Monate sind vergangen.
Es ist August 1915! Die Sonne läuft auf ihrer Bahn jetzt weit im
Norden. In Deutschland -- in Europa schreibt man Sommer!
So weit nördlich zieht das Tagesgestirn, daß seine Strahlen auf der
südlichen Halbkugel stark an Kraft verloren haben, selbst hier in der
Nähe des Äquators, und schon abends nach Sonnenuntergang erfrischende
Kühle über das Land zieht.
Es ist Nacht.
Schlaflos starre ich auf die weißlichen Falten des Moskitonetzes trotz
des Morphiums, schlaflos vor Schmerzen im abgerissenen, entzündeten
Fuß. Eine englische Granate hat ihn zerschmettert -- sie hatte erst die
Back und das Zwischendeck durchschlagen.
Neben mir schläft mein Kommandant -- ruhig, gleichmäßig geht sein Atem.
Er ist schwer verwundet!
Durch den Schleier des Moskitonetzes sehe ich seinen weißen Verband.
Es ist ein altes hölzernes Pflanzerhaus, in dem wir liegen. Fünf Zimmer
und zwei Veranden -- alle voll von Verwundeten. -- Alle haben den
ehrenvollen Untergang der »Königsberg« in aussichtslosem Kampf gegen
zwanzigfache Überlegenheit mit ihrem Blute bezahlt.