Also ist das Wie dieser Beschießung noch immer ein ungelöstes Rätsel. --

Es ist mittlerweile fast vollkommen Nacht geworden. Wir folgen dem

breiten, hellen Rand des Saningaarmes, dessen Ufer man nicht mehr

erkennen kann, da die tiefdunklen Schatten der Mangroven sich mit ihrem

tintenschwarzen Spiegelbilde im Wasser zu einem unsicheren, breiten,

dunklen Streifen vereinigen. --

Der sehnige, achtern stehende Bootssteurer, dessen Mützenbänder

im Winde flattern, legt langsam die Ruderpinne, wir drehen nach

Steuerbord, passieren die Biegung, und vor uns liegt der dunkle, in

der Finsternis riesenhaft erscheinende Rumpf der »Königsberg«. Fast

keine Lichter sind zu sehen -- man könnte glauben, sie wäre vollkommen

verlassen, wenn nicht dumpfes Stimmengewirr, Hämmern und Klopfen

herübertönte.

Wir legen am Fallreep an.

Schnell sind unsere Fragen beantwortet. Die »Königsberg« hat

tatsächlich heute nachmittag lange im schweren englischen Feuer

gelegen, ist aber wie durch ein Wunder nicht ein einziges Mal getroffen

worden, hat nicht einen Mann verloren.

Wie wir später erfahren haben, sind die Palmenbüsche auf den Toppen

der Masten uns zum Verhängnis geworden. Sie wurden, an Höhe weit den

Palmenwald von Salale überragend, von See aus gesehen und von den

Engländern sofort als Masten der »Königsberg« angesprochen.

Da die feindlichen Kommandanten nicht so weit schießen konnten,

drängten sie durch Fluten der Seitenräume ihre Schiffe so weit nach

der entgegengesetzten Seite, daß den Geschützen die für die weite

Entfernung nötige Erhöhung gegeben werden konnte. --

* * *

Da wir für den nächsten Tag bestimmt mit einer Wiederholung rechnen

konnten, die uns unbedingt verhängnisvoll werden mußte, hatte sich

unser Kommandant entschlossen, nachts beim höchstem Hochwasser zu

versuchen, über die uns den Weg nach hinten sperrenden Barren zu

fahren, um im Innern des Deltas einen vorläufig für die Engländer nicht

erreichbaren Platz aufzusuchen.

Das Fahrwasser hatten wir zu diesem Zweck früher schon genau

ausgelotet. Der Tidenhub, der Unterschied zwischen Hoch- und

Niedrigwasser, beträgt dort fast fünf Meter; wir hatten rund 4,8 Meter

Tiefgang, es mußte uns also möglich sein, bei höchstem Wasserstand über

die bei Ebbe fast trocken liegenden Sandbänke zu fahren.

Ein großes Wagnis allerdings blieb es trotzdem, denn bei Nacht im

unsicheren Sternenglanz verschieben sich Konturen und Entfernungen,

und es ist nicht leicht, den langen Körper eines Kreuzers in einer

schmalen Rinne durch die nächtliche Mangrovenwirrnis zu führen. -- --

An den Masten wird gehämmert und geklopft. Der erste Offizier will sie

verkürzen, damit sie nicht wieder zum Verräter werden.

Erst gegen Mitternacht tritt Ruhe ein, der Arbeitslärm verklingt, die

schweigende Tropennacht tritt in ihre Rechte.

Grünlich leuchtende Scharen von Glühwürmchen gaukeln durch die

Mangroven, in der Luft singt und surrt das tausendfältige Schwirren der

erwachten Moskiten, die hier im Rufijigebiet besonders berüchtigt sind,

als Träger der Malaria.

Nicht grundlos flattert ab und zu aus dem Vorschiff ein Stöhnen auf,

oder wirre Worte klingen durch die Nacht. Fieberkranke liegen dort im

Mannschaftslazarett.

Klar und glänzend steht der Orion, das schönste Sternbild der

nördlichen wie der südlichen Halbkugel am Himmel und zieht langsam,

langsam seinen Weg nach Westen. -- --

Die Wasser sind rauschend abgeflossen, glucksend zum Stillstand

gekommen -- der Strom kenterte -- erst langsam, dann brausend strömten

sie wieder zurück -- jetzt verlangsamen sie ihren Lauf -- bald müssen

sie ihre höchste Höhe haben.

In Monsun und Pori · 第 28 / 68 题