Da kam es auch schon gegangen, auf der anderen Seite des Gartens, vom
See herauf, nicht schwebenden Schrittes, nicht mit dem Lilienstab, gar
nicht märchenhaft, sondern festen Ganges, gut ausholend bei jedem
Schritt. Und während sie den linken Arm, um das Gleichgewicht zu halten,
seitwärts streckte, trug sie in der rechten Hand eine große,
wassergefüllte Gießkanne, deren schwere Last jede Linie des
geschmeidigen Mädchenkörpers straffer spannte -- ein Bild gesunden, jungen
Lebens, kraftvoll und schön zugleich.
Auch anders gekleidet war sie als an jenem Abend im schweigenden Wald.
Sie trug eine helle Bluse aus leichtem Flanell und dazu einen braunen
Lodenrock, unter dessen Saum noch ein Stücklein jener grauen Wollstutzen
zu sehen war, wie die Sennerinnen sie zu tragen pflegen. Das reiche
Haar, nach dem Bade noch nicht völlig getrocknet, fiel ihr mit wirrem
Geringel über Nacken und Schultern bis auf die Hüften nieder, und die
um Stirn und Schläfen sich kräuselnden Härchen leuchteten in der Sonne
so goldig, daß der schöne Mädchenkopf wie von einem zitternden
Schimmerkranz umgeben war.
Als sie mit dem Knie das Gartentürchen vor sich aufstieß, gewahrte sie
drüben am Zaun den stillen, lächelnden Gast. Kaum merklich zuckte es um
ihren Mund, als hätte sie in Gedanken zu sich gesagt: Das ist er wieder,
der von neulich, aus dem Geißtaler Wald!