Rasch wollte ich vor dem Zurückreiten noch etwas essen. -- --

Es war fast 9 Uhr geworden, eben war ich im Begriff aufzustehen, da

schrillte das Telephon.

Der Ausguck auf dem Kirchturm!

»Soeben sind im Licht des aufgehenden Mondes die Silhouetten von fünf

Kriegsschiffen zu sehen, die auf der Reede von Daressalam eintreffen!«

»Alarm!«

Hell bimmelnd, dumpf dröhnend hallten die Glocken der beiden großen

Kirchen über die dunkel daliegende schweigende Stadt.

Flink trugen mich die schnellen Beine meines Maultieres zurück.

Schaurig klang das Glockengeläute in den finstern, verlassenen Straßen.

Über den Wißmannplatz sah ich in atemloser Hast weiße Gestalten eilen,

Frauen mit fliegenden, für die Nacht gelösten Haaren, halbangekleidet,

schreiende Kinder am Arm. -- Alle rasten dem Unterstande zu!

Aus allen Häusern kamen sie, es wurden mehr und mehr. Jammer,

Schreie, Rufe und Weinen ertönten! Es wurden so viel, daß ich in der

Akazienstraße langsamer reiten mußte, um sie vorzulassen. --

Da dröhnte krachend, grollend schwerer Kanonendonner von See her. --

Sausend heulten am Nachthimmel Granaten über die schweigende Stadt,

schlugen krachend ein.

Es galt dem Bahnhof!

Die weißen Gestalten verdoppelten ihren Lauf, zwei Rickschas standen da

-- die Boys waren entflohen -- schreiende Kinder, hilflose Mütter drin.

Donner auf Donner -- Krachen auf Krachen erfolgte!

Da -- ein ohrenbetäubendes Getöse -- eine Breitseite mußte kurz

gegangen sein -- aus dem Schutztruppenstall dicht an der Akazienstraße

leuchteten hoch die Blitze berstender, schwerer Schiffsgranaten.

Ein Schrei des Entsetzens rang sich von den Frauenlippen.

Stolpernd, fast umsinkend vor Angst, Überanstrengung und Entsetzen,

hasteten sie weiter, drängten sich, stießen sich!

Der Unterstand war nahe!

Ich hatte mein Tier verhalten, das scheu geworden hochging, um alles

vorbeizulassen, da dröhnten wieder von See her die dumpfen Schläge

einer Breitseite.

Ein Sausen, Heulen -- -- -- ein furchtbarer Krach vor mir -- mein Herz

stand einen Augenblick still -- -- -- mitten aus dem Gedränge der

hastenden weißen Kleider schoß eine Feuersäule empor -- das reißende

Bersten einer krepierenden Granate!

Dann desto tiefere Dunkelheit!

Ich sprang herunter, um zu helfen -- Dutzende müssen tot sein!

Einige weiße Flecke lagen auf der Straße, alles andere entfloh mit

gelösten Haaren, flatternden Nachtkleidern.

An einer Akazie knieten eine Mutter und ihre beiden Kinder, die laut

beteten -- einige andere lagen halb bewußtlos vor Schreck auf der Erde.

Eine Granate, anscheinend ein Ausreißer, denn alle folgenden Salven

gingen wieder nach dem Bahnhof, war mitten in dem Makadam der

Akazienstraße krepiert, hatte ein trichterförmiges Loch ausgehoben,

aber -- es ist mir heute noch unbegreiflich -- trotz dem dichten

Menschenknäuel, das die Straßen beinahe sperrte, niemand getötet,

niemand verletzt! --

Das weitere Dröhnen der nächtlichen Beschießung tat seine Wirkung:

in wenigen Sekunden waren auch die halb Bewußtlosen wieder auf den

Beinen, und der Unterstand verschlang in seinem schützenden Bauch das

verzweifelte Gewimmel.

Leer, stockfinster lag die Akazienstraße wieder da!

Nur am Himmel blitzte es in gleichmäßigen Zwischenräumen, sausend zogen

die Granaten ihren Weg!

Noch dreimal, viermal -- dann plötzlich lautlose Stille!

Das Klappern der Hufe meines Maultieres widerhallte von dem harten

Boden, nachtdunkel gähnte vor mir die öde Pugustraße, schemenhaft

glitten rechter Hand eingefallene und verbrannte Inderhäuser und

Eingeborenenhütten vorüber. -- -- --

Keine Seele, kein lebendes Wesen -- schweigend wie eine Totenstadt

lag Daressalam damals da, eine Stadt einsamer Straßen, verlassener

Häuserruinen.

* * *

In Monsun und Pori · 第 62 / 68 题