Sie hat im Rufiji Schutz gesucht und auch gefunden. Erst gestern ist
sie von englischen Kreuzern entdeckt worden, die die »Somali«, die
nordöstlich von Salale verankert liegt, um einfahrenden Feinden ein
Hindernis zu bieten, schwer unter Feuer genommen haben.
* * *
Heute erwarten wir einen entscheidenden Angriff. Allerdings erst gegen
Nachmittag, da nur dann, beim höchsten Hochwasser, die vor der Einfahrt
liegende Barre von den englischen Kreuzern passiert werden kann. --
Die Eigenart der Verhältnisse hat uns gezwungen, ein
Verteidigungsmittel seltener Art zu erfinden.
Wir müssen unbedingt verhindern, daß die englischen, uns
artilleristisch weit überlegenen Kreuzer -- es sind die »Weymouth«,
»Dartmouth« und »Falmouth« -- einlaufen, müssen sie gleich beim
Einfahren in die Mündungen angreifen.
Das wirksamste Mittel dafür sind unsere fünf Torpedos. Wir haben aber
keine Boote, von denen aus wir sie abfeuern können. So müssen wir uns
eben auf andere Weise helfen.
Zwei Einbäume werden mit Querbalken in einem Abstand von einem Meter
aneinander gebunden und in der Mitte an den Verstrebungen Laufschienen
angebracht, in denen der Torpedo hängt.
Beim Schuß wird einfach der Öffnungshebel durch Ziehen an einem
Drahtstropp umgelegt und mit einem gewaltigen Satz springt dann
der glänzende, stählerne Riesenfisch, der größer ist als das ganze
Torpedoboot selbst, in der angesteuerte Richtung in die Luft, um
dann im hochaufspritzenden Wasser unterzutauchen und seinem Ziel
zuzuschwimmen.
Wir haben es schon ein paarmal versucht und über Erwarten günstige
Erfolge damit erzielt. Daß beim Schuß, durch den Stoß, die Hälfte der
Besatzung jedesmal über Bord fällt und prustend wieder in die Einbäume,
die dann halb voll Wasser sind, klettern müssen, tut dem Eifer nicht
den geringsten Abbruch.
Wir wollen uns heute in der Nähe der Mündung mit unserem »Torpedotumbi«
-- tumbi heißt auf Kisuaheli »Einbaum« -- in einem verschwiegenen
Seitenkreeck hinter den Mangroven verbergen und dem ersten Engländer,
der versuchen sollte einzudringen, auf 300–400 Meter einen Torpedo in
den Leib jagen. -- Auf diese Entfernung muß er treffen und wirken!
Von der Pinasse geschleppt, steuern wir langsam an Salale vorbei,
das verlassen daliegt. Seine Bewohner, Weiße sowohl wie Schwarze und
Braune, sind jetzt längst geflüchtet. Auf der höchsten Palme sitzt ein
Beobachtungsposten von uns.
Weiter geht es, die schweigenden Mangroven entlang, der Mündung zu. Das
Wasser läuft noch stark stromauf, in zwei Stunden -- etwa um vier Uhr
nachmittag -- wird Hochwasser sein.
Wir passieren die »Somali«, die einsam und verlassen im Fahrwasser
liegt. Treu wie ein Hund ist sie uns bis hierher gefolgt und muß
sich jetzt hier für uns vernichten lassen. Verschiedene Löcher,
herabhängende Eisenfetzen und geknickte Stützen zeugen von der
gestrigen Beschießung.
Wir erreichen die Hauptbiegung des Saningaarmes und somit unser Ziel.
Von den Dutzenden von abzweigenden Querkanälen wählen wir den tiefsten,
zugleich den am besten unter überhängenden Mangroven verborgenen.
Der Doppeleinbaum wird mit frischem Grün geschmückt -- er ist
jetzt vollkommen unkenntlich -- und in der passenden Schußrichtung
festgepflöckt. Die Pinasse verschwindet im Innern des Kreeks.
So sitzen wir und lauern!
Das Wasser steigt nur mehr langsam, also muß es sich bald entscheiden!
Wollen die Engländer uns angreifen, so müssen sie einlaufen, denn von
See aus beträgt die Entfernung bis zur »Königsberg« mindestens 15
Kilometer -- sie ist außer theoretischer Reichweite der englischen
Schiffsgeschütze.