»Wahr is's! Ja!« fuhr die Sennerin mit gereizter Stimme auf. »Den ganzen
Tag hockt er da in der Hütten und pumpert die halben Nächt am
Kammerfenster. So verliebt is er! Wahr is, wahr is, wahr is!«
Über den Tisch hinüber packte Pepperl den Arm des Alten. »Hast es ghört,
Brenntlinger? Jetzt denk, daß du der Vater bist, und daß dich rühren
mußt in deiner Verantwortigung. Verstehst mich? So! Jetzt red!«
Stolpernd schob Brenntlinger sich hinter dem Tisch hervor, und warnend
hob er den Finger. »Bu -- Buburgi! Dös muß ich dir sagen, hörst! Da sei
fein gscheit. Den laß nur nimmer aus! Da kannst dein Glück machen, ja,
dein Glück! Dös is a Nobliger! Wann gscheit bist, machst dein Glück!«
In sprachloser Verblüffung starrte Pepperl den Alten an und fuhr sich
mit beiden Händen durch die Kreuzerschneckerln. Dann sprang er auf und
rüttelte den Brenntlinger, als müßte er mit Gewalt in ihm das
schlummernde Gefühl der väterlichen Verantwortung aufwecken. »Mensch?
Was redst denn da? Er lügt ja dein Madl an! Jagdverwalterin tät's
werden! Ja, Schmarrn mit Lakrizensoß! Alles is verlogen! Und dös dumme
Gansl glaubt's ihm. Du? Verstehst mich bald? Und du bist der Vater! Du!«
Pepperl rüttelte, daß dem Alten die Zähne klapperten. »Rühr dich, Vater!
Rühr dich a bißl!«
»Da rühr ich mich, ja! Wann er mein Madl anlügt, rühr ich mich! Da nimm
ich an Avakatn! Da muß er zahlen, der! Dös is a Nobliger! Der hat Geld!
Und wann er net zahlt, so muß der Herr Fürst, jaaa, der Herr Fürst muß
zahlen. Der hat Geld!«
Pepperl sah aus, als hätte man ihm Asche ins Gesicht geworfen. Mit
zitternden Händen knöpfte er die Joppe zu. »Jetzt kenn ich mich
aus!« Das Wasser schoß ihm vor Zorn in die Augen. »Ös seids mir zwei
^saubere^ Leut! Pfui ^Teufi^ mitanand!« Er spuckte aus. »Da wär ich
in a ^schöne^ Verwandtschaft einikommen!« Er wußte wohl nicht, was
er redete. Der Zusammenhang dieses empörten Wortes mit der selbstlosen
»Verantwortigung«, die der Praxmaler-Pepperl auf seine moralischem
Schultern genommen hatte, war dunkel, war völlig unbegreiflich.
Wütend packte er seinen Hut und verließ die Sennstube.
Mit großen Glotzaugen sah Vater Brenntlinger ihm nach. »Wawas, was hat
er denn?«
Burgi wurde kreidebleich. Sie ging auf den Alten zu und faßte ihn am
Arm. »Vater! Marschier ins Kammerl eini! Und tu dich schlafen legen! Auf
der Stell! Denn daß d' mir nüchtern solchene Sachen sagen könntst, dös
glaub ich net. Und hast dein Dampus ausgschlafen, so reden wir weiter!
Vorher kein Wörtl nimmer! Tu dich schlafen legen!«
»Schlafen? Warum denn schlafen? Ganz munter bin ich, ja, und tu ich mich
soviel freuen mit, ja, mit dein Glück!« Er guckte an ihr hinauf. Als er
ihr Gesicht und ihre Augen sah, erschrak er und mummelte begütigend: »Ja
ja ja, sei nur zfrieden, Burgerl! Muß ich halt schlafen, ja! A Stünderl
schlafen!« Seufzend stolperte er über die Kammerschwelle.
Burgi ging zum Herd. Auf die Steine niedersinkend, brach sie in
Schluchzen aus.
Und droben im Försterhäuschen saß der Praxmaler-Pepperl hinter dem Ofen,
bürstete mit den Fäusten die Augen und würgte nach Luft. Die
Selbsterkenntnis war erschreckend in ihm aufgegangen. »So an Esel, wie
ich einer bin! Auf so a Weibsleut reinfallen! Mar und Joseph!« Lärm und
Stimmen weckten ihn aus diesem Jammer seiner Liebe -- aus einem
Katzenjammer, der das Merkwürdige hatte, daß ihm kein Rausch
vorausgegangen war.
Mit den Jägern und Treibern war der Förster gekommen, aufgeregt,
fassungslos über den sonderbaren Ausfall der Jagd, die doch »wie am
Schnürl« gegangen war. Drei Hirsche waren angesprungen, kein Schuß war
gefallen, und auf dem Fürstenstand hatte man keinen Jäger gefunden, nur
einen Wettermantel, den Feldstecher und die Büchse. »Mensch, um
Christiwillen, was is denn da passiert?«
Als Pepperl mit zerknirschter Miene berichtete, was sich ereignet hatte,
und daß die Geschwister droben im Jagdhaus beim Herrn Fürsten wären,
klang in der Stille, mit der die Leute lauschten, ein schallendes
Gelächter.