Mellefont. Marwood.
Marwood. Sie sehen mich ohne Zweifel sehr ungern wiederkommen.
Mellefont. Ich sehe es sehr gern, Marwood, daß Ihre Unpäßlichkeit
ohne Folgen gewesen ist. Sie befinden sich doch besser?
Marwood. So, so!
Mellefont. Sie haben also nicht wohl getan, sich wieder hieher zu
bemühen.
Marwood. Ich danke Ihnen, Mellefont, wenn Sie dieses aus Vorsorge für
mich sagen. Und ich nehme es Ihnen nicht übel, wenn Sie etwas anders
damit meinen.
Mellefont. Es ist mir angenehm, Sie so ruhig zu sehen.
Marwood. Der Sturm ist vorüber. Vergessen Sie ihn, bitte ich
nochmals.
Mellefont. Vergessen Sie nur Ihr Versprechen nicht, Marwood, und ich
will gern alles vergessen.--Aber, wenn ich wüßte, daß Sie es für keine
Beleidigung annehmen wollten, so möchte ich wohl fragen--
Marwood. Fragen Sie nur, Mellefont. Sie können mich nicht mehr
beleidigen.--Was wollten Sie fragen?
Mellefont. Wie ihnen meine Miß gefallen habe.
Marwood. Die Frage ist natürlich. Meine Antwort wird so natürlich
nicht scheinen, aber sie ist gleichwohl nichts weniger wahr.--Sie hat
mir sehr wohl gefallen.
Mellefont. Diese Unparteilichkeit entzückt mich. Aber wär' es auch
möglich, daß der, welcher die Reize einer Marwood zu schätzen wußte,
eine schlechte Wahl treffen könnte?
Marwood. Mit dieser Schmeichelei, Mellefont, wenn es anders eine ist,
hätten Sie mich verschonen sollen. Sie will sich mit meinem Vorsatze,
Sie zu vergessen, nicht vertragen.
Mellefont. Sie wollen doch nicht, daß ich Ihnen diesen Vorsatz durch
Grobheiten erleichtern soll? Lassen Sie unsere Trennung nicht von der
gemeinen Art sein. Lassen Sie uns miteinander brechen wie Leute von
Vernunft, die der Notwendigkeit weichen. Ohne Bitterkeit, ohne Groll
und mit Beibehaltung eines Grades von Hochachtung, wie er sich zu
unserer ehmaligen Vertraulichkeit schickt.
Marwood. Ehmaligen Vertraulichkeit?--Ich will nicht daran erinnert
sein. Nichts mehr davon! Was geschehen muß, muß geschehen und es
kömmt wenig auf die Art an, mit welcher es geschieht.--Aber ein Wort
noch von Arabellen. Sie wollen mir sie nicht lassen?
Mellefont. Nein, Marwood.
Marwood. Es ist grausam, da Sie ihr Vater nicht bleiben können, daß
Sie ihr auch die Mutter nehmen wollen.
Mellefont. Ich kann ihr Vater bleiben und will es auch bleiben.
Marwood. So beweisen Sie es gleich itzt.
Mellefont. Wie?
Marwood. Erlauben Sie, daß Arabella die Reichtümer, welche ich von
Ihnen in Verwahrung habe, als ihr Vaterteil besitzen darf. Was ihr
Mutterteil anbelangt, so wollte ich wohl wünschen, daß ich ihr ein
beßres lassen könnte als die Schande, von mir geboren zu sein.
Mellefont. Reden Sie nicht so.--Ich will für Arabellen sorgen, ohne
ihre Mutter wegen eines anständigen Auskommens in Verlegenheit zu
setzen. Wenn sie mich vergessen will, so muß sie damit anfangen, daß
sie etwas von mir zu besitzen vergißt. Ich habe Verbindlichkeiten
gegen sie und werde es nie aus der Acht lassen, daß sie mein wahres
Glück, obschon wider ihren Willen, befördert hat. Ja, Marwood, ich
danke Ihnen in allem Ernste, daß Sie unsern Aufenthalt einem Vater
verrieten, den bloß die Unwissenheit desselben verhinderte, uns nicht
eher wieder anzunehmen.
Marwood. Martern Sie mich nicht mit einem Danke, den ich niemals habe
verdienen wollen. Sir William ist ein zu guter alter Narr: er muß
anders denken, als ich an seiner Stelle würde gedacht haben. Ich
hätte der Tochter vergeben, und ihrem Verführer hätt' ich--