Lautlos huschte er auf das Mädchen zu: »_Mam'zell Fifi?_«

»_Hein?_«

Ob die Baronin noch zu sprechen wäre?

Für den guten treuen Martin? Gewiß.

Er pochte an die Tür.

»_Entrez!_«

Martin trat ein. Als er einige Minuten später das Zimmer wieder verließ,

schien seine Sorge beschwichtigt. Er trug die Nase hoch und lächelte.

Während er über die Treppe hinunterstieg, hörte er das kichernde

Gezwitscher der Französin.

Sie stand mit Sensburgs Leibjäger im Hof. Der heitere Lärm, der von der

Sennhütte heraufklang, reizte ihre Neugier. »_Je veux voir ça, moi[2]!_«

Zu diesem Wunsche zuckte Martin hoheitsvoll die Schultern. Der »Stall«

dort unten wäre kein Aufenthalt für »feine Leute« -- in »solche«

Gesellschaft könnte man unmöglich gehen, ganz unmöglich.

Fifi verzog das hübsche Mäulchen und lachte. »_Moi, ça m'est bien égal,

qu'on puisse y aller ou pas y aller. Vous m'y conduiserez, n'est-ce pas,

Jean[3]?_«

»_A votre service, mam'zelle!_« erwiderte der Leibjäger galant und bot ihr

den Arm.

Während Martin seine Stube aufsuchte, wanderten die beiden kichernd über

das Almfeld hinunter.

Droben am Himmel schneuzte sich ein Stern, und gleich einer dünnen

Feuerrute fuhr's über die Berge hin.

Fußnoten:

[1] Ich wünsche der gnädigen Frau gute Nacht.

[2] Das will ich sehen.

[3] Mir ist das ganz egal, ob man da hingehen kann oder nicht.

Sie werden mich hinführen, Jean, nicht wahr?

^Achtzehntes Kapitel^

Einige Stunden früher.

Es dämmerte über dem Tal der Leutasch, und vom Kirchturm tönte der

Abendsegen über die stillen Häuser hin und hinaus über die von zartem

Nebel behauchten Wiesen. Auf der Straße lag schon die Ruhe des schläfrig

gewordenen Tages. Nur ein paar junge Burschen stapften mit ihren

qualmenden Pfeifen an den Zäunen entlang, manchmal nach einem Fenster

spähend, hinter dem ein Licht brannte.

Da kam ein Jäger hastigen Ganges durch das Dorf herunter. Mazegger.

Keuchend ging sein Atem, und in Unruh blickte er über die Straße aus.

Sein Schritt verzögerte sich, je näher er dem Hause der Frau Petri kam.

Um das Klappen seiner Schuhe verstummen zu machen, trat er in den mit

Gras bewachsenen Straßengraben hinunter. Als er den Zaun des Hauses

erreichte, das vom Duft seiner Blumen umflossen war, duckte er sich und

schlich an der Holunderhecke hin, um eine Lücke zu finden, durch die er

in den Garten blicken könnte.

Am Hause waren die Fenster der Wohnstube schon erleuchtet. Man sah durch

die hellen Scheiben in den friedlichen Raum mit seinen Bildern und

Geräten und sah, wie Frau Petri den Tisch deckte und die Tassen stellte.

Dunkler und dunkler sank die Dämmerung über Haus und Garten. Zwischen

den Beeten klang die Stimme Los: »Zwei Kannen noch, dann wird's genug

sein.«

Am Brunnen klapperte der Schwengel, das Wasser plätscherte, im Kiese

knirschten die Schritte der Magd, und nun ließ sich das leise Brausen

des über die Blumen fallenden Sprühregens vernehmen.

Dann war's still im Garten.

Während die Magd das Gerät und die Kannen in der Tenne verwahrte, machte

Lo einen Rundgang um die Beete und durch den Obstgarten. In einem

Sommerhäuschen, das dicht am Zaun auf einem kleinen Hügel stand, ließ

sie sich nieder. Hier konnte sie über die dunklen Wiesen weit

hinausblicken bis zur Waldscharte des Geißtals, über dem der Himmel mit

seinem letzten Licht noch zwischen den schattenblauen Bergen leuchtete.

Das Schweigen im Walde: Roman · 第 59 / 71 题