorben; er wird es nie ganz
verwinden.“ Vgl. dazu sein Urtheil über Tieck’s „Minnelieder“ aus
Falk’s „Elysium und der Tartarus“ in „Findlinge“ von Hoffmann v. F.
„Weimarisches Jahrbuch“, II, 224. Ueber Tieck’s Einführung bei Goethe
berichtet dieser mit einigen Worten an Schiller am 24. Juli 1799, und
über die Vorlesung der „Genoveva“ in Jena am 6. Dec. 1799. Vgl. darüber
auch Goethe’s Tages- und Jahreshefte, „Werke“, XXXI, 86.
S. 267. Wenn es in Tieck’s Vorbericht zu „Schriften“, I, S. XXXII,
heißt, er sei im Juli 1801 nach überstandener schmerzhafter Krankheit
nach Hamburg gegangen, so beruht diese irrige Angabe wol nur auf einem
Druckfehler. Es ist das Jahr 1800 gemeint. Aus Tieck’s Correspondenzen
ergibt sich, daß er um jene Zeit in Dresden war.
Drittes Buch.
S. 274. A. W. Schlegel’s „Literarischer Reichsanzeiger“ oder „Archiv
der Zeit und ihres Geschmacks“ im „Athenäum“, 1799, S. 328.
S. 275. Tieck hat die Vision „Das jüngste Gericht“ in seine
„Schriften“, IX, 339, in etwas veränderter Gestalt aufgenommen. Es
fehlt hier das Verzeichniß der Personen, auf welche im „Zerbino“ mehr
oder minder deutlich angespielt wird. Da der Dichter in dem Vorberichte
zum sechsten Bande der „Schriften“, S. XXXIX fg., einen kurzen
literarischen Commentar zum „Zerbino“ gegeben hatte, konnte er nunmehr
jenes Verzeichniß streichen. Es findet sich „Poetisches Journal“, S.
245.
S. 277. Zu diesem und dem Folgenden sind zu vergleichen die
literarischen Anmerkungen zum „Anti-Faust“ in „Tieck’s nachgelassenen
Schriften“, I, 127 fg., und zu „Bemerkungen über Parteilichkeit,
Dummheit und Bosheit“, ebend. II, 35 fg.
S. 278. Es scheint nicht unangemessen, an dieser Stelle auf die
Kritik übersichtlich zu verweisen, welche Tieck’s Dichtungen in den
verbreitetsten und namhaftesten literarischen Zeitungen erfuhren. Man
wird daraus erkennen, daß man seine stechende dichterische Satire
mit den Keulenschlägen prosaischer Grobheit reichlich erwiderte, und
ihm wahrlich nichts geschenkt hat. Seine Indignation gegen dieses
Geschlecht wird vollkommen begreiflich, wenn man sieht, daß keiner
dieser Recensenten auch nur eine entfernte Ahnung von dem hatte,
was er mit seiner Poesie wollte. Sie sind ihr gegenüber vollkommen
rathlos, und möchten sie am liebsten für eine Tollhäuslerin erklären.
Der Recensent des „Lovell“ in der „Neuen allgemeinen deutschen
Bibliothek“, XX, 389, 1795, und XXXII, 154, 1797, wundert sich,
daß der Verfasser, der selbst ein junger Schwärmer scheine, seinen
Helden so unvortheilhaft auftreten lasse; dann meint er, dies Buch
sei eine Beleidigung des guten Geschmacks, und das Beste daran
der schöne neumodige Druck. Dagegen findet die „Geschichte Peter
Leberecht’s“, die Nicolai’s vollen Beifall hatte, viel Gnade.
„Deutsche Bibliothek“, XXIII, 526, 1796, und XXXII, 155, 1797. Hier
wird dem Verfasser gesundes Raisonnement, ein feiner, geschliffener
Witz, viel Laune und reife Menschenkenntniß zugestanden; während die
„Jenaische Literaturzeitung“, 1797, Nr. 10, dasselbe Buch fade und
gedehnt findet; der Verfasser sei sich auch seiner Kraftlosigkeit
bewußt; Gedankenstriche oder weißes Papier würden besser sein. In
der „Allgemeinen deutschen Bibliothek“, XXXVIII, 439, 1798, wird
in der Anzeige von „P. Leberecht’s Volksmärchen“ dem Verfasser die
Versicherung gegeben, er habe das Ideal nicht gescheidter Geschichten,
wonach er eingestandenermaßen strebe, vollkommen erreicht. Ebendaselbst
XXXIX, 340, wird der „Abdallah“ als ein Beweis dafür angeführt,
daß sich Zaubergeschichten noch immer unverschämt in die Literatur
eindrängen. Ebendaselbst XLVI, 329, 1799, kann der Mann von gebildetem
Geschmack den „Sternbald“ nicht zu Ende lesen. Sternbald ist ein
frömmelnder, mystischer Malergesell und ein Verführer obenein.
Recensent findet die Anmaßung und Petulanz des Dichters unerhört,
der dem Leser zumuthe, sich wieder auf eine niedrige Stufe der
Cultur zu stellen, der man mühsam entklommen sei. Ebendaselbst LV,
246, 1800, tritt man im „Zerbino“ in eine Gesellschaft von Narren
und Tollhäuslern, wo Alles spricht, von den Cedern des Libanon bis
hinab zu den Schemeln; es sei ein sinnliches Gaukelspiel, die Verse
im Tone der Bänkelsänger, der Vortrag pöbelhaft! Glimpflich meint
der Recensent der „Jenaischen Literaturzeitung“, 1800, Nr. 320, 321,
auch Tieck’s Göttin der Poesie sei nicht frei von Geckerei, und er
selbst von der ~mixtura dementiae~ des Goethe-Götzendienstes
angesteckt. Die „Allgemeine deutsche Bibliothek“, LVIII, 352, 1801,
nennt die „Genoveva“ Ammenmärchen und Gewäsch. Tieck’s Recensenten in
der „Allgemeinen deutschen Bibliothek“ waren übrigens, wie sich aus
einer Vergleichung ihrer Chiffern mit dem Register: „Die Mitarbeiter
an F. Nicolai’s Allgemeiner deutscher Bibliothek“, ergibt, literarisch
wenig bedeutende Leute, der Hofrath Pockels in Braunschweig, der
Rector Schilling in Verden, der Diakonus Fleischmann in Tübingen u. A.
Von Nicolai selbst rührt keine dieser Kritiken her. Merkel in seinen
„Briefen an ein Frauenzimmer über die wichtigsten Producte der schönen
Literatur“, I, 17 fg., macht seiner Galle in folgendem Ergusse Luft:
Herr Tieck ist ein Mensch, der sich, wie manches Insekt, durch Stechen
bemerkbar zu machen sucht; er travestirt Shakspeare und verzerrt ihn
im Hohlspiegel der Armseligkeit; er ist schwachen Geistes; seine
poetische Kühnheit ist Wahnsinn und Unverschämtheit; er verfällt in
Schülerstreiche; er überbietet allen Menschenverstand; die „Genoveva“
ist ein Pfuschwerk und eine Vogelscheuche; er möge sich entscheiden,
ob er für Pöbel oder für Kinder schreibe; seine höhere Naturen, von
denen er spreche, seien vielleicht beides zugleich! Doch genug der
Gemeinheiten! Kann man sich wundern, wenn Tieck auf solche Gegner mit
der tiefsten Verachtung herabblickte? Und konnte er sie besser strafen,
als ihren unfreiwilligen Witz zum Gegenstande seines dichterischen zu
machen?
S. 279. Bernhardi’s „Seebald, oder der edle Nachtwächter,
Familiengemälde in einem Acte“, erschien in den „Bambocciaden“, III,
229, im Jahre 1800.
S. 279. Nach einer mündlich erhaltenen Ueberlieferung wäre Tieck der
Verfasser der Theaterrecensionen im „Archiv der Zeit“; er sollte sie
nach dem Schauspiel Bernhardi in die Feder dictirt haben, der sie
alsdann der Redaction der Zeitschrift übergeben hätte. Bei der damals
engen Verbindung beider und Tieck’s Bereitwilligkeit, seine Arbeiten
Andern und besonders Bernhardi zu überlassen, hat diese Ueberlieferung
eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich, und gewiß hat er auf diese
Kritiken einen wesentlichen Einfluß gehabt. Dennoch sprechen manche
Gründe dagegen, daß Tieck der Verfasser derselben gewesen sei. In
seinen Erzählungen bezeichnete er, soweit ich mich dessen erinnere,
stets nur Bernhardi als Verfasser, mit dem Zusatze, derselbe habe sich
durch die Schärfe seines Tons den Haß der Schauspieler zugezogen.
Am Eingange der polemischen Schrift von 1800: „Bemerkungen über
Parteilichkeit, Dummheit und Bosheit“ („Nachgelassene Schriften“,
II, 36), die für das „Archiv der Zeit“ bestimmt war, sagt er: +er+
ergreife +statt+ des bisherigen Verfassers des Theaterartikels die
Feder. Ferner erklärte die Redaction des „Archiv der Zeit“, 1798, II,
385, der unter dem Namen Peter Leberecht bekannte Schriftsteller habe
an diesen Artikeln keinen Theil. Endlich, da Tieck die Recensionen
über die Taschenbücher aus dem „Archiv der Zeit“ in seine kritischen
Schriften aufnahm, ist nicht einzusehen, warum er die Theaterkritiken
übergangen haben sollte, wenn er sie alle, oder auch nur einen Theil
davon abgefaßt hätte.
S. 282. Bernhardi’s letztes Wort gegen Iffland, s. „Archiv der Zeit“,
1800, II, 465, im Decemberheft; er hat es nicht unterzeichnet.
S. 290. Ueber Friedrich Tieck’s Aufenthalt in Weimar s. auch Goethe’s
„Tages- und Jahreshefte“, 1801, „Werke“, XXXI, 118.
S. 292. Steffens berichtet über seinen Umgang mit Tieck in Dresden im
Jahre 1801 „Was ich erlebte“, IV, 129.
S. 294. Die Skizze dieser nicht ausgeführten Dichtung hat Tieck in der
Novelle „Die Sommerreise“ aufbewahrt, „Schriften“, XXIII, 3. Ueber
seinen Verkehr mit Runge und seine Briefe an diesen s. Ph. O. Runge
„Hinterlassene Schriften“.
S. 315. Den ersten Gesang von Tieck’s Bearbeitung der Nibelungen nebst
einer Charakteristik der zu verschiedenen Zeiten für diesen Zweck
angelegten Manuscripte hat von der Hagen gegeben in dem „Neuen Jahrbuch
der berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache“, X, 1 fg.
S. 322. In den „Reisegedichten“, die viele charakteristische Züge
aus seinem italienischen Leben enthalten, erzählt Tieck auch diese
Theateranekdote unter dem Titel „Der Wirrwarr“, III, 213.
S. 325. Dies ist der große Spaß, zu dem, wie Goethe „Werke“, XXVII, 208
in der „Italienischen Reise“ unter dem 3. Nov. 1786 erzählt, bald nach
seiner Ankunft in Rom ein deutscher Künstler Veranlassung gab.
S. 330. Oehlenschläger in seinen „Lebenserinnerungen“, II, 26, stellt
sein erstes Zusammentreffen mit Tieck etwas anders dar, doch bemerkte
dieser im Gespräche darüber ausdrücklich, daß Oehlenschläger’s
Gedächtniß hier nicht ganz treu gewesen sei.
S. 335. A. W. Schlegel über Tieck’s Bearbeitung der Nibelungen in der
„Jenaischen Literaturzeitung“, 1805, „Intelligenzblatt“, Nr. 121.
S. 339. Tieck hat über sein persönliches Verhältniß zu H. von Kleist
einige allgemeine Andeutungen gegeben in der Einleitung zu den
gesammelten Schriften desselben. Vgl. „Kritische Schriften“, II, 26,
und einige Nachträge dazu in „H. von Kleist’s Leben und Briefe“, von E.
von Bülow, S. 54 fg.
S. 340. Auch Lange erzählt von dieser Talentprobe, die er Tieck bei
seinem Besuche 1808 gegeben, in der in demselben Jahre erschienenen
„Biographie des Joseph Lange, k. k. Hofschauspielers“, S. 249.
S. 341. Ueber Iffland’s beabsichtigte Berufung nach Wien und die
dortigen künstlerischen und öffentlichen Zustände im Allgemeinen s.
Reichardt’s „Vertraute Briefe, geschrieben auf einer Reise nach Wien in
den Jahren 1808 und 1809“, I, 178; II, 83.
S. 343. Der Geschichte, welche in Goethe’s „Briefwechsel mit einem
Kinde“, II, 10, erzählt wird, gedachte auch Tieck, aber mit nicht
unwesentlich andern Umständen.
S. 367. „Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel“, I, 689.
Zweiter Theil.
Viertes Buch.
S. 6. Die Hauptstellen, welche die Meinungswandlungen F. Schlegel’s
darlegen, finden sich im „Athenäum“, I, 2, S. 28, 62, in den
„Fragmenten“, in der „Rede über die Mythologie“ („Gespräch über die
Poesie“), ebend. III, 94 fg.; „Brief über den Roman“, ebend. S. 122; in
der „Reise nach Frankreich“ in der „Europa“, Zeitschrift für 1803, I,
33, 40; „Literatur“, ebend. S. 55.
S. 11. Wie Tieck schon früher über die neuen Genies urtheilte, sieht
man aus seinen wiederholten Bekenntnissen an Solger, in den Jahren
1815, 1818. „Solger’s nachgelassene Schriften und Briefwechsel“, I,
333, 373, 685.
S. 16. Von Friedrich Laun ist das Sonett des Ungenannten „Der Streit
für das Heilige“, Musenalmanach von Schlegel und Tieck für 1802, S.
257. Worüber zu vergleichen Friedrich Laun’s „Memoiren“, I, 166,
und über das Verhältniß Tieck’s zu Friedrich Laun, Tieck’s Brief an
Friedrich Laun, „Kritische Schriften“, II, 401.
S. 25. Die im Texte gegebene Darstellung des Verhältnisses zwischen
Tieck und Grabbe beruht wesentlich auf den mündlichen Mittheilungen
des Ersten und einigen Briefen Grabbe’s, die sich in Tieck’s Nachlaß
finden. Der erste vom 21. Sept. 1822 begleitete die Zusendung des
„Gothland“, der folgende vom 16. Dec. 1822 das Lustspiel „Scherz,
Satire, Ironie“; beide sind in Berlin geschrieben. In zwei Briefen
aus Leipzig, vom 18. März und 8. Mai 1823, kündigt Grabbe sich als
mimisches Talent an, und bittet um Hülfe in höchst bedrängter Lage; der
letzte endlich, voll tiefer Hoffnungslosigkeit, ist aus Detmold vom 23.
Aug. 1823. Diese Briefe enthalten auch manche Andeutungen über seinen
frühern Bildungsgang. Ergänzend kommen zwei andere von Am. Wendt und
Klingemann aus dem Jahre 1823 hinzu, in denen sich jener für, dieser
gegen Grabbe’s Beruf zum Schauspieler ausspricht. Wenn Grabbe damals
behauptete, schon vor seiner Ankunft in Dresden sei ihm durch Tieck
Hoffnung auf eine Stelle als Regisseur beim dortigen Theater gemacht
worden, so ist auch das eine Einbildung gewesen. Wie hätte Tieck
bei seiner damaligen Stellung in Dresden einem ihm persönlich ganz
unbekannten jungen Dichter eine solche Aussicht eröffnen können? Diese
Angaben mögen hier nachträglich eine Stelle finden mit Rücksicht auf
das kürzlich erschienene Buch „Grabbe’s Leben und Charakter, von K.
Ziegler“ (Hamburg 1855).
S. 50. Die hier dargestellten Ansichten entwickelt Tieck im zweiten
Abschnitt des „Aufruhr in den Cevennen“ im Gespräche Edmund’s mit dem
alten Pfarrer. Vgl. damit Tieck an Solger in den Briefen von 1817, in
„Solger’s nachgelassenen Schriften“, I, 541, 586.
S. 53. Tieck’s Ansicht der Novelle s. auch in der Einleitung zum elften
Bande der „Schriften“, S. LXXXIV.
S. 62. Der Brief „An Herrn L. Tieck“ in der Einleitung zu Lenz’s
Schriften, „Kritische Schriften“, II, 298, ist von Rehberg.
S. 64. Viele einzelne Züge zu dem aufgestellten Bilde des dresdener
Lebens finden sich in den Briefen und Tagebüchern K. Förster’s in „Karl
Förster und seine Zeit, herausgegeben von Luise Förster“.
S. 67. Ueber Tieck’s Vorlesungen in Dresden berichtet Carus in der
Abhandlung „Ludwig Tieck. Zur Geschichte seiner Vorlesungen in
Dresden“, in Raumer’s „Historischem Taschenbuch“, 1845.
S. 71. Ueber Tieck’s Besuch bei Goethe im Jahre 1828 s. Eckermann,
„Gespräche mit Goethe“, II, 23, 28. Goethe’s kurze Anzeige von Tieck’s
Novelle „Die Verlobung“ „Werke“, XLV, 295. Auch „Solger’s nachgelassene
Schriften“ besprach Goethe ebend. S. 289, und Tieck’s „Dramaturgische
Blätter“ ebend. S. 111 nicht ohne eine gewisse Abneigung gegen Tieck’s
Theorien über Shakspeare, wie sich auch in dem Aufsatz „Englisches
Schauspiel in Paris“ zeigt. „Werke“, XLVI, 151.
S. 80. Vgl. „Der Protestantismus und die Romantik“ von Echtermeyer und
Ruge in den „Hallischen Jahrbüchern“, 1839, Nr. 245 fg., und über Tieck
besonders Nr. 308 fg.
S. 80. Eine Art von politischem Glaubensbekenntniß in dem angedeuteten
Sinne gibt Tieck in der Novelle „Des Lebens Ueberfluß“.
S. 85. Immermann’s Brief an Tieck, der den Bericht über die Darstellung
des „Blaubart“ in Düsseldorf gibt, findet sich in den „Theaterbriefen
von K. Immermann, herausgegeben von G. zu Putlitz“, S. 90.
S. 85. Einige Andeutungen über das Leben der Adelheid Reinbold hat
Tieck in der Vorrede zu ihrem Roman „König Sebastian“ gegeben.
„Kritische Schriften“, II, 393.
Fünftes Buch.
S. 118. Die herausgehobene Stelle aus der Anzeige der Aufführung des
„Gestiefelten Kater“ s. „Kritische Schriften“, IV, 378.