Ins Wasser gestreute Blätter zeigen, daß jetzt Stauwasser ist -- die
höchste Höhe ist erreicht.
Angestrengt starren wir auf die Biegung. Jeden Augenblick kann dicht
vor uns der graue Bug eines langsam um die Ecke steuernden Kreuzers
sichtbar werden.
Es herrscht vollkommene Stille. Das leise Rauschen des aufströmenden
Wassers ist verklungen -- bewegungslos, wie ein Spiegel liegt es vor
uns. Man kann die Ringe erkennen, wenn eine der langarmigen, tropischen
Wasserspinnen über seine Fläche läuft. Leise summen die Moskiten, ein
Regenpfeifer flötet ab und zu, oder Affengekreisch zerreißt mißtönend
für einen Augenblick das Schweigen.
* * *
Da dröhnen fünf schwere Schläge durch die Luft. Zitternd rascheln
die Mangroven, hoch über unseren Köpfen saust das Zischen darüber
hinwegfliegender Granaten.
Wir starren in die Höhe! Wem kann dies gelten? Sollten die vor der
Mündung liegenden Engländer die »Somali« beschießen?
Wieder das ferne Krachen einer Breitseite, das Sausen und Heulen weit
über uns -- wir sitzen mit der Uhr in der Hand -- dann ganz fern fünf
dumpfe Aufschläge.
Nochmals und nochmals zählen wir am Sekundenzeiger die Zeit zwischen
Abschuß und Aufschlag -- diese Granaten fliegen weiter wie dreizehn
Kilometer!
Sollten die Engländer trotz der verkleidenden Büsche auf den Toppen
unserer Masten von See aus die »Königsberg« hinter den Palmenwaldungen
von Salale gesichtet haben und sie nun beschießen?
Aber wie?
Keiner von den da draußen liegenden Kreuzern kann fünfzehn Kilometern
weit schießen. Sollten unerwartet neuere, größere Schiffe eingetroffen
sein?
[Illustration: Copyright Walther Dobbertin.
Heliographenposten auf dem Kembaberg]
[Illustration: Copyright Walther Dobbertin.
»Unsere kleinen Hilfsschiffe« im sicheren Versteck
Von links nach rechts: die »Rovuma«, der »Tomondo«, die »Hedwig«]
[Illustration: Schädel eines vom Verfasser erlegten Flußpferdes]
[Illustration: Vom Kommandanten gefangenes Flußpferdbaby
auf den Decksplanken der »Königsberg«]
Kaum anzunehmen! Deren Erscheinen wäre uns längst schon von irgendeinem
der vielen Küstenposten von Tanga bis zur Rovumamündung gemeldet worden.