Die Schwester lächelte. »Hast du das in der Schule gelernt?«

»Gott bewahre! Von so was reden sie doch in der Klasse nicht. Aber man

hört und sieht doch soviel Unglück und soviel Trauriges. Weißt du, da

muß ich immer drüber nachdenken, und da fallen mir oft Dinge ein, die

ich mir gar nicht erklären kann.«

»Sag mir so ein Ding!«

»Alles Gute und Schöne in der Welt? Das kommt doch von Gott, nicht

wahr?«

»Ja, Bubi.«

»Und dann, ich weiß schon, es gibt ja auch Unglücksfälle -- zum Beispiel,

wenn ein Haus einstürzt, wie neulich in Innsbruck, und sieben arme

Menschen erschlägt --, da kann natürlich der liebe Gott nichts dafür.

Die Menschen hätten das Haus eben besser bauen sollen.«

»Da hast du recht!«

»Aber es gibt doch auch ^viel^ Unglück, an dem die Menschen ^nicht^

schuld sind. Ein Bergsturz oder eine große Überschwemmung. Oder der

Blitz, der in ein Haus schlägt. Denk nur, er schlägt sogar am liebsten

in die Kirchen! Wie darf denn der liebe Gott so was zulassen? Oder

eine Lawine, die einen ganzen Wald verschüttet? Das kann ich mir nicht

vorstellen, daß Gott eigens den Wald hat wachsen lassen, nur damit er

zugrunde geht. Und dann die Raubtiere zum Beispiel! Wo kommen denn

die her? Und das Ungeziefer? Und die giftigen Pflanzen? Und alle die

anderen bösen Dinge? Sag mir, Lo, wer hat denn ^das^ alles gemacht?«

»Gott! Wer sonst?«

»Aber Lo! Wie kann Gott dann lieb und gut sein?«

»Doch! Er ist es.«

»Das versteh ich nicht. Ich bitte dich, Lo, das mußt du mir erklären!«

»Sieh dir einmal die Sonne an! Ist Gott, der sie erschaffen hat, nicht

groß und gut? Und die Berge dort? Wie schön sie sind! Und hier, sieh

nur, die Blumen!«

»Freilich, ja, das alles ist gut und schön, das kann nur Gott erschaffen

haben. Aber das Böse, Lo?«

»Das Böse? Ich kenne nichts Böses.«

»Aber! Lo!« Mit großen, erschrockenen Augen sah Gustl die Schwester an.

»Sag mir, Bubi, was nennst du denn eigentlich böse?«

Zu seiner Verwunderung wußte der kleine Bursch nicht gleich eine Antwort

zu finden. »Ich -- weißt du, ich meine, was den Menschen nicht

gefällt -- und was ihnen schadet, das alles ist doch böse.«

»Meinst du?« Lo erhob sich und schüttelte die welken Blüten von ihrem

Schoß in ein Körbchen, das auf dem Kiesweg stand. »Also, die Henne ist

gut, weil sie Eier legt, sagt der Bauer. Und der Fuchs, sagt er, ist

böse, weil er die Henne frißt. Und gut ist das Pulver, und gut ist die

Bleikugel, mit der man den bösen Fuchs erschießen kann. Aber ist denn

der Fuchs nicht auch ein Geschöpf, das leben will? Wird der Fuchs nicht

sagen: >Ich bin gut, und bös und grausam ist der Jäger, der mich

erschießt?< Wer hat nun recht von den beiden?«

Gustl begann diesen Widerspruch von der heiteren Seite zu nehmen und

lachte.

»Nein, Bubi, da sollst du nicht lachen. Ich mein' es ernst. Wer von den

beiden hat recht?«

»Freilich, wenn ich ein Fuchs wäre, würd ich auch sagen: >Bös sind die

Menschen, die mich erschießen.< Aber ich ^bin^ doch kein Fuchs. Ich

bin ein Mensch.«

»Und deshalb willst du recht haben? Aber jetzt denk einmal: neulich bin

ich unserem Nachbar begegnet. Der war vor Zorn ganz rot im Gesicht.

Und weißt du, warum?«

»Weil der Fuchs ihm eine Henne gestohlen hat?«

»Nein! Weil der böse Jäger den guten, nützlichen Fuchs erschoß, der auf

dem Feld des Nachbars alle Maulwürfe und Engerlinge verspeiste.«

Gustl schwieg, und während er die Brauen furchte, blickte er sinnend

zur Schwester auf, die zur Bank kam und sich au seine Seite setzte.

Dann sagte er langsam: »Du, Lo! Ich glaube, jetzt versteh ich, wie du

es meinst. Da hat doch eigentlich jeder recht. Und keiner. Und der

Fuchs ist nicht gut und nicht bös. Er ist halt ein Fuchs. Und wie er

ist, so muß man ihn nehmen -- weil er einmal da ist.«

»Ja, Bubi! Siehst du, wenn du ruhig nachdenkst, dann kommst du schon

selbst auf das Richtige. Wie mit dem Fuchs, so ist es mit allen anderen

Dingen. Alles in der Welt ist so, wie es sein muß, wie es immer war und

immer bleiben wird. Gut und bös? Das hat mit den Dingen der Welt nichts

zu schaffen. Das sind nur Worte, die der Mensch in seinem Eigennutz

erfunden hat. Und den Bau der großen unendlichen Welt, das ganze

herrliche Wunderwerk der Schöpfung nur nach den kleinen Dingen zu

beurteilen, die uns Nutzen oder Schaden bringen? Ist das nicht töricht?

Und unschön?«

»Ja, Lo, da hast du wirklich recht!«

»Und sieh nur, Kind, es gibt doch so viel schöne Dinge auf der Welt,

die uns lehren, die Schöpfung zu lieben und zu bewundern. An die müssen

wir uns halten, wenn wir Freude am Leben haben wollen -- nicht an die

anderen, die uns böse, grausam und ungerecht erscheinen, nur weil wir

sie nicht verstehen, nur weil wir sie gerne anders hätten, so, wie es

uns paßt. Denke nur, Kind: die Welt ist so groß, und wir Menschen sind

so klein. Da kann sich doch nicht alles um uns allein drehen. Was uns

schadet, was uns weh tut? Wer kann wissen, ob das nicht notwendig ist

zum Wohl und Nutzen der ganzen Schöpfung? Wir müssen von dem, was wir

als schön und gut erkennen, einen Schluß auf alles andere ziehen und

sagen: In jedem Ding der Welt, ob es tot ist oder atmet, lebt der große

weise Wille des Schöpfers. Uns kleinen Menschen fehlt nur der Verstand,

um diesen Willen zu begreifen. Wie alles ist in der Welt, so muß es

sein. Und wie es auch immer sein mag, immer ist es gut im Sinne des

Schöpfers.«

»Aber dann müßte man doch immer mit allem zufrieden sein? Und eigentlich

hätte dann auch kein Mensch ein Recht, daß er sich beklagt?«

»Dieses Recht, Kind, hat jeder Schwache, der nicht die Kraft besitzt,

seinen Schaden zu verschmerzen und das Unabänderliche zu tragen.«

»Wenn man aber die Kraft nicht hat? Kann man das lernen, Lo?«

»Ja! Man kann es. Und wer das lernte: stark sein im Schmerz; nicht

wünschen, was unerreichbar oder wertlos ist; zufrieden sein mit dem Tag,

wie er kommt; in allem das Gute suchen und Freude an der Natur und an

den Menschen haben, so, wie sie nun einmal sind; für hundert bittere

Stunden sich mit einer einzigen trösten, die schön ist; und aus Herz und

Können immer sein Bestes geben, auch wenn es keinen Dank erfährt -- wer

das lernte, der ist ein Glücklicher! Frei und stolz! Sein Leben ist

immer schön und reich. Und nichts kann ihm geschehen. Er kann nur

sterben und lächeln dabei.« In tiefer Bewegung legte sie den Arm um den

Hals des Bruders. »Und weißt du, wer solch ein Glücklicher war?«

Heiße Röte flammte über das Gesicht des Knaben. »Ja, Lo, ich weiß

es! -- Unser Vater!«

Die Schwester nickte nur. Dann saßen sie schweigend und blickten zu den

leis tönenden Wipfeln des Harfenbaumes auf. Doch jäh verwandelte sich

dieses sanfte Klingen. Ein starker Windstoß kam über den Wald gebraust

und schüttelte die Zirbe, daß die Glocken wirr durcheinander klirrten.

Mit ernsten Augen sah Lo zum Himmel und zu den Bergen auf. »Sieh nur,

der Wind hat gewechselt!« sagte sie zögernd. »Ich fürchte, wir bekommen

heute noch böses Wetter.«

»Aber Lo!« Gustl versuchte zu lachen. »Du? Und fürchten?«

»Du bist bei mir!« sagte sie und strich dem Bruder das Haar aus der

Stirn.

Da klang ein gellender Jauchzer aus dem Wald.

»Das ist der Loisli!« rief Gustl und ließ zur Antwort seine Stimme

schrillen.

Der Hüterbub kam zum Gartenzaun gesprungen, so atemlos, daß er den Gruß

kaum herausbrachte. Während er nach Luft schnappte, tauschte er schon

mit Gustl einen wichtigen Blick und blinzelte zum See hinunter.

»Aber Bub«, sagte Lo, »weswegen hast du denn wieder so rennen müssen?«

»Daß ich -- gschwinder da bin -- und länger bleiben kann!«

»So? Na also, dann bleib halt!« Sie nahm den Proviant, den er gebracht

hatte, und stellte das Geschirr in den Schatten der Hütte.

Diesen Augenblick benützte der Bub, um Gustl zuzuflüstern: »Heut beißen

s', d' Fisch! A Wetter kommt!«

Gustl rannte in heißem Eifer hinter die Hütte und brachte die Angelrute.

»Ach so? Ihr wollt fischen?«

»Ja, Lo! Gelt, ich darf? Weißt du, der Loisli kann's so gut.«

Wieder fuhr ein Windstoß über den Wald, und wieder blickte das Mädchen

in Unruhe zum Himmel auf. »Kind! Ich glaube fast, es wäre klüger, wenn

wir heimgingen.«

»Schon heute? Lo?« Dem Knaben schossen die Tränen in die Augen.

»Ein schweres Wetter wird kommen.«

»Aber Lo! Es ist doch der ganze Himmel blau.«

»Jetzt, ja! In ein paar Stunden wird's anders aussehen.«

»Ja, Fräuln«, fiel Loisl höchst undiplomatisch ein, während er an der

sonnigen Hüttenwand eine Fliege nach der anderen fing, um Köder für die

Angel zu sammeln, »heut wird's grob auf d' Nacht.«

»Hörst du! Und denk nur, wie Muttl sich wieder sorgen wird.«

»Aber schau, Lo, sie weiß doch, ich bin bei dir. Da bin ich gut

aufgehoben. Auf dich kann Muttl sich doch verlassen. Ich bitte dich,

Lo!«

Es wurde ihr schwer, dieser Stimme und diesen nassen Augen zu

widerstehen.

»Und schau, Lo, ein Gewitter ist doch wirklich nichts Böses. Das ist

halt auch, wie es sein muß. Und wir haben doch fünf Stunden bis hinaus.

Da könnten wir doch erst recht ins Wetter kommen.«

Sie lächelte. »Du kleiner Schlaukopf du! Na, meinetwegen, geh fischen!

Ich will ein paar Zeilen heimschreiben. Der Sebener Senn trägt heute ab,

und dem geb ich sie mit. Dann hat Muttl den Brief vor Abend, und wenn es

zu gießen anfängt, weiß sie, wir sind unter Dach.«

Ein stürmischer Kuß. Und mit lachender Freude tollten die beiden Jungen

zum See hinunter.

Lolo setzte sich an den Tisch. Die Hände im Schoß und den Kopf an den

Baum gelehnt, blickte sie in Gedanken zu den wehenden Zweigen auf. Sie

schien das Schwanken und Neigen der vom Wind bewegten Äste nicht zu

sehen, die tönenden Stimmen der Wipfel nicht zu hören. Plötzlich, wie

aus einem Traum erwachend, strich sie mit der Hand über die Stirn und

begann mit raschen, kräftigen Zügen zu schreiben.

Sie hatte den Brief noch nicht vollendet, als vom See herauf ein

jubelnder Schrei tönte. »Lo! Lo! Wir haben eine riesige Forelle

gefangen.« Und Gustl jauchzte, daß es weit hinaufhallte über die steilen

Berge.

Als Lolo den Brief an die Mutter geschlossen hatte, ging sie zum See

hinunter.

Gustl kam ihr entgegengesprungen, mit der Forelle in den erhobenen

Händen. »Schau nur, Lo! Und drei andere haben gebissen. Aber die ist

schön, gelt? Die ist schön?«

Gar so »riesig« war die Forelle nun freilich nicht, aber ein Pfund

mochte sie immerhin wiegen.

»Ja, die ist schön. Ich nehme sie dann gleich mit hinauf. Die koch ich

dir heut zu Mittag.«

»Aber Lo! Ich habe die Forelle doch für dich gefangen.«

Lächelnd sah sie dem Knaben in das vor Freude glühende Gesicht. »Wie

gut du bist! Aber wir teilen, gelt?« Sie wandte sich an den Hüterbuben.

»Loisli! Du wirst heim müssen. Jetzt warst du schon über eine Stunde da,

und der Vater wird dich bei der Arbeit brauchen. Magst du mir noch einen

Gefallen erweisen?«

Der Bub legte die Angelrute nieder.

»So trag mir diesen Brief zum Sebener Senn hinunter. Er soll ihn mit

hinausnehmen nach Leutasch, für meine Mutter.«

Zwei Stunden später wurde im Schatten des Harfenbaumes Tafel gehalten.

Nach der blauen Forelle gab's noch einen Pfannkuchen, von welchem Gustl

meinte, daß er den Pfauenzungen des Lukullus unbedingt vorzuziehen wäre.

Und in den Gläsern funkelte »vinum sacrum Sebenianum«, heiliger

Sebenwein, wie Gustl das klare Quellwasser getauft hatte. Fast aber wäre

die ganze schöne Bescherung dieses Mahls auf der Erde gelegen, denn ein

Windstoß blähte das Tischtuch wie ein Segel auf. Das war für Gustl eine

lustige Würze des Schmauses, und lachend trocknete er den vinum sacrum

von seiner Lederhose, auf die das umgeschleuderte Glas gefallen war.

Als er der Schwester beim Abdecken des Tisches half, rollte ein dumpfer

Hall über die Berge hin.

»War das Donner, Lo?«

»Nein.«

Hoch droben in einem der Felsenkare, in stundenweiter Ferne, war ein

Schuß gefallen.

Schweigend spähte Lo zu dem Felsgewirr hinauf, dessen Konturen in

weißlichem Dunst verschwammen. Während zarte Röte ihre Wangen färbte,

sprach es wie Sorge aus ihrem Blick. Wenn Jäger dort oben waren, dann

durften sie sich eilen mit der Heimkehr!

»Wenn nicht Donner, was war es dann?«

Lo überhörte die Frage des Bruders, und nach einer Weile sagte sie: »Das

Wetter kommt. Hinter der Sonnenspitze ziehen schon die ersten Wolken

herauf. Eine Stunde, und der ganze Himmel wird grau sein.«

Wohl schob sich die stahlblaue Wolkenmasse mit ihren zerrissenen Rändern

nur langsam über die Berge. Aber von allen Wänden begann es

aufzudampfen, überall in den Lüften wuchsen die Nebel aus dem Blau und

flossen mit dem heranziehenden Gewölk zu einer dichten, grauen Decke

zusammen, die alle Höhen verhüllte. Dennoch schien es, als wollte die

Spannung der Atmosphäre sich friedlich wieder lösen. Windstille trat

ein, das Ziehen und Drängen der Wolken wurde ruhiger, und gegen fünf Uhr

nachmittags begann ein leichter, gleichmäßiger Regen zu fallen.

Auf der Schwelle der Hüttentür saßen die Geschwister im Schutze des

vorspringenden Daches. Gustl, der jeden Wechsel im Wolkenbilde des

Himmels gespannt verfolgte, plauderte mit erregter Unermüdlichkeit. Die

Schwester hörte nur halb. In Sorge blickte sie immer wieder zu den

umschleierten Bergen auf und über den See hinüber zu den

Latschenfeldern, zwischen deren Büschen man die im Nebel verschwindenden

Serpentinen eines Steiges kaum noch gewahren konnte. Das beklommene

Wesen der Schwester fiel dem Knaben auf, und er fragte: »Lo? Was hast du

denn?«

»Ich weiß nicht. Aber dieses Wetter heute --«

»Der Regen läßt ja schon nach. Wirst sehen, wir werden heute noch den

schönsten Abend bekommen.«

»Meinst du?« Ein seltsames Lächeln.

Während der Knabe sein Geplauder wieder begann, wurde der Regen immer

dünner. Aber es war etwas Schwüles und Unheimliches in dieser trüben

Stille der Natur. Das Gewölk hing regungslos in der Luft und färbte sich

immer dunkler. Zu einer Stunde, in der es bei klarem Himmel noch heller

Tag hätte sein müssen, begann es schon zu dämmern. Und da hörte man

fernen Donner. Der Sturm fiel ein und jagte mit brausenden Stößen den

Nebel in dichten Schwaden über das Seetal herunter, so daß die kleine

Hütte wie von wirbelnden Schleiern umhangen war. Immer näher tönte das

Rollen des Donners, dieses Grollen und Dröhnen setzte nicht mehr aus;

das Echo eines Schlages rollte so lange, bis mit Geschmetter ein neuer

Schlag wieder einfiel.

Als der Sturm gekommen, hatte Lo in der Hütte die Lampe entzündet und an

den zwei kleinen Fenstern die Läden geschlossen. Bei Einbruch der

Dunkelheit öffnete sie plötzlich den Laden des Fensters wieder, das

gegen die Berge blickte.

»Lo? Warum tust du das?«

»Damit die Lampe hinausleuchtet.«

»Meinst du, es könnten noch Menschen draußen sein? Jetzt?«

»Ja, ich fürchte.«

Schweigend begann sie den Tisch zum Tee zu decken und schürte im Herd

ein kleines Feuer an.

Gustl, der unter die Tür getreten war, fuhr plötzlich erschrocken

zurück. Der erste Blitz war in das finstere Seetal heruntergefahren. Man

hatte keinen Strahl gesehen, aber der Nebel, den der Sturm an der Hütte

vorüberjagte, war wie in lohendes Feuer verwandelt, und dazu rasselte

ein Donnerschlag, als wäre von den Bergen eine Felswand niedergebrochen.

Lo trat unter die Tür und faßte wortlos die Hand des Bruders.

Wieder flammte ein Blitz, und schwer begann der Regen zu fallen.

Plätschernd ging von allen Kanten des Daches die Traufe nieder, und mit

dem Rauschen des Regens mischte sich das Brausen des wachsenden Sturmes.

Da erwachte auch in Gustl eine Sorge. Er hatte an die Mutter gedacht und

fragte: »Lo? Meinst du, daß es draußen bei uns in Leutasch auch so

schlimm ist?«

»Nein.«

Der Sturmwind peitschte die Wasserfäden der Traufe bis auf die Schwelle

der Hüttentür.

»Komm, Lo, wir müssen die Tür schließen. Dein Kleid wird naß.«

Sie schwieg und blieb auf der Schwelle stehen.

»Aber, Lo, was hast du denn nur? Ach, du, wie deine Hand zittert! Lo?«

Ohne zu antworten, drückte sie den Knaben an sich. Plötzlich fuhr sie

lauschend auf, sprang in den Regen hinans und stammelte: »Sie kommen!«

Nun konnte auch Gustl das Klirren eines Bergstockes und eine vom Sturm

verwehte Stimme hören.

Lo hatte einen klingenden Laut in die Nacht hinausgeschrien, und als

zwei Stimmen Antwort gaben, rief sie: »Herr Fürst? Sind Sie es?«

»Ja, Fräulein!« Man hörte ein Lachen, das im Lärm des Regens unterging.

»Ihre Hütte kommt uns gut in den Weg.«

Lo sprang in den Schutz des Daches zurück, schüttelte die Regentropfen

aus dem Haar und lächelte, als wäre alle Sorge der letzten Stunde von

ihr abgefallen.

Man hörte die Schritte der beiden Männer, die den Zaun umgingen, und die

Stimme des Jägers: »Da bin ich, Duhrlaucht, da! Zehn Schritt grad aus!

Jetzt wieder links! Soooo, jetzt haben wir's gleich.«

Gustl erkannte die Stimme. »Lo! Das ist ja der Pepperl! Wer ist denn der

andere?«

»Fürst Ettingen!« sagte sie und nahm den Knaben um den Hals.

»Der so lieb und gut vom Vater gesprochen hat?«

»Ja!«

»Gott sei Dank, daß der jetzt unterstehen kann bei uns!«

Ein Blitz durchleuchtete grell den Nebel, als die beiden Männer in den

Garten traten. Die Helle blendete die Augen, und in der schwarzen

Finsternis, die ihr folgte, verlor Ettingen den Weg und strauchelte über

die Rabatte eines Beetes. Aber da hatte schon eine Hand die seine gefaßt

und zog ihn unter das vorspringende Dach.

»Ihre Hand, Fräulein, führt gut. Ich danke Ihnen. Schlimm wär's ja nicht

geworden, ich wäre nur in Blumen gefallen.«

»Aber in nasse«, meinte sie heiter, »und ich glaube, Sie könnten schon

zufrieden sein mit dem Wasser, das von Ihnen herunterläuft?«

»Das ist nur der Mantel!« Lachend befühlte Ettingen unter dem triefenden

Loden seine Kleider. »Wirklich, unter dem Mantel bin ich leidlich

trocken. Aber lange hätt es nicht mehr dauern dürfen. Dann wär's

durchgegangen.«

»Ja, heut hätt's uns schiech derwischen können!« sagte Pepperl, während

er sich schüttelte, daß die Tropfen wie ein Sprühregen um ihn herflogen.

Er war weit übler weggekommen als Ettingen, denn er trug um die

Schulter nur ein dünnes Radmäntelchen, mit dem er mehr die Büchse seines

Jagdherrn als sich selber vor dem gießenden Regen geschützt hatte.

»Teufi, Teufi, Teufi! Dös is aber schon 's reine Glück heut --« Ein

krachender Donnerschlag erstickte, was Pepperl noch weiter sagte. Er

stellte die Büchse an die Hüttenwand, half seinen Herrn aus dem

klatschenden Loden wickeln und hängte die beiden Mäntel an das

Efeuspalier, damit von dem Zeug die ärgste Nässe abtropfen konnte.

Ein rauschender Windstoß fegte unter das Dach herein und machte in der

Hütte die Lampe flackern.

»So kommen Sie doch, ich bitte!« mahnte Lo, während sie die Tür geöffnet

hielt. »Im Mantel muß Ihnen warm geworden sein. Kommen Sie! Und eine

Tasse Tee darf ich Ihnen doch anbieten?«

»Ja, Fräulein! Und wenn Sie noch was dazu haben, nehm ich es auch. Ich

habe heut eine leise Ahnung von dem, was man einen Wolfshunger nennt.«

Er reichte ihr die Hand, mit frohen, glänzenden Augen, und trat in die

Stube.

Groß war sie nicht, diese Stube im Sebenhäuschen. Aber gemütlich! In der

einen Ecke stand das mit einer weißen Decke verhangene Bett, in der

anderen ein alter Schlafdiwan, der schon zum Nachtlager für Gustl

gerichtet war; darüber ein kleiner Wandschrank; und in der dritten Ecke

der gemauerte Herd. Außer einer niederen Truhe und einem Rahmen für das

Geschirr bestand die ganze übrige Einrichtung aus zwei Holzstühlen und

einem Tisch, der in der Mitte des Stübchens, unter der brennenden

Hängelampe, schon zum Tee gedeckt war. Neben dem singenden Teekessel

schmückte eine Borkenvase mit Edelrosen den weißen Tisch. Überall an den

hübsch getäfelten Wänden waren große Waldschwämme und Rindentrichter mit

Blumen-und Gräsersträußen angebracht, und die Ecken waren geziert mit

Latschenzweigen, deren kräftiger Harzduft den ganzen Raum erfüllte.

Ettingens Augen blieben an dem Knaben haften, der sich bescheiden in die

Ecke neben dem Herd zurückgezogen hatte. »Das ist Ihr Brüderchen,

Fräulein? Das Studenterl, das vorige Woche in Ihrem Haus erwartet

wurde?«

»Ja, Herr Fürst.«

»Na, schön guten Abend, kleiner Mann! Und da du der Herr im Hause bist,

bedank ich mich für die gastliche Aufnahme unter deinem Dach.«

Der Junge trat stramm auf den Fürsten zu, reichte ihm die Hand und

machte ein tiefes Kompliment.

»Wie heißt du denn?«

»Gustl.«

»Augustus? Oh! Das ist ein Name, der verpflichtet. Wer _Augustus divinus_

war, das weißt du doch sicher schon?«

»Natürlich! Wir sind zwar heuer in der römischen Geschichte erst bis zur

Verschwörung des Catilina gekommen. Aber wer die Kaiser waren, das weiß

man doch!«

Mit wachsendem Wohlgefallen betrachtete Ettingen den Jungen. »Das ist

eine Antwort, aus der ich errate, daß du ein fleißiger Student bist. Hab

ich recht?«

»Ja, das darf ich bestätigen«, sagte Lo, deren Blick mit zärtlichem

Stolz auf dem Bruder ruhte, »er hat ein Zeugnis heimgebracht, das sich

sehen lassen darf.«

Die Genugtuung, mit welcher Gustl dieses Lob zu hören schien, vertrug

sich nicht mit seiner Gewissenhaftigkeit. Seine Wangen färbten sich,

während er sagte: »Aber Lo! Die Betragensnote hätte doch wirklich besser

sein können.«

Ettingen lachte. »Warum? Ist die nicht so gut ausgefallen wie die Note

für römische Geschichte? Na, da tröste dich mit mir, kleiner Mann! Mein

Betragen war auch nicht immer das beste. Junges Blut muß das Recht

haben, daß es flinker läuft als Professorenwürde.« Ettingen zog den

Knaben in den Schein der Lampe. »Es ist überraschend, Fräulein, wie sich

in diesem schmalen Gesichtl schon die kräftigen Züge Ihres Vaters

erkennen lassen: die Form der Stirne, hier die Linie von der Wange gegen

das Kinn, der Schnitt der Augen und der Nase. Nur in der sanften

Zeichnung des Mundes -- da gleicht er Ihnen! Und schlägt wohl der Mutter

nach?« Er strich mit der Hand über Gustls Haar. »Ja, kleiner Mann, du

gleichst deinem Vater. Da mußt du ihm auch in allem übrigen ähnlich

werden. Aus dir muß sich im Leben was Tüchtiges auswachsen. Du trägst

einen Namen, dem du Ehre machen mußt. Es ist der Name deines Vaters!«

Gustls Augen blitzten.

Dann war's eine Weile still in der kleinen Stube. Draußen trommelte der

Regen, und unaufhörlich rollte der Donner. Weil der Sturm die Traufe

gegen das Fenster peitschte, schloß Gustl auf einen Wink der Schwester

die Läden. Sie selbst bestellte den Tisch mit einer Freude, die aus

ihrem ganzen Wesen sprach.

Ettingen hatte sich behaglich auf einen Holzstuhl niedergelassen. »Wenn

Sie wüßten, Fräulein, wie wohl mir ist! Ich habe den Wunsch, hier immer

so zu sitzen und nicht mehr aufzustehen. Das macht nicht der trockene

Unterstand, den ich nach unbehaglichem Marsch in der Finsternis und

unter gießendem Regen hier gefunden habe. Das macht Ihre Nähe. Die

zufriedene Lebensfreude, die ruhige Heiterkeit, die in Ihnen wohnt, geht

auch auf andere über. Das fühlt man, wie man Licht und Wärme fühlt.«

In Verwirrung suchte Lo nach Worten. Da kam Pepperl über die Schwelle

gestolpert. »Teufi, Teufi, Teufi«, lachte er und riegelte hurtig hinter

sich die Tür zu, »jetzt bin ich froh, daß ich ins Trückene komm. Ich hab

's Büchsl gschwind noch a bißl sauber gmacht und hab die Mäntel

ausgwunden.« Er streckte die Arme und guckte an sich hinunter. »Oben

tut's es. Aber 's Untergstell! Saxen noch amal, meine Kurzlederne, die

schaut gut aus! Aber no: die is ans Wasser gwöhnt.« Er dachte an die

gründliche Taufe, die seine »Kurzlederne« in der Sennhütte empfangen

hatte. »Gelten S', Duhrlaucht, heut haben wir's nobl troffen!« Lachend

stellte er sich an den Herd und ließ sich von der Wärme anstrahlen.

»Jetzt kann ich's ehrlich sagen: wie wir da droben im Nebel umanand

krabbelt sind, und wie d' Nacht und so a Wetter eingfallen is, da hat

mir graust!«

»Haben Sie denn das Wetter nicht kommen sehen?« fragte Gustl.

»No, da wär ich a sauberer Jager! Aber wissen S'«, wandte Pepperl sich

an Lo, welche die kochenden Eier überwachte, »gegen Mittag, wie's

wetterig worden is, waren wir droben auf der Schneid, wo's von die

Sebenberg nuntergeht ins Prantlkar. Gleich hab ich gsagt: Duhrlaucht,

jetzt müssen wir heim! Durchs Prantlkar wären wir leicht zur

Schutzhütten nunterkommen bis auf'n Abend. Aber der Herr Fürst hat

positiv übern Sebensee heim wollen. No ja, und wie der Nebel eingfallen

is, sind wir dagstanden wie der Schuster, wann er an Kittel machen

soll.«

Ettingen lachte.

»Ja, gelten S', jetzt können S' lachen? Aber da droben hat's schiech

ausgschaut! Ich sag Ihnen, Fräuln, aufgschnauft hab ich, wie ich dös

gottsliebe Lichtl von Ihrem Hüttl gsehen hab!«

»Siehst du, Lo!« fuhr Gustl in Erregung auf. »Siehst du, es hat

geholfen! Ja, Pepperl, Lo hatte die Läden schon geschlossen und hat sie

wieder aufgemacht, damit das Licht hinausleuchtet.«

»Fräulein?« fragte Ettingen. »Sie haben vermutet, daß wir kommen?«

»Ich hatte Ihren Schuß gehört.«

»Da müssen wir Ihnen doppelt dankbar sein!« Er nahm ihre Hand und sah

ihr in die Augen. »Wie wohlgeborgen müssen sich die Ihrigen fühlen, da

Ihre Sorge schon so warm für fremde Menschen redet!«

Sie erwiderte lächelnd: »Fremde Menschen? Menschen, die man in Gefahr

weiß, stehen uns immer nah. Und Sie, Herr Fürst? Nach allem, was Sie mir

von meinem Vater sagten? Sie sind kein Fremder für mich und die Meinen.«

Aufatmend löste sie ihre Hand und ging zum Herd. »Haben Sie Erfolg auf

der Jagd gehabt?«

Pepperl kicherte. »So, Duhrlaucht, jetzt können S' Ihnen sauber

schenieren vor'm Fräuln! Auf fufzg Schritt is ihm der Gamsbock

dagstanden. Und nobel hat er ihn gfehlt! So a Schütz, wie der Herr

Fürst! An was S' da denkt haben, Duhrlaucht, dös weiß der heilige Peterl

droben. Und ^der^ net gwiß!«

»Ja, Pepperl«, versicherte Ettingen mit herzlichem Lachen, »an Ihren

Gemsbock hab ich ^nicht^ gedacht. Das stimmt!«

Der Tee duftete aus der Kanne, Lo brachte die in eine Serviette

gehüllten Eier zum gedeckten Tisch, und das Mahl konnte beginnen. Da

ergab sich eine Schwierigkeit: vier Tischgäste und nur zwei Sessel!

Pepperl zog für sich die Truhe zum Tisch, und auf ihr saß er so tief,

daß er gerade noch mit dem Kinn über die Tischplatte reichte. Lolo

wollte den Platz auf ihrem Sessel mit dem Bruder teilen, aber Gustl

holte sich zwei Holzscheite vom Herd, stellte das eine senkrecht, legte

das andere quer darüber, und so hatte er den »schönsten Schaukelstuhl«,

mit dem er freilich bei jeder leisen Bewegung umzukippen drohte. Die

glückliche Lösung der Platznot leitete den Schmaus mit Heiterkeit ein,

und während draußen der Regen prasselte, der Donner krachte und der

Sturmwind rüttelnd um die Holzwände fuhr, wurde im Schutze des kleinen

Daches mit Lachen geplaudert und gespeist.

^Zwölftes Kapitel^

Ein Glück war's, daß Loisli am Morgen frischen Vorrat an Butter und

Ehrwalder Weizenbrot gebracht hatte. Sonst würde sich das kleine Seehaus

als zu arm erwiesen haben für den gesunden Appetit der beiden Jäger,

die seit dem Frühstück um drei Uhr morgens keinen Bissen mehr genossen

hatten. So wurden, wie Ettingen versicherte, »die Wölfe allmählich

zahm«. Je toller es draußen zuging, desto fröhlicher steigerte sich die

Laune am Tisch. Die wohlige Stimmung inmitten des rumorenden Ungewitters

leuchtete von allen Gesichtern, am hellsten aus den Augen des Fürsten.

In jedem seiner Blicke war dankbares Wohlgefallen an der stillen,

aufmerksamen Art, mit welcher Lo ihren Gast bediente und für ihn sorgte.

»Wer das immer so haben könnte«, sagte er, »nicht nur für eine Stunde,

für immer: sich in allem Sturm, den das Leben bringt, so sicher und froh

zu fühlen, wie wir da sitzen, während draußen alles drunter und drüber

geht!«

»Das können S' haben, Duhrlaucht!« meinte Pepperl lachend, während er

zum fünftenmal seine Tasse füllte. »Bleiben S' da bei uns und

verangaschieren S' d' Fräuln Petri als Wirtschafterin ins Jagdhaus! Da

kriegen wir's gut.«

Heiter ging Lo auf den Scherz des Jägers ein. Gustl schien die Sache

ernst zu nehmen und betrachtete beklommen bald die Schwester, bald den

Fürsten, der keinen Blick von Lo verwandte und jedes Wort von ihr wie

eine neue Freude zu empfangen schien.

Auch Pepperl war nachdenklich geworden. Das »Jagdhaus« mochte ihn an ein

anderes Gebäude erinnert haben, das nicht weit davon lag. Mit

seufzendem »Vergeltsgott!« zog er, als Ettingen die Servierte faltete

und Lo den Tisch zu räumen begann, die Truhe an ihre Stelle zurück,

setzte sich wieder und lehnte sich mit gekreuzten Armen an die

Hüttenwand. Und Gustl, den das Turnen auf seinem Schaukelstuhl ermüdet

hatte, trug die beiden Scheite zum Herd und schmiegte sich in die Ecke

des Diwans.

So blieben Ettingen und Lo allein am Tisch, überschimmert vom Lichtkreis

der Lampe, während alle Ecken und Wände der Hüttenstube in tiefem

Schatten lagen. Und sie allein nur sprachen. Ettingen fragte, und Lo gab

Antwort.

Wie einer, der am Weg eine seltene Blume findet, an ihrer Schönheit sich

nicht satt zu schauen vermag und die Sehnsucht empfindet, das liebliche

Wunder dieser Farben ganz zu verstehen -- so fühlte sich Ettingen diesem

Mädchen gegenüber. Er fragte und fragte, als sollte für ihn auf dem

Grund dieser klaren Menschenseele kein Licht und keine Regung verborgen

bleiben. Wie mußte er staunen über die seltene Bildung dieses

»Dorfkindes«! Und wie ruhig und einfach sie das Leben ansah! Alle

schreienden Fragen der menschlichen Daseinsnot waren für sie gelöst

durch ihre wunschlose Zufriedenheit, durch die Herzensgüte, mit der sie

alles umschloß, durch ihren Glauben an das Schöne und an die zweckvolle

Notwendigkeit alles Bestehenden, auch des Schmerzes. »Leben und leiden,

das klingt zusammen und läßt sich nicht trennen. Und könnten wir uns

denn eine Freude denken, wenn wir den Schmerz nicht kennen würden? Wir

lieben doch die Sonne nur, weil sie wiederkommt, wenn sie gesunken ist.«

Wohl mußte Ettingen bei seiner größeren Lebenskenntnis den Kopf zu

manchem Gedanken schütteln, den sie aussprach. Aber aus allem, was sie

sagte, hauchte ihn eine Wärme an, die sein ganzes Wesen durchdrang.

»Wie Sie von Welt und Menschen denken, liebes Fräulein, das ist so

gut, so schön! Aber die Wirklichkeit des Lebens ist rauh und zwecklos

häßlich, ist grundverschieden von dem abgeklärten Bild, mit dem Ihre

Seele alles widerspiegelt. Doch ich bin der letzte, der Sie in Ihrem

Glauben irremachen könnte! Und wer weiß, vielleicht haben Sie recht --

und wir Allerweltsklugen sind die Toren, die alle Weisheit für sich

haben, aber auch allen Schaden. Schließlich ist Wahrheit doch wohl

etwas anderes als Wirklichkeit. Wahrheit, die sich greifen läßt und

für alle gilt? Die gibt's nicht. Wenn Wahrheit nicht in uns ist, dann

ist sie nirgends. Nicht die greifbare Form der Dinge macht ihr Bild,

sondern der Blick, mit dem wir sie sehen, die Höhe oder Tiefe, aus der

wir sie betrachten. Und wie wir sie sehen, so sind sie für uns, und so

sind wir selbst. Das Leben ist gut für Sie, weil ^Sie^ gut sind. Sie

stehen hoch, und Ihr Blick ist hell. Wer so sehen könnte wie Sie!«

»Liegt das nicht im Willen eines jeden?«

»Meinen Sie?« Er schwieg und lächelte, als hätte er zu sich gesagt: »Ich

will's versuchen.«

Da hörten sie einen schweren Atemzug und blickten auf.

»Ach Gott! Der arme Junge!«

Gustl war eingeschlafen. In unbequemer Lage hing ihm der Kopf über die

Lehne des Diwans.

Während Lo zum Bruder hinüberging, riß auch Pepperl die Augen auf, der

ebenfalls ein Nickerchen gemacht hatte und nun erwachte, weil die

Stimmen so plötzlich schwiegen.

Die Ermüdung der beiden mahnte Ettingen an die Zeit, an die er seit dem

Eintritt in die Hütte mit keinem Gedanken gedacht hatte. Er sah nach der

Uhr und sprang erschrocken auf. »Ach, du lieber Himmel! Zwölf Uhr!

Fräulein! Ich habe Sie um die halbe Nacht gebracht. Wie soll ich meine

Unbescheidenheit entschuldigen? Ich kann es nur, wenn ich Sie zur

Mitschuldigen mache. Der Gast ist geblieben, weil ihn die Wirtin hielt.

Jetzt aber fort! Auf, Pepperl! Wir gehen.«

Gehorsam erhob sich der Jäger. Aber Lo sagte: »Sie können und dürfen

nicht gehen. Das Gewitter scheint ja vorüber zu sein, man hört keinen

Donner mehr. Aber dieser Regen, wie das gießt! Und jetzt, in der Nacht?

Dieser Weg! Nein. Ich erlaube nicht, daß Sie gehen.«

»Duhrlaucht, 's Fräuln hat recht!« fiel Pepperl ein und öffnete die Tür.

Ein sausender Luftstrom fuhr in die Hütte und peitschte den Regen über

die Schwelle. »Da schauen S' aussi, wie's tut! Und so was von

Finsternis! Da könnten wir den Hals riskieren. Na na, ^die^

Verantwortigung übernimm ich net. Jetzt müssen wir bleiben. 's Fräuln

wird net harb sein drum. Gelten S', na?«

Lo reichte dem Fürsten die Hand. »Wenn Sie gingen, würden Sie mir eine

Sorge machen. Ich ^bitte^ Sie, zu bleiben.«

Ihre Hand festhaltend, ließ Ettingen sich auf den Sessel nieder. »Gut!

Ich weiche der Majorität. Aber Gewissensbisse mach ich mir doch! Und

eine Bedingung stell ich: der arme Junge ist müd, er soll sich

niederlegen. Nicht wahr, Gustl, vor mir genierst du dich nicht?«

»Nein!« sagte der Junge mit seiner schlaftrunkenen Stimme. Er wartete

nur, bis die Schwester ihm zunickte, dann zog er das Jöpplein aus und

legte es sorgsam gefaltet über die Diwanlehne. In den Strümpfen und

mitsamt dem Lederhöschen schlüpfte er unter die Decke, in deren Schutz

er sich vollends entkleidete. »Lo, jetzt lieg ich!« Das sollte heißen:

Komm und sag mir gute Nacht! Als fünfjähriger Bub hatte er sich's

angewöhnt, vor dem Einschlafen die Schwester so zu rufen. Daran änderte

die Tatsache nichts, daß er im letzten Semester schon angefangen hatte,

den Cäsar zu lesen.

Sie ging zu ihm, und als er sie mit beiden Armen um den Hals nahm, küßte

sie ihn auf die Wange und sagte ihm leis ins Ohr: »Denk an den Vater!«

Ettingen betrachtete schweigend die Geschwister, und ein tiefer Atemzug

hob seine Brust, als wäre ein Wunsch in ihm erwacht, den er fühlte, ohne

ihn zu verstehen. Während Lo zum Tisch zurückkehrte und eine grüne

Blende um den Lampenschirm hängte, blickte er lächelnd zu ihr auf: »Wie

gut der kleine Mann da drüben jetzt schlafen wird!«

Nun saßen sie wieder am Tisch. Damit der Junge den Schlummer leichter

finden möchte, plauderten sie mit gedämpften Stimmen. Das machte auch

Pepperl sich zunutze und schloß die Augen wieder. Nur die beiden am

Tisch empfanden keine Müdigkeit, kein Verlangen nach Schlaf. Das leise

Sprechen beim eintönigen Rauschen des Regens gab jedem Wort, das sie

sagten, einen heimlichen, tieferen Sinn und umwob die Plaudernden mit

einer Stimmung, die sie genossen, ohne ihr nachzufragen. Manchmal, nach

einem ernsten Wort, verstummte ihr Geplauder. Dann saßen sie sich eine

Weile schweigend gegenüber, als hätten ihre nachklingenden Gedanken an

diesem Worte noch zu raten. Nach solch einer Stille sagte Ettingen

unvermittelt: »Die ganze Zeit schon, während ich plaudere mit Ihnen, bei

jedem Wort, das Sie sprechen, hab ich immer eine seltsame Empfindung.«

»Welche?«

»Daß wir nicht allein wären, hier am Tisch! Daß noch ein Dritter bei uns

wäre. Ihr Vater!«

Wie es aufleuchtete in ihren Augen! Das verriet ihm, mit welcher

Sehnsucht sie darauf gewartet hatte, daß er von ihrem Vater sprechen

würde.

»Bei vielem, was ich von Ihnen hörte, hab ich mir immer denken müssen:

Er ist es, der zu mir redet. Oft überkam mich die Täuschung, als

vernähme ich eine andere Stimme, nicht die Ihrige, ^seine^ Stimme. Ich

stelle mir vor, daß er ein tiefes, klangvolles Organ hatte -- eine von

jenen Stimmen, nach denen man sich umsieht, wenn man sie hört.«

»Nein!« Sie lächelte. »Papa hatte eine ganz unauffällige Stimme,

nicht stark und beinahe herb, fast immer ein wenig erregt und etwas

ungeduldig. Aber wie weich und zärtlich konnte diese Stimme klingen!«

Träumend blickte Lo vor sich hin. Ein Schatten tiefer Wehmut glitt über

ihre Züge. Dann atmete sie auf und sagte leis: »^Das^ kommt nicht

wieder. Da hilft kein Erinnern.«

Um die schmerzliche Stimmung zu verscheuchen, die sie befallen hatte,

begann er von seinem Besuch in ihrem Haus zu sprechen und schilderte ihr

den Eindruck, den er von jedem einzelnen Bild empfangen hatte. Lange

hörte sie ihm schweigend zu, keinen Blick von seinen Lippen verwendend.

Dann sprach sie manchmal ein paar flüsternde Worte dazwischen, um seine

nicht völlig zutreffende Auffassung eines Bildes richtigzustellen, oder

um zu sagen, aus welchem zufälligen, scheinbar unbedeutenden Erlebnis

ein besonders wirksames Motiv hervorgewachsen wäre. So kam sie

allmählich ins Erzählen und schilderte das Schicksal ihres Vaters, die

Anfänge seiner Kunst, das zähe Streben des verwaisten Bauernsohnes, der

zum Priester bestimmt war und aus dem Alumnenseminar hinübersprang auf

die Akademie. Sie schilderte das stille Glück seiner Liebe, als er in

der Erzieherin eines vornehmen Hauses, in dem er Zeichenstunden gab,

seine Frau gefunden hatte, schilderte seinen häuslichen Sorgenkampf,

seine Verzweiflung über das lachende Unverständnis, dem er mit seinem

eigenartigen Schaffen begegnete, seine Verbitterung und die Flucht aus

der Stadt. Noch ausführlicher erzählte sie, was sie selbst, als

heranwachsendes Kind, mit dem Vater erlebt hatte: sein Aufatmen im

Verkehr mit der Natur, die schönen Traumwochen am Sebensee, die Liebe zu

den Seinen und die Freude an seinem Haus, den Anfang jener

handwerksmäßigen Schilderei, die er im Zorn der Verbitterung begann, um

sie weiterzutreiben mit heiterer Ironie, fast mit einer Art von Freude

an ihr, weil sie anderen Freude machte. Sie erzählte von seiner Rückkehr

zu neuem, reiferem Schaffen, von der Ängstlichkeit, mit der er die

entstandenen Werke in seinem Haus verschloß, damit sie keinem

»Kunstaugur« und »Bildungstiger« vor Augen kämen, von seinem ganzen

Leben bis zu jenem letzten Tag nach dem Wolkenbruch, bis zu seinem

lächelnden Sterben und seinem letzten Wort: »Meine Blumen!«

Stunde um Stunde verging. Und die beiden merkten nicht, daß über dem

kleinen Dach das Rauschen des Regens immer leiser wurde und daß durch

die Ritzen der Fensterläden schon ein mattes Grau des erwachenden

Morgens hereinschimmerte.

»So starb er.«

Lange saßen sie schweigend, bis Ettingen ihre Hand nahm. »Ich kann es

Ihnen nachfühlen. Wie müssen Sie ihn schwer verloren haben!«

»Ja!«

Sie sagte sonst kein anderes Wort. Erst nach einer Weile konnte sie

wieder sprechen. »Das Lächeln, mit dem er starb, der leichte Seufzer,

mit dem er die Augen schloß -- das war mein Trost. Und das hat mir

hinübergeholfen über das Schlimmste, so daß ich die Mutter und den

Bruder stützen konnte. Er hat mich doch gelehrt, das Leben liebzuhaben,

aber auch den Tod nicht zu fürchten, nichts anderes in ihm zu sehen, als

einen Wandel der Form und eine schöne Ruhe, in die kein Schrei und Weh

des Lebens mehr hineinklingt. Und weil er starb, deshalb hat er uns

nicht verlassen. Immer seh ich ihn, immer ist er bei mir. Als ob er noch

lebte, so seh ich ihn vor mir stehen. Nur so still!« Ihre Stimme

schwankte. »So schweigsam! Wie ich auch mein Erinnern sammle -- seine

Stimme hör ich nicht mehr, auch nicht im Traum. Und wenn ich sie zu

hören meine, klingt sie anders. Nicht mehr so, wie sie war. Das ist eine

Sehnsucht, die mich nie verläßt: seine Stimme noch einmal zu hören -- nur

jenes Wort, das er immer zu mir sagte, wenn ich ihm eine Freude

machte -- mit der gleichen Zärtlichkeit, mit dem gleichen Ton: >Meine

gute, liebe, kleine Lo!< Das möcht ich noch einmal hören, nur ein

einziges Mal! Aber das kommt nicht wieder.« Zwei Tränen lösten sich

schwer von ihren dunklen Wimpern und sickerten langsam über die Wangen.

»Fräulein!«

Das war ein Laut, wie aus quälendem Schmerz heraus.

Und da erwachte der Jäger. Der erste Blick seiner verschlafenen Augen

galt dem Dach, über dem es stille war. Ein bißchen mühsam -- alle Glieder

schienen ihn zu schmerzen -- erhob er sich und öffnete die Hüttentür.

Weiße Helle und frische Morgenluft quoll in den Lampenschein der Stube.

»Da schauen S' her, Herr Fürst! Der schönste Morgen!« Lachend rieb der

Jäger sich die Augen und trat über die Schwelle hinaus.

Die beiden am Tisch erhoben sich.

»Wahrhaftig, der Tag ist da!« Ettingen faßte Lolos Hände. »Ich danke

Ihnen, Fräulein, für diese Nacht! Und wenn ich jetzt gehe, nehm ich um

Ihretwillen einen Wunsch mit fort.«

»Einen Wunsch?«

»Daß Sie ^das^ noch einmal hören möchten in Ihrem Leben, mit der

gleichen Zärtlichkeit und mit dem gleichen Ton: Meine gute, liebe,

kleine Lo!« Zögernd ließ er ihre Hände, ging zum Diwan hinüber und

küßte den schlummernden Jungen auf die Stirn.

Gustl erwachte, richtete sich in den Kissen auf, blinzelte mit den Augen

und sagte: »Guten Morgen!«

Das wirkte so drollig, daß sie lachen mußten, alle beide.

Zärtlich streichelte Lo dem Bruder die Wange. »Guten Morgen, Bubi! Aber

leg dich nur wieder hin und schlaf noch ein Weilchen! Es ist noch gar

nicht Tag, erst vier Uhr früh!«

»So? Aber gelt, wenn die Sonne kommt, dann weckst du mich, Lo?«

»Ja, Bubi!«

Gustl drehte sich auf die Seite. Nach einer Minute schlief er schon

wieder.

Lo und Ettingen traten vor die Hütte.

Im weißen Frühlicht lebten schon alle Farben der Landschaft auf, und

diese Farben hatten etwas Neues, Ungewöhnliches und Kraftvolles. Doch

nur in der Ferne erschienen sie klar. Über allen Farben der Nähe lag's

wie ein grauer Seidenschleier. Und unter der Schwere zahlloser

Wassertropfen waren die Kelche der Blumen gebeugt, ihre Blätter und

Zweige zu Boden gedrückt. Während Tropfen um Tropfen von ihnen

niederrollte, begannen sie schon langsam sich wieder aufzurichten,

frischer und schöner, wie von neuem Leben erfüllt. Von den schweren

Nadelzweigen des Harfenbaumes ging ein unaufhörliches Geriesel nieder,

und das war in der Stille des Morgens wie eine leise, heitere

Murmelstimme, in die sich mit tiefem Orgelton das ferne Rauschen der

wasserreichen Wildbäche mischte.

Ruhig dampfte der See. Die Dünste, die von ihm aufstiegen, zerflossen

wieder in den Lüften. Vereinzelte Nebelsäulen rauchten über die

schwarzgrünen Kämme der Wälder empor und zogen sich an den Gehängen der

Berge hin, die bei dieser lauteren Klarheit der Luft wie zum Greifen nah

und von doppelter Größe erschienen. An den Wänden, die gegen Westen

blickten, waren mit nassem Blau alle Formen verwaschen. In hartem

Bleigrau und scharf gezeichnet starrten die Felsen, die gegen Osten

sahen, von wo die Sonne kommen sollte. Sie kam noch nicht. In kalter

Helle leuchtete das dünne Blau des Himmels, und mit erlöschendem

Schimmer zitterte ein großer Stern noch zwischen dem letzten grauen

Gewölk, das langsam davonzog über den Grat der südlichen Berge. Aber

hoch am Himmel, hoch, eine kleine Herde winziger Lämmerwolken -- die

begann sich schon mit zartem Rot zu überhauchen. Und als sie leuchteten,

diese Wölklein, wie in die Lüfte gestreute Rosen, schwamm fern im Osten

über einen langen dunklen Bergzug ein Glimmen und Glasten herauf, in dem

alle Grate mit doppelter Linie gezeichnet waren: die eine Linie

blau-schwarz und die andere gleißend wie ein goldener Faden.

Von den Wänden zog ein frischer Windhauch über das stille Seetal

herunter, bewegte sacht alle Zweige an Busch und Bäumen, machte die

Tropfen in Menge fallen und strich über die Blumen und Gräser hin wie

eine Flüsterstimme: »Sie kommt, sie kommt!«

Leise rauschten die Wälder im tieferen Tal. Und jählings war es, als

hätte strömend der Duft aller Blumen sich gelöst, als stiege würzig und

stark aus dem Schoß der Erde herauf, was ihre getränkte Scholle an

Wohlgeruch besaß.

In solcher Luft! Wie war das ein leichtes und frohes Wandern!

Bald klangen die Schritte der beiden Jäger auf kahlem Gestein wie

Hammerschlag, bald wieder erloschen sie, wenn der Weg über feuchten

Rasen ging.

Ettingen atmete, als wäre in seiner Brust ein unersättlicher Durst nach

aller Frische dieses Morgens. Immer wieder blieb er stehen, winkte mit

der Hand und grüßte mit dem Hut zurück nach dem kleinen Haus da droben,

auf dessen Schwelle die regungslose, schlanke Mädchengestalt wie von

nebelhaftem Feuerglanz umwoben war -- vom rötlichen Lampenschein, der aus

der Stube quoll.

^Dreizehntes Kapitel^

Alle Gipfel der Berge strahlten im Widerschein der Sonne, als Ettingen

und Praxmaler gegen fünf Uhr morgens die Jagdhütte im Sebenwald

erreichten. Hier fanden sie einen aufgeregten Menschen: den Förster

Kluibenschädl. Der war mit Anbruch des Tages gekommen, um die Treibjagd

abzusagen, die erst am folgenden Tag gehalten werden sollte, weil -- ja,

weil der Wind nicht günstig wäre -- in Wahrheit, weil man im Jagdhaus in

zwei Tagen mit der Einrichtung des Grafenstüberls so weit nicht fertig

wurde, daß es tadellos und bereit wäre, die »freudige Überraschung«

aufzunehmen. Als Kluibenschädl in der Schutzhütte die Betten unberührt

und den Herd ohne Glut gefunden, war ihm die Sorge mit »gacher Hitz« in

den Kopf geschossen. Schon wollte er in seiner Angst zur nächsten

Almhütte rennen, um mit den Sennleuten die Suche nach seinem Herrn zu

beginnen. Da kamen die beiden, gesund und mit heiterem Geplauder. Es

hätte nicht viel gefehlt, und Kluibenschädl wäre in der ersten Freude

dem Fürsten um den Hals gefallen. Während Pepperl das ganze Abenteuer

lustig erzählte, umklammerte der Förster die Hand seines Herrn. Dann sah

er ihm lachend ins Gesicht und sagte: »Sakrawolt! Duhrlaucht! Die heutig

Nacht auf'm hülzernen Sessel muß Ihnen gut angschlagen haben. Ausschauen

tun S' wie 's Leben!«

Sie traten in die Hütte, und Pepperl schürte Feuer zum Frühstück an.

»No, Gott sei Lob und Dank, Duhrlaucht, weil S' nur wieder da sind! Und

bei der Fräuln Petri, da is man nobel aufghoben. Da hat Ihnen freilich

nix gschehen können!«

In froher Laune nahmen die drei das Frühstück ein. Dann machte der

Förster sich auf den Heimweg zum Jagdhaus. Als er schon ein paar hundert

Schritte davongewandert war, kam Pepperl ihm atemlos nachgerannt, mit

einem jagdlichen Zweifel, dessen Lösung so klar auf der Hand lag, daß

der Förster seiner Antwort kopfschüttelnd die Worte beifügte: »Na hörst,

das hättst doch selber wissen können! Da hättst doch net so rennen

müssen.«

»Ja ja, is schon wahr! Und jetzt marschieren S' heim, gelten S'?«

»Natürlich! Wohin denn sonst?«

»Ja, freilich! Und -- wie geht's denn allweil daheim?«

»Wie soll's denn gehn? Gut halt!«

»Was macht denn -- sag ich zum Beispiel, der Herr Kammerdiener?«

»D' Nasen streckt er in d' Höh und faulenzen tut er, derweil die anderen

schaffen. Und den halben Tag hockt er bei der Sennerin. Könnt was

Gscheiters tun, als dem dalketen Madl den Kopf verdrahn. Aber was

geht's denn mich an? Bhüt dich Gott, Pepperl!«

Mit traurigen Augen guckte Pepperl dem Förster nach, strich mit schwerer

Hand über die aufgedröselten Kreuzerschneckerln, zog das blaue Sacktuch

aus der Joppe und wischte die Lederhose ab, als hätte er das Gefühl, daß

er mit Wasser begossen wurde. Freilich, feucht war das Leder noch vom

Abend her.

In der Hütte fand er den Fürsten auf seinem Lager schon eingeschlummert.

Seufzend betrachtete Pepperl seinen Herrn. »Ah, ^der^ schlaft gut! Könnt

ich nur auch so schlafen heut!«

Nicht nur gut schlief Ettingen, auch lange.

Um drei Uhr nachmittags, als Toni Mazegger an der Hütte vorüberging, um

den Ehrwalder Jäger für die Treibjagd zu bestellen, waren Tür und Läden

des kleinen Balkenhauses noch geschlossen.

Mazegger schien Eile zu haben. Sein Gang war von treibender Hast. In

brütender Unruh starrte er vor sich hin, während er durch den Sebenwald

hinaufeilte gegen das Seetal. Das Almfeld öffnete sich vor ihm, und

wieder begann der Wald. Auf einer Lichtung wurde der Pfad gekreuzt vom

Sebener Almzaun, der das Jungvieh verhindern sollte, vom höheren Seetal

durch den Wald herunterzusteigen und die reichere Weide der vom

Milchvieh bezogenen Niederalm aufzusuchen. Der Zaun war ein mannshoch

aufgetürmter Wall von dürren Bäumen, von denen die untersten wohl schon

hundert Jahre oder noch länger lagen. Wo das dürre Zeug vermoderte und

im Winter unter dem Druck des Schnees zusammenbrach, wurden im Frühjahr

neue Reisighaufen und dürre Bäume auf den Wall geworfen, der die ganze

Breite des Seetals quer durchzog und zur Linken und Rechten

hinaufreichte bis zu den kahlen Wänden.

Bei diesem Almzaun war für drei Uhr morgens das Stelldichein der Treiber

und Jäger angesagt, die das Hochwild des Sebenwaldes hinunterdrücken

sollten gegen den bei der Geißtaler Ache liegenden Fürstenstand.

Wo der Pfad ging, hatte der Wall eine Lücke, die durch ein hohes

Stangengatter gesperrt war. Mazegger öffnete das Tor und schloß es

wieder. Immer langsamer wurde sein Gang. Als er neben dem Pfad einen

Baumstock sah, legte er Büchse und Bergstock nieder, trocknete die Stirn

und rastete. Mit zitternden Fingern glättete er den feucht gewordenen

Hemdkragen, band die Krawatte frisch, säuberte mit einem Büschel Moos

die Schuhe und wusch in einem Regentümpel die Hände. Seine schmucke

Jägerkleidung musternd, nahm er den Marsch wieder auf. Nur wenige

Minuten hatte er durch den Wald noch aufwärts zu steigen, bis er

zwischen den Bäumen den Seespiegel flimmern sah. Bevor er den Waldsaum

erreichte, spähte er nach allen Seiten. Am Ufer sah er den Knaben mit

der Angelrute stehen. Lautlos wich Mazegger in den Wald zurück und stieg

auf einem Umweg über das Latschenfeld zu dem kleinen Haus hinauf.

Unter dem Harfenbaum, an dem sich in der Goldstille des Nachmittags

keine Nadel rührte, saß Lo am Tisch. Sie hatte den Basthut abgelegt.

Umzittert von den Sonnenlichtern, die durch den Schatten des Baumes

fielen, saß sie über ein Schulheft des Bruders gebeugt, der unter dem

Eindruck des vergangenen Abends einen deutschen Aufsatz geschrieben

hatte: »Gewitter im Hochgebirg.« Der mit großen Worten spielende Schwung

der kindlichen Schilderung wirkte erheiternd auf Lo; doch ihr eigenes

Erinnern plauderte so viel in die harmlosen Zeilen hinein, daß ihr die

Wangen glühten.

»Schon sinket bei diesem Aufruhr der gesamten Natur die

schwarzgeflügelte Nacht auf die Berge herab.« So führte Gustl mit

klassischen Reminiszenzen und mit allen Stimmungseffekten seiner jungen

Schilderungskunst die kühne Prosadichtung zu einem erbaulichen Schlusse.

»Es heult der Sturm, alle Schleusen des Himmels sind geöffnet,

unaufhörlich kracht der Donner, und flammend zuckt aus den finsteren

Wolken der Wetterstrahl. Da, horch, eine Stimme! Sind Menschen in Not?

Ja, so ist es! Zwei verirrte Wanderer sind zum Spielball des Sturmes und

der Finsternis geworden. Ach, die armen, guten Menschen! Wie wird es

ihnen ergehen? Aber schon ist die Hilfe näher, als sie denken. Ein

Lichtlein blinket in der Nacht, und mit dankerfülltem Herzen betreten

die mit dem Schrecken davongekommenen Verirrten das gastliche Haus,

welches sie unerwartet in der Not gefunden haben. Der Herr des Hauses

heißet die Gäste freundlich willkommen, und während auf dem Herde das

wärmende Feuer flackert, bereitet die gute, emsige Schwester schon das

Mahl. Trotz fühlbaren Mangels an Betten weilen sie in fröhlicher

Eintracht beieinander, bis der Morgen nach allem Aufruhr der Natur

wieder das herrlichste Wetter bringt. Da scheiden diese Menschen, die

einander zum Teil ganz fremd gewesen, als treue Freunde für das Leben.

Daraus möge sich jeder die Lehre ziehen, daß man eine Hilfe, wo man

kann, auch immer leisten muß. Wer hartherzig ist, schadet nur sich

selbst. Wie leicht kann es ihm geschehen, daß er selbst in Not kommt,

und wie würde es ihm dann ergehen, wenn andere Menschen ebenso

hartherzig wären wie er selbst! Ist es denn nicht die schönste Freude,

einem Hilfsbedürftigen beizuspringen? >_Regia crede mihi_<, so sagt schon

der lateinische Dichter, >_res est succurrere lapsis_<, wahrlich eine

königliche Sache ist es, die Gestürzten wieder aufzurichten!«

Längst hatte Lo zu Ende gelesen, und noch immer blickte sie träumend auf

die kleinen, mit steifer Sorgfalt gemalten Buchstaben. Da trat Mazegger

in den Garten. »Guten Abend, Fräulein!« Die Erregung zerbrach ihm die

Stimme. Er stellte Gewehr und Bergstock an die Hüttenwand, nahm den Hut

ab und ging langsam auf den Tisch zu. Scheu, zwischen Hoffnung und

Zweifel, hingen seine heißen Augen an dem Gesicht des Mädchens.

Betroffen hatte Lo das Heft geschlossen und erhob sich. »Mazegger? Was

suchen ^Sie^ bei mir?«

»Ein gutes Wort. Und Hilfe.«

Sie schwieg.

Den Hut zwischen den Fäusten zerknüllend, stieß er mühsam hervor: »Sie

sind die Heilige fürs ganze Dorf und Tal. Jeder kommt zu Ihnen und nie

umsonst. Ihre Herzensgüt ist ein Brunnen für jeden armen und durstigen

Menschen. Und ich? Bin ich nicht ^auch^ ein Mensch? Dazu noch einer von

den ^ganz^ elenden! Mir ist zumut wie einem, der sich in einer schiechen

Wand verstiegen hat. Jeder Weg hat ein End. Und tief geht's hinunter. Da

steht er und schreit. Und wenn er schon merkt: jetzt muß ich fallen -- da

hofft er noch allweil auf die gute Hand, die ihm helfen könnt!« Er

sprach nicht weiter.

»Kommen Sie, Mazegger«, sagte Lo mit tiefem Ernst. Sie rückte in die

Bank und bot ihm den Platz an ihrer Seite an. »Sagen Sie, was Sie mir

sagen müssen. Hier sind wir allein. Mein Bruder ist drunten am See,

sonst ist niemand in der Nähe.«

Wie eine Flamme schlug es über das Gesicht des Jägers. Eine Hoffnung war

erwacht in ihm, und er stammelte: »Fräulein? Sie sind mir also nicht

mehr bös?«

»Böse? Weshalb?«

»Wegen neulich?«

»Nein.«

»Ich hab's auch bereut.« Mazegger hielt ihren Blick nicht aus und senkte

die Augen. »Daß man von Ihnen ein gutes Wörtl nur in Güt erwartet, das

hätt ich wissen müssen. Wie ein jähzorniger Bub hab ich mich benommen.

Verzeihen Sie mir's, Fräulein?«

»Ja, Mazegger!« sagte sie freundlich, als hätte dieses Wort sie selbst

von einem Alp erlöst.

Zögernd schob er den Hut auf den Tisch und setzte sich auf die Ecke der

Bank.

»Sprechen Sie, Mazegger! Was macht Ihr Leben elend?«

»Daß Sie das verstehen, dazu müßt ich Ihnen viel erzählen. Darf ich?«

»Ja!«

Jedes Wort mußte er sich abringen, während er von seiner Heimat sprach,

von aller Bitterkeit seiner Jugend. Als er sah, mit welcher Teilnahme Lo

auf ihn hörte, schien es, als wäre eine Fessel in seiner Brust

gesprungen, und in heißer Erregung floß ihm die Sprache von den Lippen.

Es war eine trübe Kinderzeit, von der Mazegger zu erzählen hatte. Und

als er in das Alter kam, in dem die Knaben schon mit einer Zukunft zu

rechnen beginnen, war vor seinen Füßen die Brücke niedergebrochen, die

ihn hätte hinübertragen können zu einem freundlichen Leben. Seine

Mutter, Carmè Luzzotti, war die Tochter eines italienischen

Bahnarbeiters in einem Dorfe bei Trient. Als junges Mädel verlor sie die

Eltern und wurde von einer Schwelle zur anderen gestoßen, bis sie ein

Winkelchen im Haus des deutschen Lehrers fand. Der erbarmte sich der

Verwaisten -- weil sie jung und hübsch war. Zuerst diente sie bei ihm als

Magd; dann nahm er sie zur Frau. Es war kein Glück in dieser Ehe; die

beiden Menschen waren so verschieden voneinander wie ihre Sprache -- und

die Sprache, das war es auch, was immer zwischen ihnen lag wie eine

Mauer. Damals begann, wie überall, auch in dem südtiroler Dorfe der

nationale Hader. Von der Straße und aus der Gemeindestube schlich er

sich in die Familien ein, auch in das Haus des Lehrers. Als Frau eines

Deutschen blieb Carmè Mazegger die Italienerin mit ihrem »Wällisch«, das

ihr eigener Sohn nicht reden sollte. Der sollte sprechen wie sein Vater,

der ihm alles erlaubte, nur um ihn vom Herzen der Mutter wegzureißen.

Dieser Hader ging immer über den Kopf des Knaben hin und her, und als er

in die Jahre kam, um die häßlichen Worte zu verstehen, war es ihm selber

lieb, daß man ihn fortschickte von daheim, nach Innsbruck auf die

Gewerbeschule, mit vierzehn Jahren. In Innsbruck gefiel es ihm, da

konnte er was sehen vom Leben und lernte Menschen kennen, die es gut

haben in der Welt. Das weckte den Ehrgeiz in ihm. »Auch aus mir soll

etwas werden, was Rechtes und Tüchtiges.« Aber vor lauter Wünschen kam

er nicht recht zum Lernen. Am liebsten wäre er schon mit sechzehn Jahren

gewesen, was andere, wenn sie Glück haben, mit dreißig werden. Und dann

kam dieses Unglück zu Hause. Die italienische Schule wurde eröffnet und

bald darauf die deutsche geschlossen. Das überlebte sein Vater nicht -- er

ging ins Wasser. Und die Mutter? Die wartete knapp ein halbes Jahr, und

dann nahm sie einen anderen, einen, der ihre Sprache redete und mit dem

sie sich verstand.

»Mit dem ist sie fortgegangen. Ob sie noch lebt oder ob sie schon

gestorben ist, das weiß ich nicht. Mich hat eine Schwester meines Vaters

ins Haus genommen, deren Mann in Leutasch draußen ein kleines Gütl hat.

Die Schul hab ich aufgeben müssen. Und alles dazu! Leben und Glück!«

Mazegger fuhr sich mit zitternder Hand über die Stirn. »Das Brot der

Verwandten essen? Schlechteres kann über einen nicht kommen in der Welt.

Da hab ich zuletzt noch froh sein müssen, daß ich den Posten als Jäger

gefunden hab. Jetzt hab ich mein Auskommen, aber keine Ruh in mir!

Allweil muß ich denken, was aus mir hätt werden können. Aber ich mein',

es wär noch allweil nicht zu spät für mich. Das hab ich nie so fest

geglaubt, wie jetzt.« Seine Augen brannten und seine Stimme wurde

heiser. »Nur müßt ich wen haben, für den ich's tu. Das tät mich treiben,

allweil höher hinauf, bis ich droben steh, wo ich sagen könnt: jetzt

verdien ich mein Glück und kann's vergelten! Daß ich das fertig brächt?

Ich glaub's von mir! Ich glaub's! Und Sie? Sagen Sie mir, daß Sie es

^auch^ glauben! Sagen Sie mir das, und alles bring ich fertig!«

Sie vermochte nicht gleich zu sprechen. Es schien ihr weh zu tun, daß

sie ein Ja nicht sagen konnte, nicht sagen durfte. Sie sah in ihm nicht

den Menschen mit dem leeren Wort von der eigenen Kraft, die nur eines

winkenden Lohnes bedarf, um ein Wunder zu vollbringen. Was sie sah in

ihm, war sein in die Irre geratenes Leben und war das Kind, das nie an

der Brust einer Mutter sein Haupt geborgen hatte. Das Erbarmen redete

aus ihrem Blick, als sie endlich Worte fand. Doch während sie ihm Mut

einredete, ihn mahnte, sein Leben ruhiger zu betrachten und dankbar auch

den bescheidenen Gewinn zu genießen, statt sich die Freude an ihm durch

den Vergleich mit dem glücklicheren Los der anderen zu vergällen --

während dieser Worte schien Mazegger nur zu ^sehen^, nicht zu

hören. Seine Augen erweiterten sich mit fieberhaftem Glanz, aus dem der

Durst seiner Leidenschaft und zugleich ein Staunen sprach, als hätte er

das Mädchen, nach dem seine Sinne zitterten, noch nie so schön gesehen

wie in dieser Stunde. Solch einem Blick begegneten ihre Augen. Sie

erhob sich erschrocken, so bleich, als hätte sie einen Schimpf erlitten,

gegen den sie wehrlos war -- als Weib.

Verstört sah Mazegger zu ihr auf. »Viel haben Sie geredet, Fräulein!

Schier weiß ich selber nimmer, was es war. Aber ich hab genug

verstanden.« Sein Mund verzerrte sich. »Was einer nicht hat, das kann er

nicht geben.« Mit heiserem Lachen erhob er sich. »Wenn der Brunnen Ihrer

Güt auch laufen tät wie ein Wetterbach -- aber Lieb hergeben, wo man Lieb

nicht hat?« Langsam trat er auf sie zu. »Kann man das? Oder kann's so

kommen, daß man ^muß^?«

Sie wich nicht zurück vor ihm. Aber als sie seine Augen sah, die wie mit

Fäusten nach ihr griffen, rann es ihr doch mit kalter Angst durch die

Glieder. Sie schrie den Namen des Bruders.

Mazegger lachte.

Mit dem Laut, den die Furcht ihr ausgepreßt, hatte sie die verlorene

Ruhe wieder gefunden. »Zu sagen hab ich Ihnen nichts mehr. Aber ich hab

noch eine Bitte an Sie, eine letzte.« Ohne seine Antwort abzuwarten,

ging sie zur Hütte, brachte einen Sessel und ein graues Buch.

Er sah ihr mit verblüfften Augen zu, wie sie sich auf den Sessel

niederließ, das Buch öffnete -- ein Skizzenbuch -- und den Bleistift nahm.

»Was heißt das?«

»Ich will Sie zeichnen«, sagte sie ernst, »dabei lernt man sehen. Und

das hilft. Ich habe das schon als Kind erfahren.«

Ratlos an seinem Bart zausend, ließ er sich auf die Bank nieder -- und

dann hielt er sich ruhig. Seine Augen brannten.

»So, ja, sehen Sie mich nur immer an!«

Er ließ keinen Blick von ihr. Aber wenn sie ihn ansah, so ruhig prüfend,

ging aus ihren Augen etwas über auf ihn, daß er aufatmete, wenn sie das

Gesicht wieder senkte, um ein paar rasche, kräftige Striche in das Buch

zu zeichnen. Ein paarmal zuckte es durch seine Glieder, als wollte er

aufspringen. Doch er blieb ruhig. Ein andermal bewegte er die Lippen,

wie um zu sprechen. Doch er schwieg.

Die Sonne war hinuntergegangen, das ganze Seetal lag vom Abendschatten

überwoben, und die Dämmerung begann.

Mit der langen schwankenden Angelgerte über der Schulter kam Gustl vom

See herauf.

»Hast du was gefangen, Bubi?«

»Nein, Lo, heut bin ich Schneider geworden. Morgen scheint es wieder das

wunderbarste Wetter zu geben, denn heute beißen sie gar nicht an.«

Freundlich nickte Gustl dem Jäger, den er nicht kannte, einen guten

Abend zu, stellte die Gerte an die Hüttenwand, kam zum Tisch und wollte

neugierig über die Schulter der Schwester in das Buch blicken.

Sie schob ihn fort, als wäre das ein Bild, das er nicht sehen sollte.

»Räum deine Bücher zusammen und trag sie in die Hütte. Wir bekommen Tau.

Dann kannst du auch in der Stube gleich die Lampe anzünden und Feuer

machen zum Tee.«

Sie sah dem Knaben nach, bis er in der Hütte verschwunden war. Dann

verglich sie mit einem letzten prüfenden Blick ihre Zeichnung und das

Modell, nickte ruhig vor sich hin und erhob sich. »So, ich danke Ihnen!«

Sie löste das Blatt aus dem Buch.

Das Schweigen im Walde: Roman · 第 53 / 71 题