Leuchtend spannt sich der klare Tropenhimmel über der weiten Steppe --
einsam träumt das alte Pflanzerhaus, nur armselige, kleine Negerhütten
liegen zu einem Klumpen geballt daneben -- das Dorf Kingwangwanda.
Nach Norden und Westen zu dehnen sich Kulturen von Kautschuk und Sisal.
Alle sind verlassen, verwildert. Nach Süden und Osten erstreckt sich
die weite Steppe. Raschelnd haucht der Nachtwind über sie hin.
Dort liegt ein einsames Geviert, darin Kreuz an Kreuz, alle
gleichmäßig, alle schlicht, alle mit kurzer Aufschrift:
»Beim Untergang S. M. S. Königsberg am 11. 7. 15 gefallen!«
In der Mitte ein großer Stein, daran eine Kupfertafel, gehämmert aus
einem zerschossenen Dampfrohr mit dem von ungeübter Hand eingehauenen
Taufspruch der »Königsberg«:
Biet’ dem Feinde Trutz,
Sei dem Vaterlande Schutz,
Und treu bis zum Tod --
Im Kampf und in Not,
Sei stets deiner Mannschaft höchstes Gebot!
Alle, die hier liegen, haben nach ihm gehandelt! In den schlichten,
vertrockneten Palmenkränzen flüstert der nächtliche Steppenwind, --
weht feinen Sand über die niederen Hügel.
Ein plumper, fester Zaun aus dicken, unbehauenen Stämmen ist jetzt
um das Gräberfeld gezogen. Flußpferde hatten auf ihrer nächtlichen
Steppenstreife die Kreuze umgeworfen, die aufgeschütteten Hügel
zerstampft. Rings herum ist der Steppenboden von ihren Spuren
durchfurcht, tiefe Löcher sind in langen Reihen getreten.
Zwischen dunklen Ufern schickt dort drüben träge ein breiter Flußarm
seine schwärzlichen Wasser dem Rufiji zu -- es ist der Bumi.
Keine vier Stunden braucht ein Einbaum, gleichmäßig dahingleitend,
bis zu der verschwiegenen Flußbiegung, die dem letzten der deutschen
Auslandskreuzer zur Ruhestätte geworden ist. -- --
* * *
Tief auf die Seite geneigt liegt er dort in den glucksenden Wassern.
Schwer war sein Ende! Einundzwanzig gegen eins.
So hatte sie es doch gewagt, die ruhmreiche englische Flotte! Aber
einundzwanzig brauchte sie, um den einen zu töten!
In langer Kiellinie liefen sie ein in die weite Mündung des
Kikunja-Armes, als die Sonne im Zenit stand, mit rasendem Feuer jede
Mangrove, jede Palme überschüttend.
Zwei Flieger kreisten über dem kleinen deutschen Kreuzer, der dort
hinten am Steppenrand wütend um sein Leben kämpfte mit seinen fünf
bellenden Breitseitgeschützen -- -- unbeweglich im engen Fahrwasser.
Sie wiesen dem sausenden Eisenhagel, der heulend über die weite,
dampfende Mangrovenwildnis brauste, den Weg. -- -- Und nur zu gut!
In Fetzen wurden die Geschützbedienungsmannschaften gerissen, in Fetzen
Bleche und Eisenwände!
Aber weiter kämpfte er!
Das Deck troff vor Blut, nur schaufelweis gestreuter Sand machte es
passierbar. Da vorne, unter der Back, lagen die Leichen zu Haufen. Zwei
abgerissene Köpfe ruhten friedlich Gesicht an Gesicht unter einem
Spind -- -- sie gehörten den Matrosen Prest und Stange. --
Aber weiter kämpfte er!
Nur mehr mit zwei Geschützen! Der durchsiebte, mittlere Schornstein
neigte sich -- brach in sich zusammen. Beinahe erschlug er den
schwerverwundeten Kommandanten, der vom Kommandostand nach achtern
gebracht wurde. Da vorne gab es nichts Lebendiges mehr! Der Eisenhagel
wurde zum Eisengewitter und durchpflügte die Flanken des bebenden,
zitternden Kreuzers.
Aber weiter kämpfte er!
Jetzt von achtern geleitet, -- immer noch mit zwei Geschützen! Das
eine bedienten Offiziere, das andere Heizer. Verkrampfte Wut wendete
sich gegen die Flieger. -- Vergeblich! Sie schienen unerreichbar im
Aether! Da -- -- das letzte Schrapnell verließ das Rohr -- -- da -- --
sollte es sein -- -- sollte Gott uns wenigstens diese eine Genugtuung
geben -- -- da -- -- ein Flieger neigte sich, verharrte sekundenlang
unbeweglich -- -- dann stürzte er pfeilschnell krachend nach unten.
Ein Leuchten ging über die pulver- und blutgeschwärzten Gesichter der
Geschützbedienung. Die von ohnmächtiger Manneswut geschnürte Brust
weitete sich.
Nur ein Augenblick! Verschwunden waren sie, die eben triumphierten,
in Fetzen klebte ihr Fleisch an der Bordwand und den zerspellten
Decksplanken. -- -- Eine Granate schlug zwischen sie.
Aber weiter kämpfte er!
Nur noch mit einem Geschütz! Zwischen all dem Rauch und Feuer war
sein Blitz nicht mehr zu sehen, seine Stimme verhallte im Tosen der
Explosionen. Feuerfontänen auf Feuerfontänen zischten gen Himmel,
breiter und breiter wurden die Glutmassen, sie durchrasten, vom Wind
gepeitscht, die Decks. Da war Menschenwille und -kraft zu Ende! Das
letzte Geschütz verstummte!
Nochmals schwer getroffen gab der Kommandant den Befehl zum Verlassen
des Schiffes. Als der letzte Mann von Bord war, zerriß eine furchtbare
Detonation die Luft -- -- turmhoch stieg eine Feuersäule himmelwärts,
der brennende, aus tausend Wunden blutende Kreuzer barst entzwei und
versank langsam in den braunen Lehmfluten des Rufiji.