Dies war mein letzter Eindruck, bevor ich Daressalam verließ! --

Und an diesen letzten Eindruck muß ich jetzt denken, wie ich auf das

Getöse und Gedröhne da unten blicke, auf die stinkenden Autos, die

wogenden Menschenmassen, die benzingeschwängerte Luft!

Eine englische Schwester mit für uns abenteuerlich kurzem Rock -- die

Moden der letzten fünf Jahre sind für uns ausgefallen -- gibt uns ein

Zeichen. Wir sollen die Veranda räumen.

Sie weiß, daß wir alle Englisch verstehen; aber anscheinend gehört sie

einer der Vereinigungen an, deren Mitglieder geschworen haben, ihr

ganzes Leben kein Wort mehr mit Deutschen zu wechseln.

Angenehm berührt, wie so oft in den letzten Tagen, ziehen wir uns

schweigend zurück!

Im Gang tritt ein englischer Matrose im Lazarettmantel auf mich zu und

hält mir eine Ansichtskarte unter die Nase.

»Will you see?«

Eine Photographie von einigen Geschützen -- -- Unterschrift: »Captured

German guns.«

»Dort vorn, neben der Boma stehen sie!«

Behaglich grinsend über sein breites Bulldoggengesicht, entfernt er

sich. --

* * *

Nach zwei Tagen ist es mir gelungen, meine Entlassung durchzusetzen.

Ein glühend heißer Nachmittag, geschwängert von Benzin, Negergestank

und undurchdringlicher Staubschicht, liegt über Daressalam. Es ist

einen Tag vor Weihnachten 1918!

Ich habe den englischen Offizier, der mich begleitet, gebeten, mit mir

an der Boma vorbeizugehen.

Auto an Auto rast vorüber, englische Offiziere, häufig wie der Sand

am Meer, orden- und messingknopfgeschmückt, Damen, Nurses, Schwarze

schieben sich vorbei.

Schweigend folge ich meinem Führer -- ich kann nur schwer gehen, das

Fieber liegt noch lastend in den Gliedern.

Das ist das alte Daressalam -- -- unsere schöne Hauptstadt?

Ich kenne es nicht wieder! Wir biegen um die Boma -- -- da stehen --

als altes Eisen -- auf einem Rasenfleck die Geschütze!

Sofort erkenne ich darunter das von Mahiwa wieder, das ich vor mehr

denn einem Jahr in der Wildnis gesprengt habe. Mit klaffendem Rohr,

wenn möglich noch mehr verrostet, steht es da vor mir, seine verbogene

Mündung wie anklagend erhoben.

»That’s one of your naval guns« meint der Engländer!

»Ja!«

Gedankenvoll sehe ich es an. Von Deutschland fuhr es über die blaue See

hierher, hat hier zum erstenmal seinen Mund geöffnet, um den Salut für

den Gouverneur zu donnern.

Dann zog es in den Krieg! Im Golf von Aden hat es gesprochen, vor

Sansibar Eisenhagel auf einen brennenden Engländer geschleudert.

Treu ging es mit seinem zerschossenen Kreuzer in den Fluten des Rufiji

unter, schießend bis zum letzten Augenblick.

Wieder hervorgeholt, hat es Afrikas Steppen durchzogen, im Gleichtakt

von schwarzen, eingeborenen Massen geschleppt bis zum äußersten Süden

-- -- hat noch Tausende von Malen gedröhnt und Eisen gespien.

Die Wälder von Mahiwa wurden dann sein Grab.

Die Engländer haben es wiedergefunden und zusammengesetzt -- -- nun

steht es hier einsam, verlassen, um später wohl irgendwo als Schaustück

zu dienen -- mit verbogenen Rädern und ausgeschossenem Rohr, einsam,

verlassen in dem Getümmel von fremden Menschen, in der verpesteten

Luft, sonst nur an die frische Brise der See oder den Hauch der Steppe

gewöhnt.

Ohrenbetäubend rattern Lastkraftwagen voll von johlenden Tommies

vorüber, eine englische Askarikompanie marschiert singend vorbei.

Unwillkürlich erhasche ich einige der Kisuaheliwörter -- -- sie singen

ein schamloses Spottlied auf den Kaiser.

Die Röte der Wut steigt in mein Gesicht, verlegen wendet sich der

englische Offizier weg!

Abschiednehmend streife ich nochmals mit der Hand über das verrostete

Rohr meines alten Geschützes.

In Monsun und Pori · 第 63 / 68 题