Das ging hart heraus: »Dreihundert Gulden!«

»Die wird Ihre Braut schon bezahlen können.«

»Aber!« Pepperl machte schiefe Augen zu diesem Witz. »Der muß ich ja zur

Hochzeit die Pomeranzen und 's Salzbüchsl kaufen! Soviel hat die!«

»Nein, Pepperl! Soviel ich weiß, hat Ihre Braut fünfhundert Gulden zur

Aussteuer.«

»Ja, wär schon recht! Da müßt's ihr rein einer schenken! Aber so an

verruckten Narren gibt's net auf der Welt!«

»Doch!« Ettingen lachte. »So ein Narr bin ich!«

»Was?« Pepperl verfärbte sich, und seine Hände zitterten, daß aus der

Milchschüssel ein weißer Taufguß über die Kurzlederne niederging. »Was

haben S' gsagt?«

»Daß ich der Burgi das zur Aussteuer gebe.«

»Mar und Joseph!«

»Und der Förster hat viel Arbeit mit der Jagdverwaltung. Er wird eine

Hilfe brauchen. Das haben Sie mir doch neulich bei der Jagd im Geißtal

drunten selbst gesagt. Da will ich vorschlagen, daß er Sie zum Oberjäger

macht, mit entsprechendem Gehalt natürlich.«

»Was?«

»Haben Sie nicht verstanden?«

Die Milchschüssel kollerte über Pepperls Knie hinunter. Starr guckte er

den Fürsten an, schlug die Hände ineinander und stotterte: »Ich bitt

Ihnen, Duhrlaucht, tun S' mich a bißl am Ohrwaschl reißen! Sonst glaub

ich's net!«

»Was ich sage, das gilt!«

In Zweifel studierte der Jäger noch eine Sekunde lang das Gesicht seines

Herrn. Dann stieg ihm der Glaube und die Freude zu Kopf, wie ein elftes

und zwölftes »Viertele« vom roten Spezial. Gleich einem Verrückten

sprang er auf und schrie einen Jauchzer zum Himmel, daß der Senn vor die

Tür gelaufen kam. »Duhrlaucht! Duhrlaucht! Wann ich heut net

überschnapp, is mir der Verstand angnagelt im Hirnkastl drin! Mar und

Joseph! So hat sich noch keiner ins Glück einigsuffen, wie gestern ich!«

Ettingen machte die Erfahrung, daß es Menschen gibt, denen man eine

Freude nicht minder vorsichtig mitteilen soll als eine Trauerbotschaft.

Denn Pepperl drückte im ersten Sturm seinem Herrn die Hand, daß Ettingen

noch eine Stunde später die Finger kaum bewegen konnte.

Mitten in diesem Jubel kam dem Jäger gleich wieder eine Sorge. »Um

Gottswillen, Duhrlaucht, wann's mit der Aussteuer wahr is, sagen S' nur

ja keim Menschen a Wörtl davon!«

»Nein, Pepperl, das bleibt unter uns.« Ettingen hatte die Bitte anders

verstanden, als sie gemeint war.

»Wenn so was unter d' Leut käm, da hätten S' kei' Ruh nimmer, Tag und

Nacht. Da tät die ganze Gegend heireten auf Ihnen nauf! Und jeder, der

was brauchen könnt, tät sich denken: Ah was, der gute Kerl, der gibt

mir's schon! -- Nimmer schlafen könnten S' vor lauter Brautleut!«

Das Schweigen im Walde: Roman · 第 65 / 71 题