Und mitten darin, wie ein Fremdkörper in den Eingeweiden eines
Menschen, dieses komplizierte Erzeugnis ausgeklügelter Technik,
diese Sammlung von Maschinen und Maschinchen, bevölkert von einer
zusammengedrängten Masse von Menschen -- ein moderner Kreuzer! Er paßt
nicht hierher in diese Jahrtausende alte Wildnis, deren geheimnisvolles
Leben ihn umspielt.
Ob sich sein Schicksal hier erfüllt, er in dieser Einöde zugrunde gehen
wird, mit allem was auf ihm lebt?
Dann wird man nach Jahrzehnten, wenn der Fluß in seinem ewigen
Auf und Nieder diesen Arm versandet hat, wenn der Wind die Samen
der Mangroven darüber hingestreut und die Zeit sie zu Bäumen hat
anwachsen lassen, aus dem grünen Dickicht der verästelten Mangroven
wirres, zerschossenes Eisenzeug, geknickte Masten, zerfetztes Blech
hervorragen sehen.
Braune, zähe Stämme mit Luftwurzeln werden aus verrosteten Luken
wachsen, in den verschlickten Kammern, Heiz- und Maschinenräumen werden
zwischen vom Wasser zerfressenen Kolben und Pleuelstangen gelbgraue und
schmutziggrüne Krokodile hausen. -- -- --
Die Schritte des Wachhabenden sind verklungen. -- Ich sehe im hellen
Mondschein, wie ein Geschütz gerichtet wird.
Da steige ich an Deck nieder.
Die Mündung zeigt auf die helle Sandbank. Bootsmannsmaat der Wache und
Läufer Deck sehen abwechselnd angestrengt durch das Zielfernrohr.
»Was ist da zu sehen?«
»Auf der Sandbank sind zwei Flußpferde, ein großes und ein kleines! Da
-- jetzt tanzen sie im Kreise!«
Mit dem Nachtglase erkenne ich ein mächtiges, altes Tier -- keine
vierhundert Meter vor dem Bug des Kreuzers hopst es auf dem weißen
Sande auf und ab, dazwischen macht ein kleines, halb ausgewachsenes,
seine Sprünge. Sie jagen im Kreise mit einer bei ihrem riesenhaft
plumpen Körperbau in Erstaunen setzenden Gewandtheit und Schnelligkeit.
Mit einem Satz wirft sich das große Tier hin -- das kleine kann seinen
hopsenden Galopp nicht stoppen und purzelt darüber hinweg.
Dann beschnuppern sie sich, traben noch einmal herum und springen
prustend, spritzend und schnaubend ins Wasser.
Eine Minute lang sieht man nur die Kreise auf der hellen Fläche, da
wird im glitzernden Mondlicht erst ein kleiner schwarzer, dann ein
dicker plumper Kopf sichtbar. Sie rudern beide flußauf, ab und zu
gurgelnd und fauchend.
Das kleine steuert jetzt mehr nach dem Ufer zu und verschwindet im
dunkeln Spiegelbild der Mangroven.