Salale

Die Wasser der Hochsteppen der Wahehe und der Wabena sammeln sich

in dem Ruaha und Ulanga. Im weiten Bogen durchfließen sie das Herz

Deutschostafrikas und vereinigen sich dann in dem Fluß Rufiji, der

seine meist braungrünen Wassermassen durch die Ebene an Nyakisiku,

Mpanganja und Utete vorbei nach Mohoro wälzt. Dort teilt er sich in

eine Unzahl von breiten Armen. Im Laufe der Jahrhunderte, wenn nicht

Jahrtausende, hat er seine nördlich liegenden Mündungen immer weiter

nach Süden verschoben und biegt jetzt bei Mohoro schräg nach der

Kilwagegend zu ab.

Aber die andern mächtigen Arme sind noch keineswegs versandet. In

weiten Bogen und Windungen, bis zu tausend Meter und mehr breit,

durchschneiden sie eine unabsehbare Mangrovenwildnis.

Sie bilden das gewaltige, dem Nil- und Mississippidelta an Größe kaum

nachstehende Rufijidelta.

Von der Höhe des überragenden Pembaberges sieht es im Lichte

der untergehenden Sonne aus wie ein weitmaschiges Netz von

ineinandergeflochtenen Gold- und Silberfäden, die sich in wunderlichen

Krümmungen, bald dick, bald in haarfeinem Gespinst durch den grünen,

ungeheuren Mangroventeppich ziehen.

Ganz weit im Osten, wo der silberne Indische Ozean scharf diese waldige

Sumpfwildnis abschneidet, ragen hohe dunkle Kasuarinen, die nur in

dichtester Nähe des Salzatems des Ozeans leben können.

Dort, fast im Herzen der weitverzweigten Insel- und Wasserwirrnis,

wird das Grün heller, an manchen Stellen fast gelb; dort wehen weite

Palmenwaldungen in leichtem Luftzuge, dort liegt der einzige bewohnte

Ort: Salale.

An dem mächtigen, tiefen Saningaarm gelegen, ist es von See aus

selbst durch große Küstendampfer zu erreichen, sie laufen dort an, um

das Mangrovenholz und die Erzeugnisse der wenigen am oberen Rufiji

gelegenen Pflanzungen zu verladen.

Salale ist sogar Poststelle. Mitten im Wald, an einer besonders hohen

schlanken Palme, ist ein blauer Briefkasten angenagelt, daneben

steht ein kleines, sauberes Lehmhäuschen, in dem der Leiter dieser

Nebenstelle, ein biederer, goldbrauner Goanese sein bescheidenes Dasein

fristet.

Die einzigen Europäer dieses verborgenen Ortes sind zwei alte

Deutsch-Afrikaner: ein Forstbeamter und seine Frau. Sie haben hier

schon viele Jahre ihres Lebens unter den nickenden Palmen zwischen den

Eingeborenen ihrer Station verbracht.

Ihr weißes, einstöckiges Steinhaus steht fast am Strande, mitten in dem

tiefen, hellbraunen Sande, dort gedeiht die Kokospalme am besten. Sie

kommt denn auch überhaupt nur hier oder nicht allzuweit von der Küste

vor. Das ganze übrige Gebiet des weiten Deltas ist von dunkelgrünen

Mangroven bewachsen, ihre Luftwurzeln ragen bei Niedrigwasser in

grotesken Verschlingungen aus dem weichen, tiefen Mutt hervor. Ein

Anlandsteigen ist hier überall fast unmöglich -- man versinkt ohne

weiteres in diesem sumpfigen Lehmbrei.

Gleich hinter Salale hört das tiefe Wasser auf, der Saningaarm macht

eine Biegung und nur eine schmale, keine zwanzig Meter breite Fahrrinne

ist noch vorhanden.

In ihr liegt am 4. November 1914 die »Königsberg«, ganz dicht an die

Mangroven gepreßt, so daß man fast hinüberlangen kann. --

In Monsun und Pori · 第 24 / 68 题