Angetrunkene Einfälle, die bei jedem vernünftigen Menschen nur
Kopfschütteln erregen können. Im übrigen ein Beweis, daà die
Optimisten nicht immer Optimisten sind.
Wenn er dann so ganz mit sich allein war, dann war er vom Kopf bis zu
den FüÃen sein Vater Ludwig Semper. Er bemalte dann die hohen Wände
des Saales mit ganzen Epochen der Geschichte, mit Werken der
Dichtkunst und der Malerei, lieà sich von einem verdeckten Orchester
Symphonien und Ouvertüren vorspielen, sah sein ganzes Leben durch den
Lichtkreis der einsamen Lampe wandern, kämpfte mit Schopenhauer gegen
Hegel, gab Unterrichtsstunden, zog plötzlich ein Kuvert oder eine
Rechnung oder sonst einen Zettel aus der Tasche und notierte sich die
Idee zu einem wundervollen Gedicht oder Drama, das er schreiben
wollte. Auch Gedanken notierte er sich, die ihm des Aufhebens wert
dünkten, und wenn er nach Tagen oder Wochen bei einem zufälligen Griff
in die Tasche die Zettel wieder hervorholte, knäulte er sie ingrimmig
zusammen und warf sie mit einem gemurmelten »Blech« oder derberen
Worten in den Ofen. Je weiter der Abend fortschritt und je öfter der
Kellner aufgetreten war, desto eigenwilliger wurden natürlich seine
Gedanken; sie kümmerten sich schlieÃlich gar nicht mehr um diesen
Herrn Semper, dem sie angeblich entsprungen sein sollten, und
schnitten Gesichter wie losgelassene Buben. Einige von diesen
Aphorismen, die sich weniger durch dauerhaften Wert als durch den
Zufall erhalten haben, mögen hier Platz finden und zeigen, welche Art
von Luftblasen in jenen Tagen aus den trüben Wirbeln der Semperischen
Seele aufstiegen.
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Wir nehmen den Sonnenaufgang für ein Bild des siegenden Lichtes, der
erfüllten Hoffnung! Aber die Sonne blieb, wo sie war; nur wir drehten
uns â um uns selbst.
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Ein Goldstück fiel ins Wasser und ging unter. »Das kommt davon, wenn
man nicht den beständigen Trieb nach oben in sich hat, wie ich!« rief
ein schwimmender Kork.
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Wie sie sich blähen, die »Praktischen«, die »sich nicht mit vagen
Zukunftsideen abgeben«! Fressen sich voll und grinsen über die, die
dafür sorgen, daà auch morgen zu essen da ist.
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So ist alle Arbeit auf der Welt auf das weiseste verteilt: der eine
hält edle Reden, und der andere handelt darnach.
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Wer klug ist und dennoch gut, der ist wahrhaft gut. Das heiÃt die
Gefahr kennen und dennoch tapfer sein.
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Der Sonntag ist so schön, weil er in sieben Tagen nur einmal kommt. Er
ist schön wie das Lächeln eines ernsten Menschen.
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Man sagt von etwas Unpassendem: »Das paÃt wie die Faust aufs Auge«,
und die paÃt doch mitunter so gut dahin!
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Das Leben ist ein langsamer VergiftungsprozeÃ.
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Dumm und schlecht, â in einer Stunde der Selbsterkenntnis fand der
Mensch für diese Verbindung das Wort »gemein«.
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Aus den Augen des Menschen blickt zuweilen ein gequältes Tier, das
nicht reden kann.
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Die Erde ist eine alte Metze, die sich in jedem Frühling wieder das
Gesicht bemalt.
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Man muà Ambos oder Hammer sein, und wer keins von beiden sein will,
kommt zwischen beide. Armer Rumolt!
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Wenn die Dummköpfe auf Geist stoÃen, so grinsen sie überlegen.
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Manche Brust ist ein Eisschrank, in dem sich die Gefühle vortrefflich
konservieren.
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Beethovens fünfte Symphonie, letzter Satz: Donner der Seligkeit aus
aufgerissenen Himmeln.
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Die Welt besteht durch Gehorsam; aber weitergekommen ist sie immer nur
durch Ungehorsam.
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»Er ist ein enorm gebildeter Mensch,« sagen die Leute und meinen
damit: Er weià dasselbe, was ich weiÃ.
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Was fliegt, ist beliebt; was kriecht, ist verhaÃt. Selbst der Floh ist
angesehener als die Laus; denn er springt.
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Ein richtiger Neidhammel beneidet auch eine erfolgreiche Ballerine,
wenn er selbst Professor der Ethik ist.
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Man soll die Menschen aufklären, gewiÃ; aber es gibt Geister, die
durch RippenstöÃe geweckt sein wollen.
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Wenn man seine Dummheiten bei der Obrigkeit rechtzeitig als
Heiligtümer anmeldet, genieÃen sie gesetzlichen Schutz.
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Auf dem Lande gibt es Kollegen, die sich ein Schwein fett machen. Ich
will aufs Land gehen und mir einen borstigen Menschenhaà fett machen.
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Selbst Herkules hat nur die Ställe des Augias ausgemistet.
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Der Ochse, der tausendmal auf die Weide getrieben wurde, sammelt
freilich »Erfahrungen«. Aber weniger in der Botanik als im Fressen.
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»Endlich wird mir Genugtuung!« rief die Distel, da hatte der Blitz die
Eiche zerschmettert.
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Keine Tiergattung, die so viele und so verschiedene Varietäten
aufweist wie der Hund. Grenzenloses Akkomodationsvermögen ist ein
Merkmal der Hundenatur.
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Ich habe Professoren und Schulmeister kennen gelernt, die
bereitwilligst zugaben, daà Goethe die Formgewandtheit vor ihnen
voraus habe.
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Wenn die Könige bauân und wenn sie niederreiÃen, â ein rechter
Karrenschieber findet immer sein Brot.
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Das Leben ist das allmähliche Erwachen eines Gefangenen, der von der
Freiheit träumte.
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Man kann die gröÃten Dummheiten mit der Ruhe des Weisen sprechen.
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Es gibt Künstler, die ihr Talent in schmale Riemen zerschneiden, um es
auszubeuten. Sie können es, wie Dido, zu einem ansehnlichen
Grundbesitz bringen.
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Es war ein kleines Mädchen, dessen Mutter hatte man ins Irrenhaus
bringen müssen. Und man stopfte ihm die Hände voll Ãpfel und Backwerk,
daà es nicht mehr an die Mutter denken sollte. Aber es konnte die
Mutter nicht vergessen.
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Wenn ein Mandrill den Husten hat, so vergiÃt man seine HäÃlichkeit,
oder man ist ein Ãsthet und Hallunke.
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Niemand ist vor seinem Tode ein Goethe, sagte der Professor.
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Schon bei der Geburt tritt der Mensch in etwas, das man Leben nennt.
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Italien scheint mir ein alter, zerfallener Gorgonzola unter einer
wunderschönen Kristallglocke zu sein.
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O, dieses Korsett! Man glaubt ein Weib zu umarmen und man umarmt einen
Hummer.
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Die Ratte hat keinen Freund â das könnte mich zu ihrem Freunde machen.
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Bei jedem schweren Gange sage dir dies: Bei Abschied und Wiederkehr
sind die Leute da mit Hurra und Trara â den langen, bittern Weg muÃt
du allein gehen.