»So. Na, dann weià ich schon Bescheid. Wat wollân Sie sagen, Herr
Semper?«
»Herr Drögemüller hat allerdings die Form des Wunsches, aber den Ton
des Befehls gewählt, und da ich diesen Wünschen nicht nachkomme,
verfolgt er mich mit Aufpassereien, die mich ärgern und kränken
müssen und die mir die Lust an der Arbeit vernichten.«
»Na ja, zum Aufpassen ist Herr Drögemüller ja da,« sagte Korn, der das
Gefühl hatte, daà er den zusammengesunkenen Drögemüller ein wenig
wieder aufrichten müsse; »es gibt leider auch faule und unfähige
Lehrer, die einen Aufpasser brauchen. _Aber schikaniert wird hier
keiner_«, fuhr er mit erhobener Stimme und mit einem Seitenblick auf
den Ankläger fort. »_Wenn ein Lehrer was kann und was will, dann soll
er jede mögliche Freiheit jenieÃen und nicht mit Quisquilien behelligt
werden._ Aber verjessen Se nich, Herr Semper, dat Se Beamter sind, den
Rat jebe ich Ihnen. â Sie können jehen, Herr Drögemüller. Sie bleiben
noch, Herr Semper.«
»Soll ick Sie an die Seminarschule versetzen?« fragte Korn, als sie
allein waren.
Das war sozusagen eine Beförderung; denn es stand fest, daà die Lehrer
an der Seminarschule schneller avancierten als die anderen. Mit dieser
Kenntnis hatte Asmus immer die Vorstellung von Karrierenluft
verbunden, und diese bloÃe Vorstellung genügte, ihn zurückzuschrecken.
Es muÃte ja Aufpasser geben in der Welt; aber er mochte keiner sein.
Und wo man Karriere machte, da paÃten gar die Strebenden einer auf den
andern! Er fand es ungleich schöner, immer in unmittelbarer
Verbindung mit den Kindern zu bleiben. Konnte man sich Pestalozzi als
inspizierenden Oberlehrer denken? Asmus sah ihn immer nur unter
Kindern.
»Ich danke Ihnen sehr, Herr Schulrat,« sagte Asmus, »aber ich möchte
die Kinder, die ich nun einigermaÃen kenne, noch einige Jahre
weiterführen. Und dann habâ ich in meinem Kollegium so liebe Freunde
gefunden, daà ich mich ungern von ihnen trennen würde â«
»Na, wenn Se nich wollen â« rief Korn in halber Verstimmung, »denn
sehn Se zu, wie Sie sich mit dem Drögemüller vertragen. Mitâm Kopp
durch die Wand kann keiner, und jefallen lassen müssen wir uns alle
was. Ich auch. Adieu!«