Er lächelte. »Hier muß es wohnen -- mein Märchen!«

Da kam es auch schon gegangen, auf der anderen Seite des Gartens, vom

See herauf, nicht schwebenden Schrittes, nicht mit dem Lilienstab, gar

nicht märchenhaft, sondern festen Ganges, gut ausholend bei jedem

Schritt. Und während sie den linken Arm, um das Gleichgewicht zu halten,

seitwärts streckte, trug sie in der rechten Hand eine große,

wassergefüllte Gießkanne, deren schwere Last jede Linie des

geschmeidigen Mädchenkörpers straffer spannte -- ein Bild gesunden, jungen

Lebens, kraftvoll und schön zugleich.

Auch anders gekleidet war sie als an jenem Abend im schweigenden Wald.

Sie trug eine helle Bluse aus leichtem Flanell und dazu einen braunen

Lodenrock, unter dessen Saum noch ein Stücklein jener grauen Wollstutzen

zu sehen war, wie die Sennerinnen sie zu tragen pflegen. Das reiche

Haar, nach dem Bade noch nicht völlig getrocknet, fiel ihr mit wirrem

Geringel über Nacken und Schultern bis auf die Hüften nieder, und die

um Stirn und Schläfen sich kräuselnden Härchen leuchteten in der Sonne

so goldig, daß der schöne Mädchenkopf wie von einem zitternden

Schimmerkranz umgeben war.

Als sie mit dem Knie das Gartentürchen vor sich aufstieß, gewahrte sie

drüben am Zaun den stillen, lächelnden Gast. Kaum merklich zuckte es um

ihren Mund, als hätte sie in Gedanken zu sich gesagt: Das ist er wieder,

der von neulich, aus dem Geißtaler Wald!

Das Schweigen im Walde: Roman · 第 40 / 71 题