Aber mein Vater wird --

„Seine podagraischen Beine verfluchen, daß sie ihn abhalten, dich

selbst auf die Zinne des Straßburger Thurms zu schleppen, und seinen

Stammhalter mit eigner Hand herunter zu stürzen. -- Doch auch aus

ihm hoffe ich den bösen Geist zu treiben, wenn nur die Wallersee den

zärtlichen Schäfer zu erhören sich geneigt findet.“

„Heisa! trabe der Herr nicht so übermüthig einher!“ -- raunte der

Landrath seinem Neffen in’s Ohr, als dieser Tages darauf die Nachricht

des jungen Baron Milken: Adelaide habe an dem Grafen Bendheim einen

eifrigen Bewerber, aber dieser schien in seinen Bemühungen nicht

glücklich zu seyn, und habe Wallersee vor ein Paar Tagen wieder sehr

aufgebracht verlassen -- mit fröhlichem Lachen aufnahm, und seinen

Witz über den abgewiesenen Seladon spielen ließ. „Morgen wird sich’s

entscheiden, ob er über Bendheim triumphiren, oder sich mit ihm werde

trösten müssen.“

* * * * *

Der Landrath ritt nach Wallersee; gegen Abend kam er zurück. Seine

Familie empfing ihn mit Fragen, wie es um das Befinden der Damen

dort stehe? ob er von der Comtesse das neue Modejournal, von der

Haushälterin die vollständige Koch- und Backereikunst, und von der

Generalin den russischen Thee bekommen und wohlbehalten mitgebracht

habe?

Alles das könnt ihr dort selbst in Empfang nehmen -- erwiederte der

bestürmte Kommissionair. -- Karoline packt ihre Habseligkeiten,

so viel sie deren auf einige Wochen bedarf, zusammen, und Mutter

Friederike bringt morgen früh ihr Töchterchen nach Wallersee, wohin

sie freundlichst eingeladen, und auf so lange, als es ihr dort

gefällt, herzlich willkommen ist. -- Die Comtesse verspricht dir

viel Vergnügen, ein neues englisches Fortepiano, wie dir noch keines

dergleichen vorgekommen, neue Moden, dir völlig den Kopf zu verdrehen,

Affen und Papagoys, dich mit ihnen lehrreich zu unterhalten -- alles

dieß ist unterdessen angekommen, und von Euch Frauenzimmern noch nicht

angestaunt worden. -- Säumt nicht, morgen mit dem Frühesten ist für

Euch angespannt.

O scharmant! rief erfreut Karoline, und hüpfte fort, ihre

Reiseanstalten zu treffen.

Recht gern, sagte die Landräthin -- es war längst mein Wunsch, die

Generalin selbst zu besuchen; nur wagte ich ihn nicht zu äußern --

wegen der Pferde, die du doch jetzt nicht gern in der Wirthschaft

missest.

Muß wohl; wer kann so artigen Damen etwas abschlagen. -- Jetzt, liebes

Riekchen, sey auch du galant, und sorge für meinen Nacht-Imbiß; der

Ritt hat mir Apetit gemacht.

Die Landräthin ging mit freundlichem Behagen an der bevorstehenden

Lustreise ihren häuslichen Geschäften nach. Julius sah sich nun mit

seinem Onkel allein; bange Erwartung des ihn angehenden Berichts aus

Wallersee schloß ihm den Mund, so sehr ihm auch die Frage: Wie denkt

Adelaide meiner? -- das Herz drückte.

Der Landrath ließ ihn nicht lange in Ungewißheit: „Und mit dem, wovon

wir gesprochen haben, lieber Neffe, ists nichts, rein nichts!! -- Ich

bedaure dich, wahrlich ich bedaure dich! -- Du hättest ein glückliches

Loos gezogen, wäre dies Mädchen dir zu theil geworden.“

Warum aber verschmäht sie mich? -- stotterte Julius -- So ist sie schon

versagt --

„Nein. Sie wird keines Andern Weib, und -- ich glaube, es verdient sie

auch keiner; Adelaide ist zu gut für unsere lieben Alltagsmänner. Ich

habe nur eine halbe Stunde mit ihr unter vier Augen gesprochen; sie

hat mir Ursachen angegeben, warum es nicht seyn kann, in Wendungen und

Entschuldigungen, die ich weder wörtlich verstanden habe, noch sie

dir mitzutheilen vermögte; aber ich begreife und bin fest überzeugt,

daß es nicht seyn kann. Uebrigens giebt sie deinen Wankelmuth der

Unzufriedenheit mit Karolinens Mangel an feinem Ton und Weltkenntniß

Schuld.“

Adelaide: Wahrscheinlich nur ein Roman · 第 21 / 41 题