Zeichnet sich durch Kürze aus, die aber nicht Schuld des Verfassers
ist.
Nach dem zweiten Examen wollte Murow, der Seminardirektor, ihn an die
Seminarschule ziehen. Aber Asmus lehnte abermals dankend ab.
Und bald darauf machten die beiden sich auf, eine Wohnung zu suchen.
In einer westlichen Vorstadt Hamburgs, in einem Hinterhäuschen, fanden
sie zwei Zimmer, eine Kammer und eine Küche. Als sie diese Räume
sahen, waren sie mit einem einzigen Blicke einverstanden: Hier kann
das Glück wohnen. Als Asmus dem Hauswirt den »Gottespfennig« in die
Hand drückte, war der erstaunt über die GröÃe des Geldstücks. Es war
ein Taler. Heute konnte Asmus es sich leisten, Grundeigentümer zu
beschenken. Er war dem Manne so dankbar, daà er ihm die reizende
Wohnung abgelassen hatte!
Als er aber für einen Aufsatz, den er in einer Zeitschrift
veröffentlicht hatte, ein ansehnliches Honorar empfangen hatte,
schenkte er der Geliebten ein Kleid von weiÃer Seide, und ihre
Kolleginnen und Freundinnen schenkten ihr dazu einen Einsatz von
köstlicher Stickerei. Wie eine Königin sollte sie aussehen.
Die Ausstattung der künftigen Wohnung war ein ununterbrochenes Fest.
Jeder Stuhl und jedes Kissen war eine Freude für sich, und wenn sie
ein Dutzend Teller kauften, so waren es zwölf Freuden auf einmal. Als
aber am Abend vor der Hochzeit die Freundinnen zu Hilden in das
künftige Heim kamen, um die letzte Hand an den Brautputz zu legen,
siehe, da hatte der treuherzige Handwerksmann die längst versprochenen
Sitzmöbel noch immer nicht geliefert. Kurz entschlossen setzten sich
die Mädchen in einem Kreis um Hilden herum auf den FuÃboden und
durchflochten ihr heiteres Werk mit Lachen und Singen.
In einem Gartenlokal am Elbufer sollte die Hochzeit gefeiert werden.
Nicht umsonst zog es ihn in heiligen Tagen seines Lebens immer wieder
an diesen Strom; auf seinen Fluten war die Seele des Knaben und des
Jünglings von je in alle Fernen der Hoffnung gewandert.
Mit Wolken und leisem Regen begann der Hochzeitstag, und auch, als sie
aus dem Wagen stiegen, regnete es ein wenig. »Es regnet in die
Brautkrone,« sagte eine abergläubische Verwandte, »das bedeutet
Glück«. Und dann ward es ein stiller, wolkenloser, in seiner eigenen
Schönheit seliger Maientag.
Ludwig Semper und Goers der Riese waren Trauzeugen gewesen, und als
nun Goers, der Gütige, sich zu einem Trinkspruch auf das Brautpaar
erhob und ihm aus treuem, lauterem Herzen eine Schar von blühenden
Kindern wünschte, da errötete Hilde wohl, aber nicht in Unwillen,
sondern in einem wirbelnden Gefühl von Scham und Glück.
Und als sie noch beim bescheidenen Mahle saÃen, erklang plötzlich ein
langer, sanfter Geigenton; die Türen des kleinen Saales taten sich
auf, wie von Geisterhand geöffnet, und von einem feinen und sauberen
Streichquartett klang es herein:
Treulich geführt, ziehet dahin,
Wo euch der Segen der Liebe bewahrâ!
Siegreicher Mut, Minnegewinn
Eint euch in Treue zum seligsten Paar.
Und am Pulte des ersten Geigers saà niemand anders als Morieux.
Asmus war aufs freudigste ergriffen von diesem zarten Geschenk; die
Streicher wurden im Triumph an den Tisch geholt, und als alle genug
gegessen und getrunken hatten, erhob man sich zum Tanz. Asmus und
Hilde aber bestiegen den lange schon wartenden Wagen zur
Hochzeitsreise nach dem Hinterhäuschen in der westlichen Vorstadt.
Als sie an seinem Elternhause vorüberfuhren, neigte er sich ans
Wagenfenster und sah so lange hinaus, bis das Haus seinen Blicken
entschwunden war. In diesem Augenblick fuhr ihm wie ein Blitz ein
künftiges Gedicht durchs Herz, und einige Tage später schrieb er es
auf.
_Am Hochzeitstage._
Laut rollt der Hochzeitswagen durch die Gasse.
Wir ruhen drin, zu stillem Glück geeint.
Sieh, wie die Sonne glänzt durch Regenwolken:
Die Hoffnung lacht â und die Erinnârung weint.
So istâs ein Fest der Wonne wie der Trauer.
Ich fühlâs, da neue Liebe mich beglückt,
Wie lang genossâne, unvergoltne Liebe
Mit schwerem Vorwurf meine Seele drückt.
Der Eltern denkâ ich, der verlassânen, alten,
Und während mich dein Zauber sanft umgibt,
ErfaÃt es mich mit wehmutsvoller Mahnung,
Wie zärtlich sie mich je und je geliebt.
Sie lieÃen mich den Traum der Jugend träumen,
Leicht schlug mein Herz! â ihr Haupt war sorgenschwer.
So zweifle nicht, wenn sich mein Auge feuchtet.
Der Sommer prangt; ein Frühling kommt nicht mehr.
Wie rasch der Wagen rollt! Wir fliegen selig
Und zukunftstrunken in die Welt hinaus.
Euch Sternen meiner Jugend sendâ ich GrüÃe
Ins abendrotumkränzte, stille Haus.
Verzeiht dem heiÃen Drang der jungen Seelen,
Der euch des vielgeliebten Sohns beraubt.
Unsterbliches Gedächtnis eurer Liebe
Und Segen über euer greises Haupt!