Ja, wenn sie mich so charakterlos hält --

„Hm! Sie scheint mir auf dem rechten Wege zu seyn. -- Adelaidens

glänzend ausgebildete Talente, der Stempel der großen Welt, des

Hoftons, der überall ihr Benehmen auszeichnet, verleidete freilich

dem eleganten Chevalier das simple jener galanten Lebensart unkundige

Landmädchen. -- Die Wallersee behauptet: dem könne abgeholfen werden,

und wiewohl ich nichts weniger willens bin, als dir meine Tochter

aufzudringen, überhaupt das: Heute so, und morgen anders! nirgends

statuire, wo ich drein zu reden habe -- so mußte ich doch versprechen,

ihr Karolinen in die Schule zu geben.“

Die ohnehin schon liebenswürdige Cousine wird unstreitig in jeder Art

gewinnen; doch eben so wahr ist es, daß ich auf dieser entscheidenden

Stufe mich sehr gedrückt fühlen muß.

„Er meint, diese Stufe sey das Fußgestell eines Donquixots? -- So ganz

unrecht habt ihr nicht, edler Ritter!“

O diese Adelaide! Gott gebe, daß sie mich nicht noch zu etwas

Schlimmern macht, als zu einem Narren --

„Der Ihr jetzt schon im höchsten Grade seyd!“

Wie soll ich künftig ihren Anblick ertragen?

„Dessen bist du überhoben: man verbittet deine Besuche auf Wallersee in

den ersten Paar Monathen.“

Ha, bravo, ~mon cher Oncle~! ich erkenne dankbar die Früchte Ihrer

Vermittelung -- die Sachen stehen vortrefflich!

„Sieh, Bursche! hielt ich dich jetzt nicht für eine Art Gecken, von

denen man sagen muß: Sie wissen selbst nicht, was sie thun -- in diesem

Augenblick würdest du mir verächtlich! -- Ich glaube, der Pinsel

unterfängt sich, mich der Kabale zwischen ihm und seinem Liebesglück

bei der Gräfin zu beschuldigen.“

Der Landrath war in allem Ernst böse, und Julius, der wohl einsah, daß

er des Onkels Beistand nicht verlieren dürfte, legte sich mit Bitten

und Schmeicheln zum Ziel. Er versprach, sich seiner Verbannung aus

Wallersee auf vier Wochen wenigstens zu unterwerfen, sich still und

leidlich zu verhalten, und ohne Vorbehalt auf Karolinens Hand, die

jetzt der stolze Vater ihm auf jeden Fall versagen würde, dem Mädchen

selbst mit der bisherigen Vertraulichkeit und wohlwollender Achtung zu

begegnen.

Karolinens Bekehrung überlaß ich Adelaidens Klugheit -- fügte der

Landrath noch zum Schluß hinzu. -- Das weibliche Ehrgefühl kann

auch nur von der zarten Schicklichkeit eines Weibes in jene nöthige

Reizbarkeit gebracht werden, ohne den Stolz und die Ansprüche des

Mädchens zu kränken.

Die Cousine nahm des Vetters finstere Laune für Verdruß, daß er sie

nun mehrere Wochen hindurch nicht sehen würde; da eine vorgeschützte

Reise zu seines Vaters Bruder ihn hinderte, ihr Vergnügen durch seine

Gegenwart in Wallersee zu vergrößern. Sie selbst tröstete ihn, daß

nichts schneller laufe, als die Zeit, und Wiedersehen nach langer

Trennung das Süßeste sey, was ein treues Herz erfreuen könne. --

Was die Frühlingssonne der knospenden Schöpfung war -- so wie der junge

Mai den stürmischen Aprill verdrängte, und sich schöner entwickelte,

als je die Dichter ihn besungen hatten -- eben das war Adelaide für

Karolinens Blüthen; auch das artige Landmädchen entwickelte sich unter

der jungen Gräfin Leitung zur reizenden Hebe, die selbst den Landrath

mit dem Becher hoher Vaterfreude über ihre Verwandlung berauschte.

Ich hoffe, sagte Adelaide dann mit sanftem Händedruck zu dem vergnügten

Alten: der Ritter würde noch gern um diese Perle einen Zug nach

Palästina unternehmen.

Hm! -- ich zweifle. Herzen lassen sich nichts unterschieben -- und

dann -- zum Lükkenbüßer wäre sie überall zu gut. Ich wünschte, sie

ahndete, daß sie dies als Weib nur ihrem Vetter seyn könnte, ohne daß

ein wörtlicher Commentar sie davon unterrichtete.

Zeit bricht Rosen, sprüchwörtelten unsere Alten, und die ehrlichen

Leute wußten wohl, was sie sagten. -- Befiehlt die subtilere

Nothwendigkeit, dem Geliebten nur den Grad eines Vetters zu zuerkennen,

so wird Lina dem Willen des Vaters und der jungfräulichen Würde

vielleicht ohne sonderlichen Zwang Gehör geben. Als sie vor einigen

Tagen vernahm, Graf Julius sey, während wir einen Besuch in der

Nachbarschaft abstatteten, in der Hoffnung uns zu sehen, hier gewesen,

bewunderte ich die Ruhe, mit der sie seinen vergeblichen Versuch

bedauerte.

Die Dirne ist leichtsinniger, als ich geglaubt hätte, aber in

gegenwärtigem Fall frommt es uns allen. -- Nun, ich habe meine Sach’

Gott heimgestellt -- singt auch ein braves altes Lied -- und ich habe

meine Noth mit dem Mädchen in ihre gütige, geschickte Hand gelegt;

besser konnte sie nicht aufgehoben werden; denn ich betrachte Sie als

einen Engel, uns von Gott geschenkt, Leiden zu versüßen und Freuden uns

zu erhöhen. --

Ich kann es dem Passionsritter nicht verargen -- murmelte der Landrath,

indem er sich aufs Pferd und noch einen väterlichen Liebeskuß nach

Adelaidens Fenster warf -- wenn er um eines solchen Mädchens willen

nicht nur seiner Braut, der ganzen Welt, ja sich selbst ungetreu wird.

* * * * *

Adelaide arbeitete mit Karolinen an einer Stickerei, die zum Geburtstag

der Frau von Elfen vollendet werden sollte. Georg unterbrach mit einem

Postpaket die emsigen Künstlerinnen.

Meines Bruders Hand -- Mathildens, und -- von Bendheim; sagte leise

mit steigender Verwunderung die Empfängerin. Kaum hatte sie einen der

Briefe zur Hälfte gelesen, so bat sie erblassend: Zynthio mögte die

Vorzeichnung der Stickerei an ihrer Statt vollenden, und eilte in ihr

Kabinet. Karoline wendete ihre besorgten Blicke auf den Sicilianer, der

Adelaiden eben so betroffen nachsah.

Die Gräfin entfärbte sich, ihre Stimme zitterte; die Angst würde mich

antreiben, ihr zu folgen -- aber sie könnte ungestört seyn wollen. Sie,

als der vertrautere Freund des Hauses dürfen vielleicht --

„Zudringlicher seyn? -- Nein, Fräulein! ich verstand ihren Wink, allein

seyn zu wollen. Nie habe ich gewagt, dies stillschweigende Gesetz

zu übertreten. -- Droht ihrem Befinden ein Unfall, so ist Betty im

Nebenzimmer, und zur Hülfe im Augenblick alles bereit.“

Eine Stunde später verließ Adelaide das Schreibepult. „Guter Georg!“

rief sie dringend dem Gerufenen entgegen -- „laß dir den besten Renner

aus dem Stall ziehen, und eile mit diesen Briefen nach der nächsten

Post, von dort aus schicke ungesäumt eine Stafette mit deiner Depesche

weiter. -- O über den Dienstfertigen! Die Hast, mit der er den Auftrag

schon erfüllt haben möchte, läßt ihn das Nothwendigste vergessen.“

Adelaide: Wahrscheinlich nur ein Roman · 第 22 / 41 题