Wir wechseln die Schärpe. -- »Angenehme Ruhe!«

Ich stehe allein am Fallreep.

Abgelöste Wachen und Posten melden sich -- ein kurzes Getrappel, dann

liegt wieder tiefste Stille über den Decks.

Leise murmelt der Rufiji am Fallreep. Er fließt ab -- ist schon sehr

stark gefallen. Weiß leuchtend hebt sich dicht neben dem Bug eine helle

Sandbank ab.

Nachtschwarz, geisterhaft mit Schatten und Spiegelbild verwoben, säumen

die Mangrovenwälder den hier schon ziemlich engen Fluß.

Ich beuge mich über die Reeling und lausche den Stimmen der Wildnis

dort drüben.

Ganz vorn, dort wo der Fluß in weißlich silbernen Nebeln zerfließt,

dröhnt das Schnauben und Brüllen von Flußpferden, die die sternhelle

Nacht benützen, das Wasser zu verlassen, trampelnd und stampfend

querfeldein zu ziehen und Nahrung im dichten Schilf zu suchen.

Die Luft erzittert oft von dem gewaltigen Brüllen, das weitaus stärker

als die Stimmen aller Tiere, selbst des Löwen, über die schweigende

Mangrovenlandschaft hallt.

Prusten, Schnauben und ein Platschen folgt, wie wenn morsche

Urwaldriesen zusammenbrechend ins Wasser stürzen.

Angespannt lausche ich dem Treiben der Tiere, die da vorne ihr Wesen

treiben. Weit kann es nicht sein, aber ich kann keines sehen. Hier in

dieser verlassenen Urwaldabgeschiedenheit, die selten von Europäern

betreten wird, freuen sie sich noch vollkommen ungestört ihres

Daseins. In vielen anderen afrikanischen Flüssen sind sie schon fast

ausgestorben, im Rufiji aber habe ich noch Herden von 50 und mehr Stück

aus nächster Nähe gezählt.

Weiß wallen die Nebel dort vorn.

Das Brüllen und Prusten hört plötzlich auf -- anscheinend haben die

Tiere den Fluß verlassen.

Ein paar Minuten herrscht tiefste Stille, die nur von den Traumlauten

eines schlafenden Regenpfeifers unterbrochen wird. Da jaulen plötzlich

dicht an Land zwei Hyänen auf. Eine heller, die andere mit tiefer

Stimme. In weitem Bogen umschleichen sie die wenigen hohen Bäume,

die dort in schwarzer Gruppe beisammen stehen. Wunderlich klingt

ihre heisere Stimme in dem tiefen Schweigen der majestätischen

Flußlandschaft.

Fast eine halbe Stunde lang stehe ich lauschend an die Reeling gelehnt.

-- Gleichmäßig hallt über Deck der feste Schritt des Bootsmannsmaaten

der Wache. Stumpfsinnig und verschlafen steht der »Läufer Deck«, ein

junger Bursche aus dem Bayerland, in einer Ecke und träumt, auf einen

Lukendeckel gestützt, wohl von seiner fernen Heimat, aus der schon

lange keine Nachricht mehr eintrifft.

Langsam gehe ich nach vorn. Hier liegt im schwarzen Schlagschatten der

hohen Bordwände eine alte arabische Dhau. Ihr abgebrochener Maststumpf

ragt kaum einen halben Meter über Deck. Sie ist voll von rötlichen

Mangrovenscheiten, die Stück für Stück durch die faulen Hände dreier

verschlafener Schwarzer an Bord wandern und von dort ihren Weg in die

Kesselräume nehmen. Unangenehm störend klingt ihr Poltern über Deck.

Auf Bug und Heck der Dhau liegt zu schwarzen Klumpen geballt die

Ablösung, meist kräftige, sehnige Neger aus dem Warufijistamm, deren

gleichmäßig tiefe Schnarchtöne die Luft durchsägen. Ab und zu schlägt

einer mit der flachen Hand auf die Haut. Irgendein Moskito, der die

unendliche Langmut, Gleichgültigkeit und Dickfelligkeit des Schwarzen

überschätzt und sich allzulange mit rotem Blut vollgesogen hat, muß

sein Leben lassen und klebt nun als roter Blutfleck an der Stelle

seiner Gier.

Aber keiner der Mohren läßt sich dadurch stören, gleichmäßig schnarchen

sie weiter um die Wette mit dem Summen der Moskitoschwärme.

Anders vorn auf der Back! Ich steige die Steuerbordtreppe empor. Mann

an Mann liegen dort unsere Leute halb nackt an Deck, mit offenen

Augen mich anstarrend. Sie können nicht schlafen! Unter Deck ist

die Hitze zu groß, hängen sie doch dort, einer dicht am andern, in

ihren Hängematten. So gehen sie eben nach oben, um dort die Kühle der

Nachtluft zu atmen, wohl wissend, daß der Schlaf sie fliehen wird --

denn überall singen Moskitos!

Unwillkürlich knöpfe ich meine Lederhandschuhe fester zu und qualme

stärker aus der Pfeife. Von allen Seiten ertönt Stöhnen, Murmeln,

halblautes Fluchen, das Klatschen von Händen auf nackten Fleischteilen.

Dort richtet sich einer wütend halb auf, hier stampft einer mit den

Beinen, wälzt sich an Deck.

Wie viele von ihnen werden morgen wieder ins Lazarett wandern, -- vom

Fieber geschüttelt?

In Monsun und Pori · 第 41 / 68 题